Faltrad-Update

27. Oktober 2011  |

Das Velotraum-Faltrad wird notgedrungen etwas auf Sparflamme geköchelt, ein paar Modellpflege-Maßnahmen konnten wir uns jedoch nicht verkneifen.

Unberührt von der Modellpflege bleibt der Rahmen, der nach der letzten Überarbeitung vor zwei Jahren weiterhin die Basis für unser kleines und in Maßen individualisierbares Faltrad-Angebot bildet. Die Modellpflege betrifft also ausschließlich die Ausstattung.

Mehr Ergonomie, mehr Bergtauglichkeit, mehr Licht

Eine der beiden wichtigsten neuen Wahlmöglichkeiten ist eine Lenksäule mit integriertem Lenker-Verstellsystem. Dieser Mechanismus ermöglicht es, den Lenker in sehr unterschiedlichen Positionen zu fixieren. Im Vergleich zu der nur in der Höhe verstellbaren Standard-Lenksäule, lässt sich insbesondere mehr Sitzlänge realisieren. Diese Lenksäule gibt es zwar bei Dahon schon seit geraumer Zeit, für uns wurde sie leider erst jetzt zugänglich… Ein weiterer Vorteil dieser Lenksäule ist die spürbar höhere Steifigkeit und das nochmals verbesserte Faltscharnier.

Nachteile gibt es natürlich auch. Neben dem happigen Aufpreis von 119 Euro, vergrößert sich das Faltmaß um zirka zehn Zentimeter in der Tiefe und diese Lenksäule gibt es nur in Schwarz. Zudem liegt die Lenksäule, samt Lenker und Brems- und Schalthebeln nun außen und nicht mehr geschützt im Innern des gefalteten Rads. Nach allerletzten Informationen steht die neue Lenksäule zumindest kurzfristig leider nur in begrenzten Mengen zur Verfügung.

Mit der Shimano Alfine 11-Gang-Nabe (als Option) lässt sich speziell der Einsatzbereich des »F 2« spürbar vergrößern. Speziell die Bergauf-Tauglichkeit wird durch den Übersetzungsbereich von über 400 Prozent deutlich verbessert. Nur bei der Abfahrt sollte man weiterhin bedenken, dass man auf einem Faltrad sitzt. Eine gewisse Zurückhaltung ist angesichts der begrenzten Rahmensteifigkeit und des kurzen Radstands dringend angeraten…

Beim Dynamo setzen wir nun ausschließlich auf den SONdelux in einer speziellen Faltradausführung. Kostet zwar ein Mehrfaches des einfachen Sanyo-Dynamos, bietet aber auch ein Mehrfaches an Wirkungsgrad, Leichtlauf und Haltbarkeit.

Wermutstropfen: Begrenztes Systemgewicht und begrenzte Sitzhöhe

Obwohl Dahon eine Freigabe für 120 Kilogramm Systemgewicht erteilt, liegt unsere Freigabegrenze mit 90 Kilogramm erheblich tiefer. Der Grund für diese Einschränkung ist schlicht die Erkenntnis, dass zumindest bei intensiver Nutzung (ähnlich einem normalen Velotraum-Rad) und höherem Fahrergewicht es immer wieder zu unterschiedlichen Problemen kommen kann. Wir verwenden zwar inzwischen die dritte, nochmals verbesserte Rahmengeneration »made by Dahon«, sehen aber z.B. allein in dem Monorohr-Rahmenprinzip einen Faltrad-immanenten Schwachpunkt. Auch die maximale Sitzhöhe (Abstand von Mitte Tretlager bis Oberkante Sattel) ist bei einem Faltrad naturgemäß begrenzt*. Beim Velotraum-Faltrad beträgt sie 78 Zentimeter.

Mit diesen Einschränkungen wird die potentielle Käufer- und Nutzergruppe zwar signifikant kleiner, vermeidet aber unliebsame Überraschungen und Enttäuschungen.

