Die Velotraum-Kinderräder
K-1 und K-2
Es ist schon ein Kreuz
mit den Kindern. Sie sind unsere Zukunft, aber dennoch sind sie uns zu schwierig, zu teuer, zu laut… Und selbst wenn man den Kleinen etwas richtig Gutes tun möchte, zum Beispiel ein gescheites Fahrrad kaufen, wird’s zäh. Gute Fahrräder für Kinder zu finden, ist schier aussichtslos, auch für gutes Geld ist kaum etwas Hochwertiges zu bekommen. Die Dinger sind in aller Regel zu schwer und bestehen meist aus billigsten, oft untauglichen Komponenten. Lenkerform, Vorbaulänge und Rahmengeometrie zwingen die Kinder in eine viel zu beengte Sitzposition. Das führt, in Verbindung mit dem nun kaum belasteten Vorderrad, zu kippeligen und wackeligen Fahreigenschaften. Das Ganze wird dann mit schweren und schwergängigen 3- bis 5-Gang-Nabenschaltungen ausgestattet – womöglich noch mit Rücktrittbremse – und fertig ist der Kinderradschwerlaster, der allenfalls fürs Rumgurken in der Wohnstraße taugt.
Vor vier Jahren sind wir das erste Mal angetreten, um diesem Trauerspiel ein Ende zu bereiten, denn die anspruchsvollen Velotraum-Kunden verlangten nach einem adäquaten fahrbaren Untersatz für den geliebten Nachwuchs. Wir waren zwar skeptisch hinsichtlich des kommerziellen Erfolgs der kleinen Veloträume, legten uns aber dennoch – wir sind eben Überzeugungstäter – kräftig ins Zeug.
Aus der vermeintlichen Liebhaberei für Stammkunden ist inzwischen ein kleiner Erfolgsschlager geworden, trotz der happigen Preise. Doch Velotraum wäre nicht Velotraum, wenn wir uns mit dem erreichten Standard zufrieden geben würden. Auch die Kinderräder werden weiter entwickelt und so stimmiger und runder.
Allgemeine Überlegungen
Wir nehmen die Aufgabe, gute Kinderräder zu bauen, ernster denn je. Schließlich haben die letzten Jahre gezeigt, dass wir kein überspanntes Luxusprodukt anbieten, sondern einen handfesten Gebrauchsgegenstand. Wir haben in stolze und begeisterte Kinder- wie Elternaugen geblickt und waren oft selbst überrascht, welchen Aktionsradius und wieviel Spaß Kinder auf einem g’scheiten Rad haben können. – Spielerisch, ohne Leistungspeitsche wohlgemerkt und weit über das in der Wohnstraße Rumheizen hinausgehend. Mit großer Umsicht und unter Abwägung der unterschiedlichsten Faktoren haben wir so die Entscheidungen hinsichtlich Einsatzbereich und Ausstattungsmöglichkeiten getroffen.
Kinderrad und Gewicht – je geringer, desto besser
Nicht selten wiegen Kinderräder zweimal soviel wie Papis Edelrennrad. Räder mit fünfzehn bis zwanzig Kilogramm sind jedoch eine Zumutung für die Kinder, oder würde Ihnen – hochgerechnet – ein vierzig-Kilo-Fahrrad Spaß machen?! Im Verhältnis zum Körpergwicht von zwanzig bis dreißig Kilogramm sollten Kinderräder gerademal fünf bis sechs Kilogramm wiegen – technisch zwar machbar, allerdings nur zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens.
Auch Velotraum kann die Marktgesetze nicht außer Kraft setzen, aber mit 10,3 Kilogramm für das »K-2« und 9,8 Kilogramm für das »K-1« sind unsere Räder nur noch »relativ schwer«. Für Kinder sind die drei bis fünf Kilogramm weniger an Gewicht zu herkömmlichen Kinderrädern allerdings ein gewaltiger Fortschritt.
Kettenschaltung oder Nabenschaltung am Kinderrad?
