Eurobike 2009 – zurück von der Monstermesse

7. September 2009  |

Retro wohin das Auge blickt. Dieses Thema war quasi allgegenwärtig beim Branchenauftrieb Eurobike.

Warum plötzlich auf so vielen Ständen Fahrräder zu finden waren, die funktional, technisch und optisch an längst vergangene Zeiten anknüpfen, ist uns ein wenig schleierhaft. Wahrscheinlich eine Mischung aus Mode, Nachahmer-Mentalität und der Sehnsucht nach den guten, alten und überschaubaren Zeiten…

Fahrrad als Lifestyle-Accessoire

Die Flut an Single-Speed und Retro-Velos und Zubehör war gewaltig. Selbst auf die lieblos gestalteten Podeste der iF-Award-Gewinner hatten es einige geschafft.

Als Einzelstück oder Zitat sind Retro-Räder und Retro-Elemente ja durchaus nett anzusehen und schon immer gab es Hersteller, die damit gekonnt umzugehen wussten. Doch die Masse an Retro- und Single-Speed-Kitsch, den es dieses Jahr auf der Eurobike zu sehen gab, war in erster Linie hübsch in Szene gesetzter Design-Schrott. Selbst auf einen rudimentären Gebrauchswert wird in aller Regel verzichtet und sehr wahrscheinlich wird spätestens nach 500 Metern die Sitzposition oder die Uralt- und Billigtechnik zur Qual. Da hilft auch der ganze Charme, den diese Räder durchaus verströmen können, nicht mehr weiter.

Fahrrad als Lebensmittel

Doch es gab auch jede Menge kleiner und feiner Lösungen auf der Messe zu sehen, die wunderbar zum Velotraum-Motto, »Fahrrad als Lebensmittel« passen.

So bietet Ortlieb einen vollwertigen Rucksack zum Einhängen am Gepäckträger an und einen schönen Braunton bei dem leichten Plus-Taschenmaterial.

Busch und Müller kommt mit einem preiswerten LED-Scheinwerfer sowie einem universellen, vom Nabendynamo gespeisten Ladegerät für Handy, Navi, iPod und Co. auf den Markt.

Ergon wurde von einem großen amerikanischen (!) Anbieter »motiviert«, die Verpackung ihrer Lenkergriffe ökologisch korrekt zu gestalten. Daraus wurde dann gleich ein ganzer ökologischer Griff. Aus Kork. Wie sang schon Altmeister Dylan, »The Times They Are A-Changin’«.

Son zeigte an einer Velotraum-Alu-Gabel die steckerlose Kontaktierung von Lichtkabel (in der Gabel verlegt) und Nabendynamo – sehr cool!

Tubus gefiel mit einem kleinen faltbaren Anhänger und der sehr praktischen Getränkekisten-Transportlösung.

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt interessanter Innovationen, die wir auf unseren kurzen Streifzügen durch die Hallen gefunden haben, die aber zeigen, dass es auf der Eurobike nicht nur um Show und Auffallen um jeden Preis geht.

Zu den Velotraum-Neuheiten 2010 gibt es in den nächsten Tagen und Wochen weitere Artikel, denn zu den Themen Speedster, E- und Riemen-Antrieb müssen wir etwas weiter ausholen…

Präsenz ist alles

Auch dieses Jahr fühlten wir uns auf der Eurobike als ob wir mit Schaufel und Schubkarre im Braunkohle-Tagebau antreten würden. Maßstab und Publikum passen einfach nicht so richtig zu Velotraum und das wird auch immer so bleiben. Also gilt es das Beste daraus zu machen.

Ganz hervorragend waren zum Beispiel die Termine mit unseren Händlern, mit denen wir in den drei Fachbesuchertagen intensive und konstruktive Gespräche führen konnten, mit dem erklärten Ziel, Velotraum gemeinsam weiter voran zu bringen.

Ebenfalls hervorragend war das durchweg positive Feedback von Endkunden, Fachbesuchern, Herstellern und Journalisten, die unseren Stand besucht haben. An dieser Stelle daher an Alle ein herzliches Dankeschön für diese Unterstützung und Bestätigung.

