Drei technische Fahrrad- Delikatessen für 2016

17. Januar 2016  |

Wie jedes Jahr zu dieser Zeit sitzen wir über den neuen Produktunterlagen…

…und wie immer sind wir zu spät dran mit dieser geistigen Kärrnerarbeit. Um so schöner, wenn man die eine oder andere Besonderheit schon mal in Händen halten kann.

Schwalbe »Big One«

Ein »entmaterialisierter« Reifen für 650B-Plus. Auf einer 40 Millimeter breiten Felge hat dieser Reifen (60-584) eine üppige Breite von (gemessenen) 59 Millimeter und wiegt dennoch nur 540 Gramm. Das ist die Hälfte eines deutlich schmächtigeren Marathon Plus (50-559).

Ob so ein extrem auf Diät gesetzter Reifen für mehr als Strandrennen geeignet ist, wird noch von uns herauszufinden sein. Wahrscheinlich ist dies nur möglich, wenn man Tubeless fährt und die Dichtmilch (muss im Moment noch alle 3 bis 6 Monate erneuert werden) kleinere Leckagen permanent abdichtet. Rollen tut der Reifen aber wie von einer anderen Galaxie…

Hinterrad-Nabe für Pinion

Nach der erfolgreichen Einführung des neuen Pinion-Rahmens war schnell klar, wir brauchen mittelfristig noch eine »passende« Nabe. Hilfreich dabei, der Hersteller unserer Fatbike- und Speedster-Naben hat nun auch eine spezielle Pinion-Nabe in seinem Portfolio.

Speziell an der Nabe ist der kurze Freilaufkörper – muss ja nur eine Zahnscheibe drauf – und die extrem feine Verzahnung des Freilaufs mit quasi keinem Leerlauf. Das ist sehr angenehm beim Fahren, da das Piniongetriebe ebenfalls einen Freilauf hat und sich daher die Leerwege von Nabe und Getriebe addieren.

Die mechanische Konstruktion der Nabe ist schlicht hervorragend. Der einzige kleine Schönheitsfehler ist die Position des linken Flanschs, dieser hätte gut und gerne sechs Millimeter weiter außen sitzen können, damit die Felge in der Mitte der Nabenflansche steht. Mit Erscheinen der neuen Preis- und Ausstattungslisten in den nächsten Wochen gehört diese Nabe zur Basisausstattung im VK-12 und ersetzt die bisherige XT-Nabe.

Brake Force One »H2O«

Auf der letzten Eurobike war die mit Wasser befüllte H2O-Bremse von Brake Force One die Sensation. Der kleine deutsche Bremsenspezialist hat einmal mehr den großen Bremsenherstellern gezeigt, was eine Harke ist.

Wir haben inzwischen eine erste Bremse aus der Serienproduktion an einem Finder montiert und sind ziemlich begeistert. Das Kürzen und Anschließen der Leitungen ist ein Kinderspiel und kann zur Not mit einem Taschenmesser bewerkstelligt werden. Der Druckpunkt ist merklich definierter als bei den bisherigen BFO-Bremsen und es ist deutlich spürbar, wenn der Bremskraftverstärker einsetzt. Die Bremsleistung ist mit »ausreichend« unzulänglich beschrieben, sie ist unter allen Bedingungen mehr als ausreichend.

Anders als andere Scheibenbremsen ist die BFO nicht selbst nachstellend. Das macht man mit den filigranen Schräubchen am Griff. Die Bremszange baut durch den außen liegenden Verstärker sehr breit, hier muss dann der Gepäckträger mit einem Spacer zum Rahmen unterlegt werden. Der auf der BFO-Homepage genannte Preis von 594,00 € ist ohne Adapter und Bremsscheiben, da kommen noch gut 120,00 bis 180,00€ (bei Rohloff) dazu, bis es bremst ;-)

Damit ist klar, dass die H2O das Gegenteil eines Schnäppchens sein wird, allerdings wird die pfiffige Technik ihre Liebhaber finden und passt somit gut ins komplette Velotraum-Programm (Velotraum-Konzept, Speedster, Finder, Pilger).

Kommentare

  1. Rudolf Krumrey am 18. Januar 2016:

    Dann ist auch hier die Nachhaltigkeit gewährleistet, weg vom Öl.