Kaum ein Aspekt von Kinderrädern wird so kontrovers diskutiert wie die Schaltung. Dabei stehen sich die Ketten- und die Nabenschaltungsfraktion scheinbar unversöhnlich gegenüber. Nach vielfacher und hartnäckiger Nachfrage bieten wir inzwischen beide Techniken an (wie bei unseren Erwachsenenrädern), auch wenn uns das höhere Gewicht der Nabenschaltung an Kinderrädern besonders stört.
Die Kettenschaltung
Seit Jahren hat sich hier ein Mix aus einfacheren aber soliden Shimano-Komponenten bewährt. Die Drehschalthebel lassen sich sehr leicht und exakt betätigen und eine Entlastungsfeder am Schaltwerk verhindert größere Schäden, wenn im Stand geschaltet wird. Passend zum Einstiegsalter und Einsatzgebiet können sie zwischen acht Gängen mit nur einem Kettenblatt, oder 16 Gängen mit zwei Kettenblättern wählen.
Die Vorteile der Kettenschaltung sind der günstigere Preis, das um 1.200 Gramm geringere Gewicht (gegenüber der Nabenschaltung) sowie der bessere Wirkungsgrad. Der beträgt bei einer gut gewarteten Kettenschaltung immerhin 97 bis 98 Prozent. Auch der Aus- und Einbau des Hinterrads nach einem Plattfuß ist bei der Kettenschaltung einfacher zu bewerkstelligen. Von Nachteil sind die höhere Defektanfälligkeit bei Stürzen, grober Fehlbedienung oder insgesamt raubauziger Behandlung.
Die Nabenschaltung
Eigentlich wie für Kinder gemacht. Einfachste Bedienung, da sowohl beim Treten als auch im Stehen geschaltet werden kann, keine abstehenden und exponierten Teile, wie das Schaltwerk der Kettenschaltung, und deutlich wartungsärmer ist die Nabenschaltung.
Allerdings nur, wenn man auf die Premiumprodukte der jeweiligen Anbieter zurückgreift. Mit Blick auf den Endpreis haben wir einige 3-, 5- und 7-Gang-Naben getestet und durch die Bank für nicht kinderradtauglich empfunden. Zu geringer Übersetzungsbereich oder hakelig und schwergängig in der Bedienung. Wie sollen Kinder mit so einem Zeug den Spaß am Radfahren finden? Nun, die Shimano Inter-8 konnte überzeugen, denn hier stimmt einfach alles: leichtgängig und präzise zu schalten, ein akzeptabler Wirkungsgrad von 90 bis 92 Prozent. Bleibt der relativ hohe Preis und das Mehrgewicht von 1.200 Gramm gegenüber der Kettenschaltung.
Die Entscheidung über das Schaltsystem sollte jedoch nicht am grünen Tisch oder nach der Papierform getroffen werden, sondern kindgerecht und praxisnah. Damit dies möglich ist, gibt es die Velotraum-Kinderräder in zwei Ketten- und drei Nabenschaltungsvarianten (siehe: Kinderrad-Ausstattungsvorschläge).
Sonstige Komponenten – kindgerecht
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Kinderräder durchgängig mit kindgerechten, ergonomischen Komponenten ausgestattet werden. Die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus. Schwergängige, schlecht zu bedienende Schaltungen und unerreichbare Bremsgriffe sind noch die kleineren Sünden. Manche Bremsanlage an Kinderrädern ist so schlecht, dass selbst die maximale Handkraft eines Erwachsenen nicht ausreicht, die Räder zum Blockieren zu bringen. Um eine, auch für die geringen Kinderhandkräfte wirksame Bremsanlage zu realisieren, verwenden wir spezielle Kinderbremshebel, leichtgängige Edelstahl-Bremszüge und hochwirksame V-Brakes.
Die hochwertigen Naben mit Schnellspannern reduzieren den Rollwiderstand und erleichtern dem Familien-Mechaniker die Arbeit bei Plattfüßen. Aluminium-Felgen, Edelstahlspeichen und leichte Semislick-Bereifung runden unsere hochwertigen Laufräder ab.
