cross 7005 Pinion besteht Betriebsfestigkeitsprüfung

5. Mai 2015  |

Mit dem neuen »cross 7005 Pinion« und seinen speziellen Ausfallenden betreten wir konstruktives Neuland.

Sprich, eine aussagekräftige Betriebsfestigkeitsprüfung – was für ein Wortungetüm – vor der Serienproduktion war unumgänglich.

Denn trotz der zum Teil extremen Beanspruchung sind Brüche bei Velotraum-Rahmen (Stahl und Aluminium) sehr selten und das soll unbedingt so bleiben!

Zeitgleich mit dem Prüfergebnis hatten wir Besuch von unserem taiwanesischen Rahmenbauer und einmal mehr überzeugte ein »Alu-Velotraum« in einem Reiserad-Test. Mehr dazu am Ende des Artikels.

Prüfen allein genügt nicht

Mit den Betriebsfestigkeitsprüfungen ist das jedoch so eine Sache. Denn allein schon die Fragen, bei wem und wie man prüfen lässt, ist eine Wissenschaft für sich. Klar, die Hersteller in Fernost machen inzwischen alle ihre eigenen Prüfungen, die sich aber lediglich an der EN-Norm orientieren. Diese Anforderungen sind jedoch für Velotraum-Rahmen nicht mehr ausreichend und zudem besteht ein gewisser Interessenkonflikt, wenn der Rahmenbauer selber prüft bzw. prüfen lässt.

Ein weiterer Grund den Testmethoden kritisch gegenüber zu stehen, ist unsere langjährige Erfahrung, dass die wenigen Schadensfälle nicht mit den bisherigen Betriebsfestigkeits-Prüfungen korrelierten. Doch wie bereits erwähnt, mit dem neuen verschieb- und öffenbaren Ausfallenden betreten wir Neuland und ein aussagekräftiger Test in Deutschland war unumgänglich.

Dabei wollten wir nicht nur wissen, ob die neuen Ausfallenden halten, wir suchten auch mehr Gewissheit darüber, was unsere verstärkten Alurahmen (cross 7005 EX Plus, cross 7005 EX Komfort, cross 7005 Pinion haben dieselben Rohrsätze), tatsächlich aushalten. Quasi als Ergänzung und Vergewisserung zu unseren sehr guten empirischen Erfahrungen.

Advanced Plus-Prüfung in der Material-Folter-Anstalt

Vor gut einem Jahr hatte der Chronist die Möglichkeit, die Prüfmethoden des Zedler-Instituts im Rahmen eines Hersteller-Informationtag’ genauer kennen zu lernen. Als Produktentwickler und Hersteller stehen einem da schon ein wenig die Haare zu Berge, wenn man sieht (und mitleidet), wie sich der »Prüfling« in den Prüfapparaturen biegt und windet – eine regelrechte hightech »Material-Folter-Anstalt«.

Trotz dieser Respekt einflößenden Eindrücke war klar, dass für den »cross 7005 Pinion« nur die aufwändige und anspruchsvolle »Advanced Plus-Prüfung« des Zedler-Instituts in Frage kommt – trotz der nicht unerheblichen Kosten und des offenen Ausgangs. Das Prüfinstitut beschreibt das Verfahren so:

»Zwischen 13 und 16 einzelne Prüfungen durchläuft ein Prüfling auf dem Weg zum Erlangen des Advanced+ Standards. Nach EN, Basic und Advanced werden die Prüflinge erneut mit teils erhöhten Lasten bei gleichzeitig niedriger Lastspielzahl getestet. Für viele Bauteile bedeutet dies einen »End-of-Live«-Kurztest. Versagt ein Bauteil, hat der Hersteller durch die durchmischten Prüfungen in Blöcken Wissen darüber erlangt, wo das Bauteil im Fall des Falles versagen wird. Bei hochbelasteten Mountainbikes und S-Pedelecs halten wir das Bestehen dieser Prüfung jedoch für das Minimum. Kurz gesagt: Durch die vier Runden über alle Belastungsarten und sich steigernden Kräften werden Rahmen durchmischt in Form eines Blockprogramms geprüft. Derzeit eine der aufwändigsten und realitätsnahsten Prüfungen von Rahmen und Rahmensets.«