  • Bezug nur direkt über Velotraum
  • Die neuen Ausstattungs- und Preislisten gibt es hier.
  • (*) Kleiner Ausflug in die Konstruktionslehre: Die Sattelstütze und Sattelklemmung am Rahmen müssen durch den enormen Auszug gewaltige Kräfte aushalten. Denn der Auszug der Sattelstütze – gleichzusetzen mit dem wirksamen Hebelarm – geht mit der dritten Potenz in die Belastungsformel ein…

Kommentare

  1. Chris am 4. November 2011:

    “…Obwohl Dahon eine Freigabe für 120 Kilogramm Systemgewicht erteilt, liegt unsere Freigabegrenze mit 90 Kilogramm erheblich tiefer. Der Grund für diese Einschränkung ist schlicht die Erkenntnis, dass zumindest bei intensiver Nutzung (ähnlich einem normalen Velotraum-Rad) und höherem Fahrergewicht es immer wieder zu unterschiedlichen Problemen kommen kann…”

    Man sollte hier nicht unerwähnt lassen, dass Dahon den Rahmen aus Stahl baut. Hättet ihr diese bewährte Konstruktion um den Excenter bereichert, dann wäre das Rad durchaus eine Überlegung wert. Aus Alu ist es allenfalls eine Lachnummer – Wöhler lässt grüßen ;-)

  2. Stefan Stiener von Velotraum am 5. November 2011:

    @ Chris,
    mit der »bewährten« Stahlausführung des Dahon-Vitesse-Rahmen haben wir ebenfalls im Rahmen einer Kleinserie Erfahrungen gemacht (»Zusammen mit dem »velowerk« aus der Schweiz machten wir 2004/2005 unsere erste Gehversuche mit einem leicht modifizierten Dahon-Stahl­rahmen.«). Mit dem Ergebnis: nicht belastbarer, aber weniger steif. Rahmenbau ist halt doch viel mehr, als die physikalischen Grundeigenschaften der Rahmenmaterialien, auf die »Wöhler lässt grüßen«, hinweisen sollte.

  3. Tobias (Bordeaux) am 4. Juli 2012:

    Die „niedrigere” Gesamtgewichtsklassifizierung des Faltrades macht durchaus Sinn und hat nichts mit dem Werkmaterial des Velotraum-Dahon-Vitesse Rahmens zu tun. Vielmehr macht es Sinn weil sich das Velotraum Faltrad dermaßen gut fährt, dass man schnell vergisst auf einem Faltrad zu sitzen. Der Rahmen würde wahrscheinlich locker ein höheres Gesamtgewicht wegstecken, aber eben nur wenn man das Rad entsprechend der physikalischen Bedingungen (der Rahmen ist minimalistisch und einmal durchtrennt…) und mit entsprechender Pflege/Wartung fährt. Im täglichen (Stadt)Einsatz macht sich das Faltrad hervorragend und es macht vor allem großen Spaß, das kleine „Ding“ zu fahren!

  4. Der Kettenschaltungshasser am 4. Juli 2012:

    Warum macht man so etwas nicht generell mit Nabenschaltung; das tiefhängende Kettenschaltwerk ist doch denkbar unpraktisch und außerdem eine Beleidigung für das Auge. Gruß

  5. Tobias (Bordeaux) am 5. Juli 2012:

    @ Nabenliehaber: Tolle Idee gibt es aber natürlich schon lange (siehe die F-2 Version). Ich fahre ein F-2 mit Alfine-8 Nabenschaltung. Vorteil: Schalten im Stand (gut im Stadtverkehr) und robustere Variante für den regelmäßigen Transport. Nachteil: höheres Gewicht (ca. 1,3 Kilo und die spürt man beim Tragen) und wenn die Schaltung mal versagt kann man selber kaum Hand anlegen…

  6. Der Kettenschaltungshasser am 5. Juli 2012:

    Ja, Mensch Tobias, dann muss man eben eine richtige Nabenschaltung einbauen, die nicht versagt. Die gibt es doch.Und wieso höheres Gewicht plus 1,3 Kg? Das stimmt ja auch nicht: Schaltwerk, Nabe, Ritzelpaket wiegen zusammen ja auch was. Das Delta ist unbedeutend. Schönen Gruß

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