Velotraum-Kinderrad K-1

Es ist schon ein Kreuz

mit den Kindern. Sie sind unsere Zukunft, aber dennoch sind sie uns zu schwierig, zu teuer, zu laut… Und selbst wenn man den Kleinen etwas richtig Gutes tun möchte, zum Beispiel ein gescheites Fahrrad kaufen, wird’s zäh. Gute Fahrräder für Kinder zu finden, ist schier aussichtslos, auch für gutes Geld ist kaum etwas Hochwertiges zu bekommen. Die Dinger sind in aller Regel zu schwer und bestehen meist aus billigsten, oft untauglichen Komponenten. Lenkerform, Vorbaulänge und Rahmengeometrie zwingen die Kin­der in eine viel zu beengte Sitzposition. Das führt, in Verbindung mit dem nun kaum belasteten Vor­derrad, zu kippeligen und wackeligen Fahreigenschaften. Das Ganze wird dann mit schweren und schwergängigen 3- bis 5-Gang-Nabenschal­tungen ausgestattet – womöglich noch mit Rücktrittbremse – und fertig ist der Kinderradschwerlaster, der allenfalls fürs Rumgurken in der Wohnstraße taugt.

Vor zehn Jahren sind wir das erste Mal angetreten, um diesem Trauerspiel ein Ende zu bereiten, denn die anspruchsvollen Velotraum-Kunden verlangten nach einem adäquaten fahrbaren Untersatz für den geliebten Nachwuchs. Wir waren zwar 
skeptisch hinsichtlich des kommerziellen Erfolgs der kleinen Veloträume, legten uns aber dennoch – wir sind eben Überzeugungstäter – kräftig ins Zeug.

Aus der vermeintlichen Liebhaberei für Stammkunden ist inzwischen ein kleiner Erfolgsschlager geworden, trotz der happigen Preise. Doch Velotraum wäre nicht Velotraum, wenn wir uns mit dem erreichten Standard zufrieden geben würden. Auch die Kinderräder werden weiter entwickelt und so stimmiger und runder.

Allgemeine Überlegungen

Wir nehmen die Aufgabe, gute Kinderräder zu bauen, ernster denn je. Schließlich haben die letzten Jahre gezeigt, dass wir kein überspanntes Luxusprodukt anbieten, sondern einen handfesten Gebrauchsgegen­stand. Wir haben in stolze und begeisterte Kinder- wie Elternaugen geblickt und waren oft selbst überrascht, welchen Aktions­radius und wieviel Spaß Kinder auf einem g’scheiten Rad haben können. – Spiele­risch, ohne Leistungspeitsche wohlgemerkt und weit über das in der Wohnstraße Rumheizen hinausgehend. Mit großer Umsicht und unter Abwägung der unterschiedlichsten Faktoren haben wir so die Entscheidungen hinsichtlich Einsatzbereich und Ausstattungsmöglichkeiten getroffen.

Kinderrad und Gewicht – je geringer, desto besser

Nicht selten wiegen Kinderräder zweimal soviel wie Papis Edelrennrad. Räder mit fünfzehn bis zwanzig Kilo­gramm sind jedoch eine Zumutung für die Kinder, oder würde Ihnen – hochgerechnet – ein vierzig-Kilo-Fahrrad Spaß machen?! Im Verhält­nis zum Körpergwicht von zwanzig bis dreißig Kilogramm sollten Kinder­räder gerademal fünf bis sechs Kilogramm wiegen – technisch zwar machbar, allerdings nur zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens.

Auch Velotraum kann die Marktgesetze nicht außer Kraft setzen, aber mit zirka 10,0 Kilogramm für +das »K-1« ist das Rad nur noch »relativ schwer«. Für Kinder sind die drei bis fünf Kilo­gramm weniger an Gewicht zu herkömmlichen Kinderrädern allerdings ein gewal­tiger Fortschritt.

Kettenschaltung oder Nabenschaltung am Kinderrad?

Kaum ein Aspekt von Kinderrädern wird so kontrovers diskutiert wie die Schaltung. Dabei stehen sich die Ketten- und die Nabenschaltungsfraktion scheinbar unver­söhn­lich gegenüber. Nach vielfacher und hartnäckiger Nachfrage bieten wir inzwischen beide Techniken an (wie bei unseren Erwachsenenrädern), auch wenn uns das höhere Gewicht der Nabenschaltung an Kinderrädern besonders stört.