Der Chronist hatte ein etwas unruhiges Wochenende, nachdem er den Rahmen persönlich in Ludwigsburg abgegeben hatte… Nach dem Wochenende die erlösende Nachricht durch den Prüfingenieur Frank Leyrer: Advanced-Plus-Prüfung bestanden. Spontan beauftragten wir noch die weiterführende »End-of-Life« Prüfung zum Festpreis. Der Festpreis war eine gute Entscheidung, denn der Rahmen nahm den Prüfstand noch ziemlich lange in Beschlag ;-)

Prüfergebnis: »Crack at seat tube after 70 loops. Very good result due to cracks at non safety relevant part of the frame«

Fazit. Der Test bestätigt, dass die neuen Ausfallenden nicht nur funktional gelungenen sind, sondern auch halten. Ebenfalls bestätigt der Test die bisherigen Praxiserfahrungen mit identisch dimensionierten Rahmen. Wir und unsere Kunden werden zwar weiterhin damit leben müssen, dass auch Velotraum-Rahmen ein »Lebensende« haben, allerdings ist es gut zu wissen, dass die Sicherheit des Fahrers dabei nie gefährdet ist und dass das Lebensende erst nach einem sehr strapaziösen und erfüllten Rahmenleben eintritt ;-)

Der einzige Wermutstropfen bei der ganzen Sache ist der nochmals nach hinten gerückte Liefertermin für die neuen Velotraum-Pinion-Rahmen. Bis die ersten Serienmodelle eintreffen wird es nun Ende Juli (2015).

Besuch vom Rahmenbauer

Zeitlich passend zum Testergebnis hatte sich noch unser Taiwanischen Rahmenbauer für einen Besuch angemeldet. Wir arbeiten zwar schon seit acht Jahren mit Caribou zusammen, sind aber eher ein kleiner und noch dazu anspruchsvoller (unbequemer) Kunde. Dass sich der Inhaber auf seiner eng getakteten Europa-Kunden-Reise einen halben Tag Zeit für Velotraum nahm, war daher eine feine wertschätzende Geste.

Zu Gunsten der Inhalte wurde der Besuch ein reines, aber sehr konstruktives Arbeitstreffen, bei dem viele kleine und größere Aspekte besprochen und gelöst wurden. Dass die kommunikative Feinstofflichkeit über zwei Sprachbarrieren (Deutsch/Englisch/Chinesisch) hinweg schwierig ist, liegt in der Natur der Sache. Um so wichtiger ist es daher, dass sich beide Seite kontinuierlich bemühen, die Zusammenarbeit zu verbessern und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln. Am 29. April haben wir da ein paar wesentliche Schritte vorwärts gemacht :-)

Reiseräder aus Aluminium – cross 7005 EX Plus mit Bestnoten (ø 1,3)

Es war nur ein kleines Testfeld aus sechs Rädern, dass die RADtouren zu diesem Thema versammeln konnte, auch zum Erstaunen der Testredakteure. Vielleicht lag es dran, dass die Mehrzahl der »echten« Reiserad-Hersteller auf Stahl setzen und weiterhin längst überholte Gründe dafür ins Feld führen. Auch darüber findet sich unter der Rubrik »Mythos-Klärung« ein Artikel in der RADtouren, der mit einigen dieser gehegten und gepflegten Mythen aufräumt.

Noch ein paar Worte zum Test. Wir haben zwar nicht die beste Gesamtbenotung bekommen (dafür hätten wir einmal mehr eine Rohloff/SON-Variante bauen müssen), jedoch sind die für uns relevanten Einzelbewertungen (Bestnote Fahrverhalten und Radreisequalitäten) sowie das Testfazit schlicht perfekt:

»Dennoch konnten die Testbesten von Idworx und Velotraum sogar in diesem Umfeld mit ihrem fast spielerischen Gepäckhandling noch Unterschiede erfahrbar machen.«

Anzumerken ist lediglich, dass in der Bewertung der RADtouren eine wesentliche Velotraum-Qualität nicht berücksichtigt wird: die Anpassung des Fahrrads mittels Messmaschine.

