Fat-Touren-Bike »Pilger«

Ein völlig neues Fahrerlebnis

und neue, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich mit diesem Fahrrad. Wer Velotraum kennt, weis, dass wir hinsichtlich Produktversprechen der Superlative stets sehr zurückhaltend sind. Schließlich sind Velotraum-Räder – im Gegensatz zu Rennrädern und MTBs – ja eher Nutzfahrzeuge und Gebrauchsgegenstände; wenn auch solche, die eine besondere Wertschätzung seitens Ihrer Besitzer genießen. Mit dem »Pilger« haben wir nun ein grandioses Nutz-Spielzeug entwickelt ;-)

Der »Pilger« ist eine radikale

und konsequente Erweiterung der bisherigen Velotraum-Produktpalette. Ein »Tourenrad« auf Basis extra breiter Reifen. Die Reifenbreite – übrigens 26-Zoll Laufradgröße – für die das Velotraum-Fatbike ausgelegt ist, beiträgt mächtigem 4,7 Zoll statt der üblicherweise 2 bis 2,4 Zoll eines klassischen Mountainbikes. Derart üppig bereifte Räder werden »Fatbikes« genannt.

Mit dem »Pilger« kombinieren wir nun Fatbike-, Touren- und Reiserad-Elemente zu einem vollkommen neuen Fahrerlebnis und bisher nicht gekannten Erlebnis-Möglichkeiten. Denn da, wo mit einem bisherigen Velotraum kein oder nur ein extrem beschwerliches Weiterkommen möglich war, öffnen sich nun neue Wege. Die extra breiten Reifen bieten auf losem Untergrund (Sand, Matsch, Kies, Schnee usw.) besonders viel Vortrieb und, da sie mit geringem Druck (0,6 –0,8 bar) gefahren werden, zudem viel Kontrolle und Komfort im Vergleich zu einem ungefederten Rad. Mit dem Fat-Reifen-Konzept des Pilgers lässt sich gänzlich auf aufwändige Federung verzichten, sprich trotz extremer Geländegängigkeit bleibt die Technik im positiven Sinne einfach: draufsitzen und losfahren.

Ein Tourenrad mit Extrem-Breitreifen ist eine wuchtige, aber logische und konsistente Erweiterung der Velotraum-Produktphilosophie. Es erlaubt das Fortkommen in bisher unfahrbaren Gefilden und erschließt z.B. den schneereichen Winter für Tourenradler. Mit dem Pilger steht der Prozess des Unterwegs-Seins, die Entschleunigung, die Erlebnis- und Wahrnehmungs-Intensität noch mehr im Vordergrund; Geschwindigkeit, Kilometerleistung, Schnitt und Effizienz werden zur Nebensache.

Man kann mit dem Pilger auch so richtig die Sau raus lassen und sich austoben, ein Workout bis die Lungenflügel pfeifen und die Oberschenkel brennen ;-)

Der Rahmen des Pilgers ist eine völlige Neukonstruktion unter Verwendung bewährter Velotraum-Details, wie z.B. verstärkte Steuer- und Sitzrohre sowie Ausfallenden. Außergewöhnlich sind die extrabreiten Radaufnahmen (135/170 mm) und die 100 Millimeter Tretlagerbreite. Ein niedrig angeordnetes Oberrohr mit Knick schafft genügend Überstandshöhe trotz 4,7-Zoll-Bereif­ung. Natürlich verfügt auch der Pilger über die Velotraum-typische hohe Rahmen-Steifigkeit und Gepäck-Eignung.

Ebenfalls eine Spezialentwicklung ist der Tubus-Gepäckträger, der unterschiedlich hohe Einhängepositionen für Packtaschen bietet. Eine, in jeder Hinsicht dazu passende Velotraum-Gabel ist in Vorbereitung. Ach ja, als Zweit-Laufradsatz lassen sich 650B- und 29er-Laufräder verwenden, damit gibt es nun ein Velotraum, dass alle Laufradgrößen kann ;-)

Fahrverhalten und Rollwiderstand

Bisher war jeder, der den Pilger schon mal fahren konnte überrascht, wie gut und so überhaupt nicht monströs sich dieses Rad fährt. So schrieb Andrea Reidl im Zeit-Blog »Nach einer kurzen Probefahrt war ich ziemlich begeistert. Der Pilger rollt super-lässig über unebenes Gelände, aber auch auf Asphalt haben mir seine Fahreigenschaften gut gefallen.«

Unser persönlicher Fahreindruck, lässt sich vielleicht so zusammenfassen:

  1. Jenseits des Asphalts und mit dem richtigen Luftdruck rollt das Rad verblüffend leicht, da Unebenheiten ohne Hubarbeit einfach geschluckt werden. Die Erklärung und den physikalischen Hintergrund dafür gibt es hier. Die von Velotraum schon seit 15 Jahren ins Feld geführten Vorteile, lassen sich tendenziell sicher auch auf die extreme Fatbike-Reifenbreite übertragen.
  2. Die Sicherheits- und Komfort-Reserven sind enorm und lassen ein auch schlechte und anspruchsvolle Wegstrecken ziemlich entspannt bewältigen.
  3. Die möglichen Einsatzbereiche des Pilgers sind daher verblüffend umfassend und übertrifft das Extrem-Image, mit denen Fatbikes überwiegen in Verbindung gebracht werden, um ein Vielfaches.

Nabenschaltung

Wir haben so ziemlich jede sinnvolle und mögliche Lösung untersucht und zum Teil getestet, die es ermöglichen würde, eine Rohloff- oder Shimano-Getriebnabe im Velotraum Pilger zu verwenden. Im Moment scheitern alle denkbaren Lösungen an der Nabengeometrie dieser Naben, sprich die 60 Millimeter Abstand sind zu gering für 80 oder 100 Millimeter breite Felgen. Die ganze Problematik wird noch durch die klassische Klemmbreite von 135 Millimeter verschärft. Nur mit abenteuerlichen Adapter-Lösungen oder vogelwilden Einspeichmethoden kriegt man die Speedhub und Alfine so eingebaut, dass zumindest die Kettenlinie einigermaßen passt. Eine Fatbike-Speedhub ist seitens Rohloff im Moment nicht geplant. Vor diesem Hintergrund haben wir davon abgesehen, gleich die erste Rahmenserie mit einem kostspieligen Exzenter-Tretlager auszustatten.

Nachtrag 18.07.2014: Inzwischen haben wir ein erstes Muster der Speedhub-XL erhalten und ab September 2014 kann Rohloff die Nabe regulär liefern. Für unsere Rahmenentwicklung kam dieser Gesinnungswandel bei Rohloff leider etwas zu spät. Dennoch lässt sich die Nabe problemlos im Pilger einbauen, da die Klemmbreite (170 mm) sowie Kettenlinie passen und alle Zugführungsoptionen vorhanden sind. Einzig ein Kettenspanner ist nötig.