Und so wird uns wohl auch 2010 nichts anderes übrig bleiben, als wieder mit dabei zu sein, bei den tollen Fahrradtagen am Bodensee…

Kommentare

  1. Raffaello Bad Schwalbach am 8. September 2009:

    Ich war zum ersten Mal auf der Fahrradmesse und vor allem faszinierten mich die schönen, filigranen, klassischen Stahlrahmen - auch ein Titanrahmen von Seven. Durch die fachmännische Erklärung von Markus lernte ich aber, dass die Belastbarkeit dieser Rahmen nicht so gegeben ist wie z.B. bei meinem Cromo 2006.
    Wieder zu Hause - nach der Durchsicht aller geschossenen Fotos, kam ich zu der Erkenntnis, dass ich mit meinem Velotraum ein sehr schönes und auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Fahrrad besitze. Ein kleiner »Restyle« erfolgte mit einem wunderschönen Aufkleber, welchen ich bei Salsa geschenkt bekommen hatte. Er lautet: >Ride and Smile<

    Euer neuer Speedsterrahmen ist sehr interessant. Freue mich schon auf eine mögliche Probefahrt beim nächsten Besuch. Auch die Tektrobremshebel haben mir sehr gut gefallen.

    Grüsse Raffaello

  2. Jochen Geilfuss, Mainz am 9. September 2009:

    Sehr geehrtes Velotraum-Team,

    ich persönlich finde es sehr schade, dass Velotraum keine schönen klassischen Stahlrahmen mehr anbietet und insbesondere alle Rahmen inkl. dem Speedsterrahmen eine Federgabelgeometrie haben. Ich fahre ein Velotraum seit 1997 und habe bis dato weder in meinem Fahrradalltag noch auf Touren irgendwelche Probleme mit der Belastbarkeit oder der Stabilität des Rahmens gehabt (bei mehr als 85 kg Gewicht).

    Schöne Grüße
    Jochen Geilfuss

  3. Jürgen Wolfschmidt, Oldenburg am 9. September 2009:

    Liebes Velotraum-Team,

    ich möchte Euch an dieser Stelle ebenfalls an die Velotraum-Zeit vor den dicken Rohren etc. erinnern. Mein cross-classic von 2000 ist seit 9 Jahren täglich unterwegs, mittlerweile ca. 85 000 km ohne auch nur das geringste Problem – abgesehen von etlichen Kratzern etc. Leider habe ich damals beim Kauf keine gemuffte Gabel mehr ergattern können. Insofern wäre ein Klassiker im Velotraum-Programm, ohne dicke Schweißnähte etc. eine schöne Sache und letztlich auch völlig jenseits irgendeiner Retrowelle anzusiedeln.

    Viele Grüße
    Jürgen Wolfschmidt

  4. Stefan Stiener von Velotraum am 10. September 2009:

    Hallo Jürgen und Jochen,

    es freut mich zu lesen, dass Ihr mit Euren Velotraum-Rädern auch nach so langer Zeit noch rundherum zufrieden seid. Das freut uns alle hier.

    Sicherlich sind die heutigen Stahlrahmen etwas voluminöser geworden. Doch auch Eure Rahmen waren für die damalige Zeit »oversized« und übertreffen mit ihren Rohr-Dimensionen viele der heutigen Retro-Rahmen. Und übrigens, schon der »Cross Thron«-Rahmen hatte 1998 ein Oberrohr mit 31,8 mm und ein Unterrohr mit 35,0 mm Durchmesser.

    Ich glaube zudem, dass wir mit unseren Stahlrahmen – mit ihren wunderbar feinen Schweißnähten und ihrem reduzierten Erscheinungsbild – weiterhin »Klassiker« im Programm haben. Allerdings moderne Klassiker.

    Bei der ganzen Diskussion um schlanke Rahmen wird zum Beispiel völlig übersehen, dass auch die anderen Komponenten fülliger geworden sind und ein dünnes Stahlrähmchen zwischen modernen Shimano-Komponenten geradezu verhungert wirkt ;-)

    Die Entscheidung, die Rohrquerschnitte der Velotraum-Stahlrahmen zu vergrößern basiert jedoch allein auf der Erfahrung und Erkenntnis, dass die bisherigen, »klassischen« Stahlrahmen immer wieder Schwächen bei der Rahmensteifigkeit aufwiesen. Da wir jeden Tag unseren Kunden gegenüberstehen, die Räder selbst fahren, können und wollen wir bei einer (für uns) so wesentlichen Eigenschaft wie der Rahmensteifigkeit keine Kompromisse eingehen. Notgedrungen müssen wir dabei akzeptieren, dass dem einen oder anderen die Rahmen nun zu dick erscheinen.

    Aber vielleicht schaut Ihr Euch die neuen Stahlrahmen mal in natura an und – noch wichtiger – fahrt sie mal Probe…

    Schöne Grüße Stefan Stiener

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