Kleine Eurobike-Nachlese und Aussichten für 2017

26. September 2016  |

Die Messe war auch dieses Jahr eine faszinierende Monstrosität. Das wohlige Grauen ging dieses Mal sogar über fünf Tage…

Speziell für uns kleine Aussteller ein ziemlicher Kraftakt, aber einmal mehr bleibt nach fünf Messetagen das Resumee, für Velotraum ist die Eurobike unverzichtbar.

Enttäuschend und durch offizielle Zahlen belegt, war der geringere Fachhändler-Zuspruch. Ebenfalls suboptimal für die Aussteller, durch die gigantische Bespaßungs-Maschinerie im Außenbereich waren an beiden Publikumstagen die Hallen ab Mittag zum Teil leer. In der vergleichsweise kleinen und intimen Halle A2 waren wir von solchen Total-Flauten einigermaßen verschont. Dass die Ausdehnung auf fünf Tage aber ein Fehlversuch war, hat die Messegesellschaft zumindest indirekt eingestanden, denn 2017 geht’s wieder zum alten Viertage-Modell zurück – juhu!

Dennoch, in der Rück- und Gesamtschau war die Eurobike 2016 für uns einmal mehr ausgesprochen erfolgreich. Viel Zuspruch und Bestätigung für die bestehenden Produkte und die Markenausrichtung und sehr großes Interesse bzw. sogar Begeisterung für den neuen »E-Finder«.

Trotz des engen Zeitkorsett’ ergaben sich jede Menge interessanter Begegnungen, Gespräche und neue Eindrücke. Einzig der sehr wichtige Austausch der Aussteller untereinander kommt immer zu kurz. Daher wäre ein Tag, an dem die Messe komplett geschlossen ist und die Aussteller Zeit füreinander haben mal eine Überlegung wert. Dann müssten diese »Begegnungen« nicht auf der Taichung Bike Week nachgeholt werden…

Erweiterungen für 2017

Die große Velotraum-Messeneuheit war und ist natürlich der E-Finder, allerdings wird sich auch im restlichen Portfolio so Einiges tun. Bebildert anhand unserer Messe-Ausstellungsräder ein paar erste Aus- und Einblicke:

Speedster

In der Saison 2016 haben wir so viele Speedster verkauft wie noch nie. Insbesondere der neue SP-200 Rahmen hatte alle Erwartungen erfüllt und daher werden wir diesen Rahmen um die bisher fehlende Rahmengröße »S« ergänzen.

Der Rohloff-Speedster – basierend auf einem VT300-Rahmen, SRAM-Schrittschalthebeln und Rohbox – ist eine Erweiterung des Speedster-Konzepts in Richtung Rennlenker-und Getriebenabe-affiner Ganzjahresfahrer und Reiseradler. Da wir im Moment die Nachfrage nach solchen Rädern nicht ansatzweise abschätzen können, verzichten wir auf eine neue Rahmenentwicklung und implementieren den VT300 und VT400 aus dem Velotraum-Konzept ins Speedster-Konzept. Wie das dann konkret aussieht, werden wir in den neuen 2017er Unterlagen in bewährter Weise aufbereiten, bis dahin gilt es noch ein wenig Geduld zu haben.

Velotraum-Konzept

Bei unserem Kern-Produkt stehen wir vor der Aufgabe, es für die Zukunft schlanker und prägnanter zu machen, freilich ohne Einschränkung bei den Möglichkeiten. Dies hier im Detail zu erklären, wäre ausgesprochen langatmig und würde wahrscheinlich mehr verwirren als Klarheit schaffen. Mit den neu aufbereiteten Unterlagen (Januar 2017) wird’s dann sofort klar und verständlich wo der Velotraum-Konzept-Hase hin läuft ;-)

Der VT1100-Rahmen ist ein echter Tausendsassa und daher nicht ohne Grund, der inzwischen wichtigste Rahmen im Velotraum-Konzept. Bereits jetzt bieten wir mit der abgebildeten Größe »S-long« einen formidablen »Problemlöser« an. Mit der neu dazukommenden XS-Größe können wir in Zukunft auch Menschen zwischen 150 und 160 Körpergröße eine iedeale Fahrradlösung anbieten.
Noch in der Entscheidungsphase ist die Überlegung, reduzierte Kettenschaltungsräder mit 1×10 anzubieten. Ideal für alle, die ein leichtes, puristisches Fahrrad für das Sommerhalbjahr suchen und damit weder Mittelgebirge noch Alpenpässe bezwingen wollen.

Eine klare Steigerung gab es auch bei unseren Rädern mit Pinion-Getriebe. Mit der rund 500 EUR günstigeren C-Linie wird sich diese Tendenz sicherlich nochmals verstärken.

Die C-Linie wird wahrscheinlich schon zum Ende des Jahres lieferbar sein, spätestens jedoch Ende Januar 2017. Angesichts dieser Entwicklung ergänzen wir auch den VT1300 um eine kleine Rahmengröße (»S«), so dass nun fünf Rahmengrößen zur Verfügung stehen.

Als bewussten Kontrast zu allem Neuheiten-Getöse hatten wir auch einen »Klassiker« auf den Messestand gestellt: ein VK-9.

Das VK-9 ist der Inbegriff des hochwertigen und universell einsetzbaren Problemlos-Rads: VT400-Stahlrahmen, Rohloffnabe, HS33-Felgenbremse und SON-Lichtanlage. Auch bzw. gerade im Zeitalter von Marketing-getriebenen Trends und des IT-Fahrrads – jedes Pedelec ist im Prinzip ein rollender Computer – werden solche Räder von bleibendem Wert sein.