Kurzum, »richtige« und eventuell sogar die besseren Reiseräder können auch aus Aluminium sein, sofern man den Werkstoff optimal einsetzt und verarbeitet. Kein Zweifel lässt das kleine Testfeld über die Laufradgröße: die Mehrzahl der Räder sowie das Spitzentrio rollt auf 26-Zoll ;-)

Kommentare

  1. Franz - Velocity Bonn am 7. Mai 2015:

    Hallo Stefan,

    Glückwünsche zu dieser weitsichtigen Entscheidung beim rennomiertesten Prüfinstitut Zedler untersuchen zu lassen. Das spricht für den klugen Fahrradhersteller, während eine Vielzahl klanghafter anderer Hersteller (deren Namen ich jetzt nicht nennen möchte, haha)… sich blind auf deren Zulieferer verlassen. Das finde ich wenig professionell. Bei den Rahmengeometrien und den resultierenden Fahreigenschaften sieht es ähnlich aus. Da habt Ihr bei den Reiserädern ganz klar die Nase vorn.

    Viel Glück weiterhin und liebe Grüße
    Franz

    Velocity Stahlroß Bonn

  2. Stefan, Stuttgart am 8. Mai 2015:

    Erfolgreicher Belastungstest beim Pinion-Rahmen hin oder her – der Erfolg in der Radtouren wäre einen eigenen Beitrag wert gewesen. Ich persönlich liebäugle auch zunehmend mit so einem wunderbaren Trecker, weil meine bislang aktiven Veloträume ausschließlich mit Rennlenker, Felgenbremse und relativ schmalen Reifen ihre Kreise ziehen. Und außerdem solltet ihr hier mal einen Beitrag über eure großartigen Laufräder publizieren. Damit meine ich nicht unbedingt – oder nicht nur – die spezifische Größe von 26 Zoll, sondern die Qualität des Aufbaus und die Auswahl der Komponenten. Jedenfalls bin ich für meinen Teil nicht zuletzt von der Qualität der Laufräder meiner veloträume schlicht begeistert. Aus meiner Sicht sind die Laufräder neben dem Rahmen und des “es passt” die wichtigsten Komponenten eines Fahrrades, oder seht ihr das anders? Beste Grüße an das Velotraum-Team.

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 9. Mai 2015:

    @Stefan,
    auf Deine Frage, »sind die Laufräder neben dem Rahmen und des “es passt” die wichtigsten Komponenten eines Fahrrades«, kann ich nur mit »Ja« antworten und es freut uns zu hören, dass deine Laufräder so prima halten und Du diese Qualität zu schätzen weißt.

    Der Laufradbau hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert, was sich allein schon darin ausdrückt, dass wir ihn nicht außer Haus geben.

    Allerdings kämpfen wir seit drei Jahren immer wieder mit Qualitätsschwankungen bei den Speichen und Felgen. Diese Qualitätsstreuung unserer renommierten Lieferanten scheint zwar überwunden zu sein, allerdings gibt es (noch) keine Gewissheit. Denn alle Felgen- und Speichenhersteller kaufen ihre Halbzeuge auf dem Weltmarkt ein und sahen und sehen sich ebenfalls mit zunehmend schwankenden Chargen-Qualitäten konfrontiert, die zum Teil bis zu uns »durchgerutscht« sind. Unsere »Handwerkskunst« wurde so schlicht ausgebremst…

    Allein von der Ausführungsgüte (Höhe und Gleichmäßigkeit der Speichenspannung, Toleranzen hinsichtlich Seiten- und Höhenschlag) könnten wir Speichenbrüche und dergleichen eigentlich ausschließen. Daher sind wir im Moment einfach etwas zurückhaltend, hinsichtlich der eigentlichen Premium-Qualität unserer Laufräder. Sobald wir uns sicher sind, dass die Qualitätsschwankungen im normalen Bereich bleiben, werden wir auch diese besondere Velotraum-Qualität wieder mehr in den Fokus rücken.

  4. Konrad am 12. Mai 2015:

    @Velotraum
    Glückwunsch zu den tollen Testergebnissen.
    Von Euren Laufrädern bin ich übrigens auch begeistert! Schade dass irgendwann die Flanke abgebremst sein wird… ;-)
    Frage zu dem abgebildeten Rad: gab es bei den 65er Schutzblechen einen Modellwechsel?
    Beste Grüße!

  5. Stefan Stiener von Velotraum am 12. Mai 2015:

    @Konrad,
    es gibt seit einem knappen Jahr 60 mm Bleche in mattschwarz und die sind an dem Testrad zu sehen.