Die Kettenschaltung

Seit Jahren hat sich hier ein Mix aus einfacheren aber soliden Shimano-Kom­ponenten bewährt. Die Drehschalthebel lassen sich sehr leicht und exakt betätigen und eine Entlas­tungs­feder am Schaltwerk verhindert größere Schäden, wenn im Stand geschaltet wird. Passend zum Einstiegsalter und Einsatz­gebiet können sie zwischen acht Gängen mit nur einem Kettenblatt, oder 16 Gängen mit zwei Kettenblättern wählen.

Die Vorteile der Kettenschaltung sind der günstigere Preis, das um 1.200 Gramm geringere Gewicht (gegenüber der Nabenschaltung) sowie der bessere Wirkungs­grad. Der beträgt bei einer gut gewarteten Kettenschaltung immerhin 97 bis 98 Pro­zent. Auch der Aus- und Einbau des Hinterrads nach einem Plattfuß ist bei der Ket­tenschaltung einfacher zu bewerkstelligen. Von Nachteil sind die höhere Defekt­anfäl­ligkeit bei Stür­zen, grober Fehlbedienung oder insgesamt raubauziger Behandlung.

Die Nabenschaltung

Eigentlich wie für Kinder gemacht. Einfachste Bedienung, da sowohl beim Treten als auch im Stehen geschaltet werden kann, keine abstehenden und exponierten Teile, wie das Schaltwerk der Kettenschaltung, und deutlich wartungsärmer ist die Nabenschaltung.

Allerdings nur, wenn man auf die Premium­produkte der jeweiligen Anbieter zurückgreift. Mit Blick auf den Endpreis haben wir einige 3-, 5- und 7-Gang-Naben getestet und durch die Bank für nicht kinderradtauglich empfunden. Zu geringer Übersetzungsbereich oder hakelig und schwergängig in der Bedienung. Wie sollen Kinder mit so einem Zeug den Spaß am Radfahren finden? Nun, die Shimano Inter-8 konnte überzeugen, denn hier stimmt einfach alles: leichtgängig und präzise zu schalten, ein akzeptabler Wirkungsgrad von 90 bis 92 Prozent. Bleibt der relativ hohe Preis und das Mehrgewicht von 1.200 Gramm gegenüber der Kettenschaltung.
Die Entscheidung über das Schaltsystem sollte jedoch nicht am grünen Tisch oder nach der Papierform getroffen werden, sondern kindgerecht und praxisnah. Damit dies möglich ist, gibt es die Velotraum-Kinderräder in zwei Ketten- und drei Naben­schaltungsvarianten (siehe: Kinderrad-Ausstattungsvorschläge).

Sonstige Komponenten – kindgerecht

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Kinderräder durchgängig mit kindgerechten, ergo­nomischen Komponenten ausgestattet werden. Die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus. Schwer­gängige, schlecht zu bedienende Schaltungen und unerreichbare Bremsgriffe sind noch die kleineren Sünden. Manche Bremsanlage an Kinder­rädern ist so schlecht, dass selbst die maximale Handkraft eines Erwachsenen nicht ausreicht, die Räder zum Blockieren zu bringen. Um eine, auch für die geringen Kinderhandkräfte wirksame Bremsanlage zu realisieren, verwenden wir spezielle Kinderbremshebel, leichtgängige Edelstahl-Bremszüge und hochwirksame V-Brakes.

Die hochwertigen Naben mit Schnell­spannern reduzieren den Rollwiderstand und erleichtern dem Familien-Mechaniker die Arbeit bei Plattfüßen. Aluminium-Felgen, Edelstahl­speichen und leichte Semislick-Bereifung runden unsere hochwertigen Lauf­räder ab.

Echte, speziell für uns gefertigte Raritäten sind die beiden Kurbelgarnituren mit 130 und 152 Millimeter Kurbellänge. Beide sind mit leichten Aluminium-Ketten­blättern und einem Aluminium-Hosenschutzring bestückt. Ebenfalls eine exklusive Sonder­anfertigung ist der Alu-Gepäckträger mit Federklappe. Es können sogar kleine Packtaschen eingehängt werden. Sie sehen, wir unter­nehmen große An­streng­ungen und Investitionen, um die Kinderräder bis ins Detail zu optimieren.

Rahmen und Gabel

Das Herzstück unserer Kinderräder ist einmal mehr der Rahmen. Im Prinzip gelten für Kinderradrahmen die gleichen Anforderungen wie bei Erwachsenen: Der Rahmen muss haltbar und steif sein und sich ausgewogen fahren und lenken lassen. Dar­über hinaus sollte der Rahmen möglichst leicht und für ein möglichst langes Mit­wachsen konzipiert sein. Allerdings sind da drei bis vier Jahre eine natürliche Grenze, auch wenn Mitbewerber etwas anderes versprechen. Un­se­re Kinder­rad­rahmen sind beide aus 7005-Aluminium­roh­ren geschweißt und wiegen 1.450 bzw. 1.560 Gramm (ohne Gabel) – eine gute Basis für ein leichtes und sicheres Kinderrad.

