Tandem
Dieser Eindruck
drängt sich auf, wenn man einmal selbst erlebt hat, wie ein vorbeigleitendes Tandem freudiges und erstauntes Lächeln in zuvor versteinerte Mienen zaubert. Und in der Tat, intuitiv scheinen die Menschen zu spüren, dass zwei Menschen auf einem Fahrrad mehr sind, als eine exotische Erscheinung. Sie sind das im Einklang dahinkurbelnde Sinnbild für Vertrauen, Rücksichtnahme, Gemeinsamkeit und Einfühlungsvermögen.
Und damit sind wir schon beim Kern des Tandemkaufs: Habe ich den richtigen Partner dafür, bin ich selbst ein guter Partner fürs Tandemfahren? Denn Vorsicht: Das Tandem ist der perfekte Beziehungskatalysator – alles tritt verstärkt zu Tage: die Hölle, wenn’s schief geht, der Himmel, wenn’s funktioniert. Wir selbst blicken auf überwiegend »heitere« Erlebnisse zurück und ermuntern zum Test.
Technik
Laufradgröße, Laufräder.
Wie beim vielseitig genutzten Solofahrrad bauen wir beim Tandem grundsätzlich 26-Zoll-Laufräder. Noch stärker zeigen sich hier die vorteilhaften Eigenschaften wie höhere Steifigkeit und Stabilität sowie die Möglichkeit unterschiedlich breite Reifen montieren zu können. Erst ab einer Reifenbreite von über 37 Millimeter verlieren Bordsteinkanten und Schlaglöcher ihren Schrecken, denn beim Tandem kann man nicht mal kurz das Vorderrad entlasten, wenn ein solches Hindernis auftaucht. Dank der 26-Zoll-Laufräder in Verbindung mit besonders hoch belastbaren Felgen sind inzwischen 32 bis 36 Speichen ausreichend. Die handelsüblichen Felgen-Lochzahlen hat den Vorteil, dass – bei einem unvorhergesehenen Reparaturfall – auch mal auf handelsübliche Angebote zurückgegriffen werden kann.
Bei den Naben haben sich DT-Swiss »540« Tandem-Naben allerbestens bewährt, technische Kleinode in superber Verarbeitung. Zwar etwas teurer um nicht zu sagen kostspielig, aber dank stirnverzahntem Freilauf den Tandembelastungen spielend gewachsen. Auch wenn die Spritzigkeit des Tandems durch die knapp 700 Gramm schweren Extrem-Felgen etwas leidet sind sie die optimale Lösung. Diese supersteifen Felgen schonen die Naben und Speichen, da sie die auftretenden Belastungen gleichmäßig auf mehr Speichen und Speichenlöcher verteilen. Zudem nehmen sie mehr Abwärme beim Bremsen auf, sind gegen das gefährliche Durchbremsen der Felgenflanken weitestgehend gefeit und verhindern hitzebedingte Schlauchplatzer.
Rahmen.
Eine nicht optimale Rahmengeometrie bzw. Rahmensteifigkeit oder kippeliges Fahr- und Lenkverhalten können einem den Spaß am Tandemfahren komplett verderben. Somit kommt dem Rahmen die größte Bedeutung zu. Dabei gilt: Ein Tandem kann nicht steif genug sein! Wenn zwei Menschen auf einem mit Gepäck beladenen Tandem aus dem Sattel gehen und mit Schmackes in die Pedale treten, trennt sich die Spreu vom Weizen. Unter diesen »erschwerten« Bedingungen konnten uns bisher nur wenige Tandems überzeugen.
Ein weiterer wichtiger und oft wenig beachteter Punkt ist die hintere Rahmenlänge, die dem Kopiloten Platz und Raum gibt. In dem Bemühen, die gesamte Länge des Tandems zu verringern und somit eventuelle Schwächen hinsichtlich der Steifigkeit zu kaschieren, wird das hintere Oberrohr meist zu kurz gewählt und zwingt den Kopiloten in eine katzbucklige, beengte Sitzhaltung, oder er klebt mit der Nase am Rücken des Piloten. Unsere Empfehlung sind daher 72 bis 76cm hintere Oberrohrlänge.
Gabel.
Einer Tandem-Gabel muss schon allein aus Sicherheitsgründen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Sie ist funktional wie konstruktiv ein eigenes Bauteil, da sie besondere Belastungen verdauen muss.
Reifen.
Es gibt keine speziellen Tandemreifen. Dennoch gibt es hier wenig Probleme. Man muss strikt den maximal zulässigen Luftdruck beachten und hochwertige Reifen verwenden, die aufgrund ihres aufwendigen Karkassenaufbaus einen hohen Luftdruck vertragen. Wir haben eine Vielzahl von sinnvollen Breiten und Profilvarianten zur Auswahl.
Ein Problem, das hin und wieder auftaucht, ist der Schlauchplatzer durch Überhitzung. Dabei wird die Felge durch das Bremsen so heiß, dass die dabei enstehende Hitze den Schlauch platzen lässt. Eine gefährliche Sache, die Gott sei Dank nur bei schwer beladenen Tandems und langen steilen Abfahrten (Passabfahrten) auftritt. Das einzige Gegenmittel ist: regelmäßig Pausen einlegen – gerade bei der Abfahrt.
Bremsen.
Wenn es das Budget und die technischen Rahmenbedingungen zulassen, empfehlen wir nachdrücklich die hydraulischen Felgenbremsen von Magura. Zuverlässigkeit, Hitzebeständigkeit und hohe Bremsleistung sind bei der »HS 33« bzw. »HS 11« Fakt. Für Technik-affine Tandempiloten darf es inzwischen auch eine Scheibenbremsen sein, allerdings sollten Wissen und Können rund um die speziellen Eigenschaften dieses Bremsentyps unbedingt vorhanden sein. Denn die Scheibenbremse packt zwar auch bei Nässe kräftig zu, kann aber bei Dauerbremsung überhitzen und dadurch plötzlich sehr stark an Bremsleistung verlieren.