  6. Konrad am 12. Mai 2015:

    @Stefan Stiener von Velotraum
    Danke für die schnelle Antwort! War mir nicht bewusst dass bei 2.2 Reifenbreite 60mm Bleche ausreichend sind.

  7. Michael am 9. Juli 2015:

    Leider schaffe ich es nicht, den Velotraum-“Blog” regelmäßig zu lesen, aber wenn, dann freue ich mich immer wieder über gelegentliche Beiträge, die das Radfahren als Ganzes reflektieren, inkl. gesellschaftspolitischer Aspekte …

    Deswegen möchte ich gerne einen Teil dazu beitragen und auf die Arte-Sendung Fahrt ins Risiko aufmerksam machen, die leider nur bis kommenden Dienstag online abrufbar ist. Während Velotraum zu den wenigen Radherstellern gehört, die immerhin das Gesamt- bzw. Systemgewicht spezifizieren oder sogar garantieren, kann man hier Radfahrern in Burundi zuschauen, die bis zu 250kg Zuladung transportieren … Zwar nicht über tausende Kilometer lang wie mit unserem Velotraum, aber beeindruckend ist es trotzdem!

    Spannend auch, dass selbst Chinesen anscheinend zunehmend das Bedürfnis entwickeln, mit viel Gepäck als “Radreisetouristen” im mehr oder weniger eigenen Land lange Passstraßen wie den Sichuan-Tibet-Highway zu erklimmen (auch ein Teil dieser Serie).

    Sicherlich gibt es noch viele andere extreme Beispiele auf diesem Planeten, aber schön, wenn sie es auch ab und zu in unsere Medien schaffen …

    Viel Spaß beim Anschauen, falls zu viel sommerliche Hitze zu schattigem Dasein vor dem Fernseher zwingen sollte …

    Beste Grüße Michael

  8. Steffen Mutter am 8. Oktober 2015:

    Wirklich tolle Fahrräder baut Ihr. Meine Laufräder speiche ich seit Jahren selbst von Hand ein, incl. Nachmessen der Speichenspannung, finde es toll, dass auch Hersteller erkannt haben, dass Laufräder eine wichtige Komponente am Fahrrad sind ;-)
    Was mir allerdings aufgefallen ist: warum gibt es bei Euch keine Trekkingfahrräder mit Magura HS-33 Hydraulik Felgen’kneifern’?
    Mein MTB Fully habe ich in der Zwischenzeit zu einem Reiserad umgebaut (ja, man wird nicht jünger) und der Hype um die 27,5 und 29 Zoll MTB verstehe ich nicht, ich will weiterhin mit 26 Zoll reisen. Es ist schön mit Euch einen Hersteller gefunden zu haben, der die gleichen Erkenntnisse gewonnen hat, wie ich…
    Ich denke mal dass mein nächstes Fahrrad ein echter Velotraum werden wird…

  9. M.Agura am 9. Oktober 2015:

    @ #8,
    schau doch mal ein paar Bilder unter »Modelle« an bzw. die Ausstattungsvorschläge zwei und neun, da gibt es die HS33 als Wahloption.

  10. Berthold am 29. Juni 2016:

    Bei den juengsten Gewittern habe ich mich gefragt, ob Aluminium eigentlich bei Gewitter sicherer ist, da es ja nicht magnetisierbar ist. Gibt es darueber eigentlich Erkenntnisse?

  11. BlitzAbleiter am 30. Juni 2016:

    Gibt es tatsächlich: ein Alurahmen kann durch Blitzeinschlag nicht magnetisiert werden. Heißt: Dir wird Dein Schlüsselbund nicht vom magnetisierten Rahmen plötzlich aus der Tasche gezogen, nachdem Du vom Blitz getroffen wurdest……

  12. Stromschläger am 1. Juli 2016:

    Ich stochere auch immer mit dicken Alu-, Kupfer- oder auch Silberdrähten in den Steckdosen. Weil keines dieser Metalle magnetisierbar ist, kann mir nichts passieren. Trotzdem lieber nicht nachmachen, oder jedenfalls nur ein Mal ;)

  13. Robert am 1. Juli 2016:

    hoffentlich kommt hier auch mal wieder ein sinnvoller Beitrag !

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