Bewusst haben wir beim Rahmen auf Einweg­lösungen wie »Glockenlager«, Blech­aus­fallenden, Nietlösungen für die Schal­tungen, sowie Bau­markt-Dimensionie­run­gen bei Sattelstütze, Lenker und Vorbau verzichtet. Unsere Kinderräder haben normale BSA-Innenlager, 27,2 Millimeter Sattel­stützmaß, Steuerrohr und Gabel weisen das moderne 1 1/8 Zoll A-Head­system auf. Bei eventuell anfallenden Reparaturen kann so auf gängige Komponenten oder sogar auf Bestände aus Papis Fahrradkeller zurückgegriffen werden.

Ein weiteres Highlight ist die eigens gefertigte Gabel, die nicht aus dem üblichen HiTen-Wasserleitungs­rohr gefertigt wird, sondern aus hochfestem Chrom-Molyb­dän-Stahl. Beide Rahmen ermöglichen den kleinen Piloten eine gemäßigt sportive Sitzposition (45 bis 60° Neigung), wie sie von Fachleuten unisono auch jedem Er­wachsenen empfohlen wird (siehe auch »Fahrrad als Maßanzug«).

20-Zoll-Laufräder für beide Rahmengrößen

Eines werden Sie bei den Velotraum-Kinderrädern vergeblich suchen: die markt­übliche Größenabstufung mittels der Laufradgröße, also 16-, 18-, 20- und 24-Zoll-Kinder­räder. Dieser überholten Konvention stellen wir die überlegte und inzwischen bewährte Funktionalität eines 20-Zoll-Laufradkonzepts mit zwei verschiedenen Rahmengrößen, K-1 und K-2 (ausverkauft und wird nicht mehr hergestellt), entgegen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Velotraum K-1

Unser »Kleiner« für Kinder ab fünf bis sechs Jahren. Damit sich speziell die kleinsten Velotraum-Radler sehr sicher und wohl fühlen können, haben wir viel Sorgfalt auf die Rahmenkonzeption verwendet. Unser Hauptaugenmerk lag dabei auf einer möglichst geringen Überstandshöhe. Denn nicht nur in der Lernphase ist es sehr wichtig, dass ein Kind beim schnellen und überraschenden Anhalten nicht schmerzhaft auf dem Oberrohr aufschlägt. Mit nur 45 Zentimeter Überstandshöhe in Verbindung mit einem 2-Zoll-Reifen (!) bietet das K-1 hier eine sehr hohe Sicherheits­reserve und viel Spielraum zum Hineinwachsen.

Unserer bisherigen Erfahrung nach »hält« so ein Rad gut drei Jahre. Das knudde­lige K-1 ist aber auch sonst ein vollständiges Fahrrad, mit Ösen für Schutzbleche und Gepäckträger sowie Ständerplatte für die Parkstütze bleibt kein Ausstattungs­wunsch unerfüllt. Die maximale Reifenbreite beträgt 2,2 Zoll. Für den Anfang ist es jedoch sinnvoll, einen schmaleren Reifen zu verwenden, damit Ihr Kind mit den Füßen besser auf den Boden kommt.

Der Preis

Kinder kosten Geld. – Größere Wohnung (Haus), größeres Auto, dauernd neue Kla­motten, Reit-, Musik­unter­richt, Sportverein und so weiter und so fort. Und nun auch noch ein Kinderrad für über siebenhundert Euro?

Wie gerne würden wir die zuvor beschriebene Qualität für familienfreundliche vierhundert Euro anbieten. Aber leider besteht ein Kinderrad aus genauso vielen Einzelteilen wie ein Erwachsenenrad, und die Montage geht auch nicht schneller, nur weil die Dinger kleiner sind. Trotzdem haben wir unser Mög­lich­stes getan, und mit Rücksicht auf das strapazierte Familienbudget unsere Kalku­lation (unser kleiner Betrieb ernährt schließlich auch acht Kinder) auf das absolute Minimum gedrückt – wir »sponsern« sozusagen jedes Kinderrad etwas mit. Der Silber­streif am Budget-Hori­zont ist sicherlich der hohe Wiederverkaufswert, gepaart mit dem Top-Gebrauchs­wert unseres Kinderrades.