Herbst(tour) mit Hindernissen

2. November 2013  |

Es hätte ein »Pilger«-Tag auf dem Gäurandweg von Althengstett nach Nagold werden sollen.

Überraschend auftauchende Probleme und Hindernisse sind in der jetzigen Produkt-Entwicklungs-Intensivphase zwar Alltag und genau dem wollte ich mit dem Pilger für einen Tag entfliehen.

Doch nach sechs Kilometern wanderte zunächst der Kurbelarm von der Welle und dann der Fahrer nach Hause…

Immerhin hatte der Fußmarsch ein Gutes, der schlimmste Ärger war verraucht und der Schaden in der heimischen Werkstatt auch schnell behoben. Allerdings konnte ich keine eindeutige Ursache für den Defekt finden (Schrauben waren fest), daher war mir eine längere Tour nun doch zu riskant und gewandert war ich an dem Tag schon genug.

Also bin ich einfach aufs Geradewohl losgefahren, um dann schon sehr lange nicht mehr aufgesuchte Mountainbike-Strecken anzusteuern, mal sehen, wie sich die breiten Walzen auf nassfeuchten Herbstwegen bewähren.

Komisch, entweder sind unsere Forst- und Waldwege inzwischen besser als die Bundesstraßen, oder die 4,8-Zoll-Reifen schlucken mühelos das von früher bekannte Gerüttel und Rumgeeiere. Der Pilger zeigt einmal mehr, was alles in in ihm steckt. Zum Beispiel als Mountainbike für Gelegenheits-Geländefahrer mit hohem Sicherheits- und Komfortbedürfnis, wie den Chronisten.

Okay, bergauf hat’s mich dann doch einmal gelegt – sprich, auch die dicksten Reifen verzeihen nicht jeden Fahrfehler. Auf dem zum Teil Bachbett-artigen Weg von der Monbachtalbrücke zum Monakamer Kiosk hinauf, kam ich nicht mehr rechtzeitig aus den Pedalen raus. Immerhin haben die Reflexe noch dafür gereicht, um beim Fallen den Fotorucksack und den geplagten Rücken zu schützen. Vor gut zwanzig Jahren bin ich da an einem sehr guten Tag hochgekommen, auch wenn ich mir das jetzt – selbst mit einem Fatbike – nicht mehr vorstellen kann. Vielleicht hat sich ja aber auch der Schwarzwald noch aufgefaltet oder die haben den Weg verlegt ;-)

Ein Mordsspaß ist es auch, auf aufgewühlten Holzrückwegen und Reiterpfaden zu fahren. Das ist zwar eine ziemliche Sauigelei, aber der Pilger driftet und schlittert so wunderbar kontrolliert durch den Matsch, dass man die unvermeintliche Putzerei gerne mal verdrängt.

Nach zwei Stunden waren Mensch und Maschine kräftig eingesaut, von Frust und Ärger keine Spur mehr und auch die Kurbel hat gehalten ;-)

Kommentare

  1. Dingenskirchen am 3. November 2013:

    “Schlammpackung fürs Rücklicht. Lerneffekt: der Seriengepäckträger braucht 20 mm mehr Bauhöhe ;-)”

    Lerneffekt: mit Schutzblechen wär das nicht passiert :-p

  2. Hartmut Weidenbach am 3. November 2013:

    Stefan, das mit dem hochfahren vor zwanzig Jahren kenne ich auch. Sprich da kann ich mitfühlen ;-(

    Ps. Schöne Herbstpilger Bilder

  3. Ein Velotraum im Walde am 3. November 2013:

    Bild 4 der schönen Herbstour ist interessant, v. a. vor dem Hintergrund der aktuell in BW laufenden Diskussion um die 2-Meter-Regel.

    Wer also unabhängig vom rechtlichen Rahmen (weiterhin!) auch Verständnis für andere Waldbesucher hat und Rücksicht nehmen will, dem scheint der Pilger gerade recht zu kommen. Denn durch die breiten Schlappen werden
    a) die Fahrspuren vielleicht weniger tief und schonen schlammige Wege und
    b) Pilgerer selber offenbar auch sanfteren Mutes unterwegs sein, wenn sie sich auf von Reitern und Wanderern :-) umgegrabene Fußwege begeben.

    Dranbleiben Velotraum und einen schönen Herbst!