Federung.
Die Vollfederung beim Tandem ist ein verflixt schwieriges Kapitel und bei genauerer Betrachtung auch völlig unnötig – zumindest für ein sportives Tourentandem. Uneingeschränkt sinnvoll sind hochwertige, gefederte Sattelstützen für den im Blindflug dahinkurbelnden Kopiloten. Ähnlich wie die Vollfederung beurteilen wir den Einsatz von Federgabeln. Nur wenige Modelle haben die Freigabe seitens ihrer Hersteller (selbst die Herstellerfreigabe gewährleistet leider nicht, dass die Federgabel den Tandemeinsatz dauerhaft übersteht), und davon haben die meisten viel zu viel Federweg und zudem ist nur der Kapitän gefedert.
Velotraums Tandem-Rahmen
Mit einem Tandem von Kuwahara fing vor 16 Jahren unsere Tandemleidenschaft an. Seit dieser Zeit träumen wir davon, »eigene«, individuelle, solide und dennoch preiswerte Tandems anbieten zu können. Nur, es fehlten uns ein vernünftiger Rahmen und bezahlbare Spezialteile wie Kurbelsatz und Laufräder. Zwar nahm das Angebot an Spezialteilen zu, bei den Rahmen gab es aber überwiegend nur feinste und kostspielige Edelware à la Santana oder »Gurken« à la… Inzwischen tauchen zwar hier und da Tandemrahmen auf, die auf den ersten Blick ganz anständig wirken, aber dann doch immer wieder gravierende Schwächen im Detail und/oder im Vertrieb haben.
»T-2«-Rahmen.
Da der Tandemmarkt klein ist und die zu erwartenden Absatzmengen erfahrungsgemäß überschaubar sind, rechnet sich für Velotraum eine komplette Tandem-Eigenentwicklung nicht und so machten wir uns auf die Suche nach einem Partner. Mit dem entscheidenden Quentchen Glück zur richtigen Zeit konnten wir einen sehr renommierten europäischen Anbieter für eine Kooperation gewinnen und bringen nun unser gemeinsames Know How in die Entwicklungsarbeit ein. Der T-2-Rahmen hat sich nun seit 2004 herrausragend in der Praxis bewährt und einige Optimierungsläufe hinter sich, die ihn zu einem echten Tandemrahmen-Prachtstück machen.
Die wichtigsten Rahmen-Merkmale
- 26 Zoll Laufradgröße für maximale Reifen- und Nutzungsvielfalt sowie Laufradstabilität und Komfort
- Rahmenmaterial Aluminium 7005 T6, dreifach konifiziert, Gewicht mit zwei Exzentern: 3.900 Gramm
- sehr steifer Oversize-Rahmen. Ein wichtiges konstruktives Element dafür sind, neben den voluminösen Rohren (ø 50,8 Millimeter), das durchlaufende Ober- und Diagonalrohr. Die Sitzrohre sind durchgesteckt
- sehr langes Stoker-Oberrohr, damit auch größere Kopiloten ergonomisch korrekt, nämlich gestreckt, sitzen können (74 bis 76 Zentimeter)
- vollzählige Anlötteile, auch für Scheibenbremsen, Rohloffnabe, Zweibeinständer und eine dritte, vom Stoker zu bedienende, Bremse
- perfekte Schalt- und Bremszugverlegung
- Klemmbreite des Hinterbaus 137,5 statt 160 Millimeter. Somit können 140 Millimeter breite Tandemnaben, wie auch Rohloffnaben, gefahren werden (Das Dogma des symmetrisch gespeichten Hinterrades ist für 26-Zoll-Tandems in Kombination mit Mountainbike-Downhill-Felgen hinfällig)
- Das maximale Systemgewicht (Besatzung, Tandem, Gepäck) beträgt 200 Kilogramm. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sind sowohl Rahmen wie auch Gabel noch höher belastbar, allerdings sind uns im Moment keine praxisgerechtenTestmöglichkeiten bekannt, die solche Belastungen realitätsnah abbilden und überprüfen können.
»C-425«-Gabel.
Ähnlich wie beim Rahmen müssen auch an die Tandem-Gabel (unsere ist aus Stahl) sehr hohe Anforderungen gestellt werden. Insbesondere wenn man die zusätzlichen, asymmetrisch einwirkenden Belastungen bei der Verwendung von Scheibenbremsen berücksichtigt. Eine Standardgabel kann diese Anforderungen nicht erfüllen, sie wäre ein Sicherheitsrisiko.
Speziell für diese Anforderungen haben wir die Gabelscheiden der C-425-Gabel besonders voluminös gewählt und in Belastungsrichtung auf einen Querschnitt von 35×28 mm ovalisieren lassen (Standardgabel 30×25 mm). Beim renommierten Institut EFBe Prüftechnik in Waltrop muss die C-425-Gabel erfolgreich die Tests der höchsten Leistungsklasse »Top Performance« bestehen.
Unser Fazit
In der Summe ist der T-2-Rahmen in Verbindung mit der C-425-Gabel nicht nur eine solide Basis für ein hochwertiges Qualitätstandem, er ist darüber hinaus eine vollwertige und preiswerte Alternative zur vermeintlichen Tandemelite. In Verbindung mit den Möglichkeiten unseres Baukastensystems, das individuellen Wünschen und Vorstellungen viel Raum lässt, sind unsere Tandems eigentlich nicht zu schlagen.


