  2. Stefan Mangod am 18. Januar 2016:

    Sehr schöne Technik bei der BFO H2O, aber der Preis ist wirklich schon ordentlich. Bei Regen und Dreck schleift es halt manchmal und bei Nässe quietscht die Vorderbremse, aber ansonsten bin ich mit der Magura MT4 zufrieden.

    Grüße Stefan

  3. Marian aus Feinstaub-Stuttgart am 18. Januar 2016:

    Was ist denn das bitteschön für eine Sprenkel-Look-Pulverung bei den letzten BFO Bildern?

  4. Flo am 18. Januar 2016:

    Mit dieser “Sprenkel” Pulverung war ich auch überrascht. Wirkt zumindest so aus der Nähe betrachtet “Gewöhnungsbedürftig”.

  5. Dirk aus MS am 19. Januar 2016:

    Immer wieder schön, welch wunderbare Worte es doch in den verschiedenen Regionen gibt.

    Für Nicht-Süddeutsche wie mich ;-) aus Wikipedia:

    Kärrnerarbeit

    Der Begriff Kärrnerarbeit (auch Kärnerarbeit, Kärrner „Wagenzieher“, von Karren) steht für harte körperliche Arbeit. Ursprünglich war dies Arbeit, die von einem Karrenführer, einem „Kärrner“, ausgeführt wurde. Der Begriff wurde auf anstrengende, zähe körperliche Arbeit allgemein übertragen. Er wird aber auch im figurativen Sinne benutzt, wenn eine Problemlösung besondere Anstrengungen erfordert.

    Das Wort Kärrner ist mehr in Franken und Thüringen sowie im baden-württembergischen verbreitet, Kärrnerarbeit ist nicht im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kärrnerarbeit

  6. Stefan Stiener von Velotraum am 19. Januar 2016:

    @ Marian und Flo,
    diese Beschichtung heißt »Patina« und hat eine Anmutung wie COR-TEN-Stähle. Leider ist der Beschichtungsprozess zu kompliziert und fehleranfällig, es bleibt daher bei diesem Messemuster.

    @ Dirk,
    danke für den freundlichen Hinweis und wie gut für unsere Leser nördlich der Mainlinie (und beruhigend für mich), dass es Wikipedia gibt ;-)

  7. Helmut aus dem hessischen Ried am 21. Januar 2016:

    fragt sich ( und euch):
    Befüllt denn Velotraum die KFO H2O Bremsen auch mit Wasser mit Frostschutzmittel?
    Oder kann es einem passieren, dass bei einem unerwarteten Kälteeinbruch das gute 600€-Teil hinüber ist?

  8. StefanM am 21. Januar 2016:

    wird meines Wissens vom Hersteller mit destilliertem Wasser und Forstschutz gefüllt.

  9. Rudolf von pedal plus in Freiburg am 21. Januar 2016:

    @StefanM:
    …und mit dem “FORSTschutz” darf ich dann auch die Waldwege unter 2 Meter Breite befahren ;-)

  10. Helmut ausm Ried am 21. Januar 2016:

    Jaja, ihr von pedal plus habt sicherlich noch nie Duchstabenbreher gehabt :-)

    Dank an StefanM für die Info.
    Aber ich nehme mal an dass Velotraum die Bremsen nicht befüllt geliefert bekommt, da die Bremsschlauchlänge bei der Montage ja angepasst werden muss.

  11. StefanM am 22. Januar 2016:

    Immer diese Rechtschreibkorrektur ….

    Ich schätze es ist auch nicht gut das harte Wasser in Karlsruhe (flüssig Kalk) zu nehmen

  12. Markus Mehigan - Velotraum Werkstatt am 22. Januar 2016:

    Die Bremsen bekommen wir befüllt geliefert. Wird die Bremsleitung korrekt gekürzt und verlegt muss nicht entlüftet oder neu befüllt werden.
    Die Bremsen sind mit Wasser (nicht destilliert) und 20% Glysantin befüllt, Damit Frostsicher bis – 7°. Der Glysantinanteil kann max. 40% betragen, dann geht der Frostschutz bis -25°.
    Wie sich der Temperaturbereich bei einer schnellen Abfahrt verhält können wir aber nicht beantworten ;-)

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