  4. Hellmuth am 4. November 2013:

    Äääh, zu Dingenskirchen:
    Denke da machst du einen Denkfehler :-) :
    Mit (radnahen) Schutzblechen wär’s nicht so weit gekommen, meinst du?
    Klar, weil sich da die Räder schon lange gar nicht mehr gedreht hätten vor lauter Schlamm. Sowas hab ich selbst schon paarmal mit 2 Zöllern erlebt.
    Und radferne Schutzbleche am Pilger? Unterbringungstechnisch und ästhetisch schwer vorstellbar.

    Bißchen neidisch bin ich schon, sowas (mit einem Pilger) nicht selber ausprobieren zu können…

  5. Dingenskirchen am 4. November 2013:

    “Und radferne Schutzbleche am Pilger? Unterbringungstechnisch und ästhetisch schwer vorstellbar.”

    Ästhetik wird überbewertet, Nutzwert entscheidet. ;-)
    BTW: Sind die bei Schutzblech-Verweigerern typischen Schlammstreifen auf dem Rücken ästhetischer? IMHO nicht.
    Und gerade das Pilger wäre doch viel zu schade, um nur bei gutem Wetter auf dem Weg zur Eisdiele gefahren zu werden. Auch wenn es sich zweifellos eignet, vor der Eisdiele schön herumzuposen.

  6. Ralf aus Hannover am 4. November 2013:

    Es gibt immerhin Spritzschützer für Fatbikes, Link:
    http://fatbikes.com/fat-tire-fenders.html
    2,1-Zoll breite Stollenreifen (Schwalbe Smart Sam, Conti Explorer) bin ich auch längere Zeit mit breiten Strebenschutzblechen gefahren. Wenn eine Fingerbreite zwischen Schutzblech und Reifen Platz ist, ist das Schlammproblem beherrschbar. Wichtiger ist noch genügend Abstand zwischen den Streben und den seitlichen Stollen, weil sonst die Stollen die Streben mitreißen. Wenn vorne zwei Paar Streben vorhanden sind, sollten diese an der Lowrideröse angeschraubt werden, denn die obere Strebe ist dadurch wesentlich kürzer und steifer.

  7. Matthias aus Bochum am 5. November 2013:

    Oh, ja, das Problem mit den Streben und den Stollen kenne ich auch. Die Konsequenz hieß bei mir – trotz 65er Blechen – von 50er Conti Travel Contacts, die wunderbar rollen, zurück zu 47er Maratho Cross, die es leider nicht mehr gibt. :( Marathon Mondial ist zwar auch schön, aber wiederum breiter.

  8. Jens am 12. November 2013:

    Zu Bild 1: Wenn das alles ist, was von der Achse noch aus der Lagerschale guckt, dann wundert mich nicht, dass die Kurbel sich gelöst hat! Oder ist die rechte Kurbel nach außen gewandert?

  9. Stefan Stiener von Velotraum am 12. November 2013:

    @ Jens,
    Du hast richtig vermutet, bei dem Foto ist die Welle auf der rechten Seite ein paar Millimeter nach außen verschoben gewesen.

  10. Harras Prinz von Pulverfaß am 13. November 2013:

    Das alles ist ziemlich deprimierend.
    Kein Mensch braucht Fat Bikes, zu und zu schade dass Velotraum auf diesen kurzlebigen Trendzug
    aufspringen musste… :-(

  11. Knallerbse am 13. November 2013:

    Stimmt, genau wie Rohloff-Naben und alle sonstigen Schaltungen mit mehr als 3 Gängen. Was sag ich, mit mehr als einem Gang. Alles überflüssig.

  12. Paul Aner, München am 15. November 2013:

    @Harras, die Spaßbremse

    »Harras« kenn ich nur als Name für Schäferhunde, die alle und jeden wegkeifen sollen. Hast Du ihn deshalb gewählt?

  13. Harras Prinz von Pulverfaß am 20. November 2013:

    @Paul Aner: Was heilt hier gewählt?!
    So heiße ich wirklich! :-)

    Die Bedeutung findest du im Englischwörterbuch unter ‘to harass’

  14. gernot.chrestin@gmx.de am 2. Dezember 2013:

    Zur “Herbsttour mit Hindernissen”: Doch, mir kommt es auch so vor: seit den letzten 20 Jahren hat sich der Schwarzwald spürbar aufgefaltet!
    Zu Harras Prinz vom Pulverfaß: Nimm Deine inkompetenten Pfoten weg vom Fat Bike, sonst komm’ ich mit meinem Feuerzeug an Dein Pulverfaß!!
    Zur Knallerbse: Klar, mit 1,5 m Entfaltung kann man jeden Trail dieser Erde befahren, viel Spaß dabei!

Ihr Kommentar