Echte, speziell für uns gefertigte Raritäten sind die beiden Kurbelgarnituren mit 130 und 152 Millimeter Kurbellänge. Beide sind mit leichten Aluminium-Kettenblättern und einem Aluminium-Hosenschutzring bestückt. Ebenfalls eine exklusive Sonderanfertigung ist der Alu-Gepäckträger mit Federklappe. Es können sogar kleine Packtaschen eingehängt werden. Sie sehen, wir unternehmen große Anstrengungen und Investitionen, um die Kinderräder bis ins Detail zu optimieren.
Rahmen und Gabel
Das Herzstück unserer Kinderräder ist einmal mehr der Rahmen. Im Prinzip gelten für Kinderradrahmen die gleichen Anforderungen wie bei Erwachsenen: Der Rahmen muss haltbar und steif sein und sich ausgewogen fahren und lenken lassen. Darüber hinaus sollte der Rahmen möglichst leicht und für ein möglichst langes Mitwachsen konzipiert sein. Allerdings sind da drei bis vier Jahre eine natürliche Grenze, auch wenn Mitbewerber etwas anderes versprechen. Unsere Kinderradrahmen sind beide aus 7005-Aluminiumrohren geschweißt und wiegen 1.450 bzw. 1.560 Gramm (ohne Gabel) – eine gute Basis für ein leichtes und sicheres Kinderrad.
Bewusst haben wir beim Rahmen auf Einweglösungen wie »Glockenlager«, Blechausfallenden, Nietlösungen für die Schaltungen, sowie Baumarkt-Dimensionierungen bei Sattelstütze, Lenker und Vorbau verzichtet. Unsere Kinderräder haben normale BSA-Innenlager, 27,2 Millimeter Sattelstützmaß, Steuerrohr und Gabel weisen das moderne 1 1/8 Zoll A-Headsystem auf. Bei eventuell anfallenden Reparaturen kann so auf gängige Komponenten oder sogar auf Bestände aus Papis Fahrradkeller zurückgegriffen werden.
Ein weiteres Highlight ist die eigens gefertigte Gabel, die nicht aus dem üblichen HiTen-Wasserleitungsrohr gefertigt wird, sondern aus hochfestem Chrom-Molybdän-Stahl. Beide Rahmen ermöglichen den kleinen Piloten eine gemäßigt sportive Sitzposition (45 bis 60° Neigung), wie sie von Fachleuten unisono auch jedem Erwachsenen empfohlen wird (siehe auch »Fahrrad als Maßanzug«).
20-Zoll-Laufräder für beide Rahmengrößen
Eines werden Sie bei den Velotraum-Kinderrädern vergeblich suchen: die marktübliche Größenabstufung mittels der Laufradgröße, also 16-, 18-, 20- und 24-Zoll-Kinderräder. Dieser überholten Konvention stellen wir die überlegte und inzwischen bewährte Funktionalität eines 20-Zoll-Laufradkonzepts mit zwei verschiedenen Rahmengrößen, K-1 und K-2, entgegen. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Die 20-Zoll-Laufräder sind heutzutage die Standardgröße für Falt-, Liege-, und BMX-Räder. Sprich, die Reifen- und Felgenauswahl ist groß und ermöglicht z. B. ein gewisses »Mitwachsen« über die Reifendicke.
- Die 20-Zoll-Laufräder bieten eine ideale Kombination aus Kompaktheit, wichtig für eine möglichst geringe Überstandshöhe, und Fahrkultur, sprich, die Dinger rollen und fahren sich gut.
- Die 20-Zoll-Laufräder ermöglichen es, eine wesentlich stabilere und/oder leichtere Diamant-Rahmenform zu verwenden, statt der oft üblichen Zentralrohrrahmen mit nur einem Rahmenhauptrohr.
- Die 20-Zoll-Laufräder schaffen mehr Freiräume bei der Rahmengestaltung, die sich eins zu eins in einer besonders hohen Funktionalität niederschlagen.
Velotraum K-1
Unser »Kleiner« für Kinder ab fünf bis sechs Jahren. Damit sich speziell die kleinsten Velotraum-Radler sehr sicher und wohl fühlen können, haben wir viel Sorgfalt auf die Rahmenkonzeption verwendet. Unser Hauptaugenmerk lag dabei auf einer möglichst geringen Überstandshöhe. Denn nicht nur in der Lernphase ist es sehr wichtig, dass ein Kind beim schnellen und überraschenden Anhalten nicht schmerzhaft auf dem Oberrohr aufschlägt. Mit nur 45 Zentimeter Überstandshöhe in Verbindung mit einem 2-Zoll-Reifen (!) bietet das K-1 hier eine sehr hohe Sicherheitsreserve und viel Spielraum zum Hineinwachsen.
Unserer bisherigen Erfahrung nach »hält« so ein Rad gut drei Jahre. Das knuddelige K-1 ist aber auch sonst ein vollständiges Fahrrad, mit Ösen für Schutzbleche und Gepäckträger sowie Ständerplatte für die Parkstütze bleibt kein Ausstattungswunsch unerfüllt. Die maximale Reifenbreite beträgt 2,2 Zoll. Für den Anfang ist es jedoch sinnvoll, einen schmaleren Reifen zu verwenden, damit Ihr Kind mit den Füßen besser auf den Boden kommt.
Velotraum K-2
Für die »Großen«. Auch wenn das K-2 auf den ersten Blick sich kaum vom K-1 unterscheidet, so sind die Unterschiede in Zentimeter ausgedrückt doch ganz beachtlich. Das K-2 ist einfach zwei Rahmennummern – wenn man den Vergleich zu Erwachsenenrahmengrößen zieht – größer als das K-1. Auch ein zehnjähriges Kind wird noch gut auf dem K-2 Platz finden, vorausgesetzt die Vorbaulänge und Lenkerhöhe wurden entspechend dem Wachstum angepasst. Aber nicht nur die Rahmengröße ist für größere Kinder geeignet, auch die besondere Stabilität des Rahmens kommt nun voll zum Tragen. Denn Zehnjährige sind nicht nur schwerer und kräftiger, sie können auf kleinen Radreisen schon einen Teil des Gepäcks übernehmen und beanspruchen so ein Fahrrad wesentlich stärker. Ganz zu schweigen von heranwachsenden Rabauken, die sich auf dem Fahrrad austoben wollen. Für letztere ist der extradicke, unverwüstliche und sehr coole 2,5 Zoll breite Big Apple der ideale Reifen, die samt Schutzblechen Platz im Rahmen finden. Dieser moderne Ballonreifen federt wirksamer als primitive Kinderradfedergabeln, bietet viel Sicherheit durch die breite Aufstandsfläche sowie Reserven, wenn die Bordsteinkante mal wieder zu forsch genommen wird. Mit einer Überstandshöhe von nur 50 Zentimeter passt das K-2 in aller Regel für Kinder ab sieben Jahren und ist ein ungemein vielfältig und lange Zeit einsetzbares Kinderrad, das im Nutzwert einem Erwachsenenrad in nichts nachsteht.
Der Preis
Kinder kosten Geld. – Größere Wohnung (Haus), größeres Auto, dauernd neue Klamotten, Reit-, Musikunterricht, Sportverein und so weiter und so fort. Und nun auch noch ein Kinderrad für über fünfhundert Euro?
Wie gerne würden wir die zuvor beschriebene Qualität für familienfreundliche dreihundert Euro anbieten. Aber leider besteht ein Kinderrad aus genauso vielen Einzelteilen wie ein Erwachsenenrad, und die Montage geht auch nicht schneller, nur weil die Dinger kleiner sind. Trotzdem haben wir unser Möglichstes getan, und mit Rücksicht auf das strapazierte Familienbudget unsere Kalkulation (unser kleiner Betrieb ernährt schließlich auch acht Kinder) auf das absolute Minimum gedrückt – wir »sponsern« sozusagen jedes Kinderrad etwas mit. Der Silberstreif am Budget-Horizont ist sicherlich der hohe Wiederverkaufswert, gepaart mit dem Top-Gebrauchswert unseres Kinderrades.
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