Finder

Ein noch zartes Pflänzchen aber schon mit tiefen Wurzeln bei den ersten Pionierkunden und im Velotraum-Team: Der Finder und das 27,5-Plus Reifenformat.

Der Finder hat nicht nur die vorsichtig angesetzten Absatzzahlen deutlich übertroffen, dass jüngste unserer Fahrrad-Konzepte hat ein weit größeres Potential, als wir uns haben träumen lassen. Was es damit konkret auf sich hat, werden wir im Laufe der nächsten Monaten hier erzählen.
Für 2017 wird es den Finder optional mit 2×11 Kettenschaltung (ab 11/2016) geben und wir lassen einen leichten Tubus-Träger dafür fertigen. Zudem sind weitere Reifenmodelle in Sicht und ganz wichtig, passende Schutzbleche für alle Reifenformate. Der sauerländische Marktführer SKS teilte uns nach der Eurobike mit, dass ein neues 72 Millimeter breites Schutzblechprofil in Arbeit ist – Wunder gibt es immer wieder :-)

Resümee

Während die meisten Hersteller mit einem fertigen 2017er Programm samt Unterlagen auf der Messe stehen, ticken bei Velotraum die Uhren anders. Für uns ist die Eurobike – nach einer intensiven Saison – der Höhepunkt eines »work in progress«, sprich wir holen uns dort den letzten Feinschliff bzw. Anregungen für 2017. Zum vorläufigen Abschluss kommt der Prozess tatsächlich erst vor bzw. kurz nach dem kalendarischen Jahreswechsel.

Da wir mit Ausnahme des E-Finders das Rad auch für 2017 nicht neu erfinden werden, gibt es allerdings keinen Grund, einen über den Sommer gewachsenen Fahrradwunsch zu verschieben. Denn eins ist gewiss: günstiger wird in diesen Zeit nichts…

Kommentare

  1. Björn am 29. September 2016:

    Gibt es eigentlich Neues und womöglich gar Vielversprechendes zu Schlauchlos-Laufrädern von der Messe zu berichten?

  2. Stefan Stiener von Velotraum am 29. September 2016:

    @ Björn,
    es gibt leider noch keinen Durchbruch bei der Dichtmilch. Wenn sie gut funktioniert, hält sie nur zwei bis sechs Monate und muss dann ersetzt werden, bzw. hält sie länger ist die Funktionalität eingeschränkt. So sind unsere Erfahrungen und die decken sich zu 100 Prozent mit den Aussagen eines Schwalbe Reifenentwicklers, mit dem wir auf der Messe darüber gesprochen haben – und Schwalbe hat alles getestet, was gerade auf dem Markt als Wundermittel kursiert.

    Unsere persönlichen Erfahrungen sind gemischt. An meinem Pilger sind die B-Plus Reifen inzwischen perfekt dicht (zum Teil sogar mit wiederverwendeter Dichtmilch gefüllt) und halten die Luft über mehrere Wochen, bei Markus mit dem gleichen Reifen entweicht Luft. Dafür sehen meine Reifen aus, als wären sie durch Kleister gezogen worden… also nichts was man »normalen« Kunden zumuten möchte.
    Faszinierend ist die Gewichtseinsparung – insbesondere bei 27,5 Plus Bereifung – und das selbständige Abdichten (solange die Dichtmilch nicht zu alt ist) bei kleinen Verletzungen, z.B. Dornen.

  3. Rainer am 1. Oktober 2016:

    Vielleicht ein paar Anregungen für den Finder:
    a) optional ein etwas leichterer Rahmen für den sportlichen Einsatz (ähnlich wie beim Speedster)
    b) ein Finder mit dem Pinion C1.12-Getriebe
    c) würde die isländische Lauf-Gabel nicht gut zum Konzept des Finders passen?

  4. RAFFAELLO am 1. Oktober 2016:

    Interessant!!!
    Scheinbar gibt es noch andere Querdenker

  5. Isländer am 1. Oktober 2016:

    Von der Höhe würde die Gabel sogar exakt passen.

    Es bleibt die Frage wer 1000€ für eine Gabel hinblättert die son kleines bisschen federt. Mit allen Einschränkungen von Carbon in Sachen Alltagstauglichkeit.

    Aber cool aussehn tut sie schon.

  6. R.Ohloff am 1. Oktober 2016:

    @ Rainer,
    Ein leichterer Rahmen und Pinion C1.12 sind sicher schwerer, als der bisherige Finder mit Rohloff, von 2×11 ganz zu schweigen. Alu (Rahmen) wiegt halt immer noch nur ein Drittel von Stahl (Piniongetriebe), da hilft alles querdenken nichts aber ein wenig Grundkenntnisse in Materialkunde ;-)
    Und für Forstautobahnen sind die B-Plusreifen sicher tauglicher und leichter.

  7. Rainer am 2. Oktober 2016:

    @R. Ohloff,
    so wie ich das verstanden habe, ist die C-Linie nur minimal schwerer als die Rohloff. Das Piniongetriebe lässt sich ja durchaus auch mit einem Alu-Rahmen kombinieren.
    Zur Lauf-Gabel: ja ist sicher speziell, vor allem der Preis. Aber interessant finde ich die wartungsfreie Technik durchaus!

  8. Berthold am 2. Oktober 2016:

    Wäre denn der Wirkungsgrad bei C1.12 theoretisch besser als bei P1.18? bzw abhängig von der Zahl der Gänge?

  9. StefanM am 2. Oktober 2016:

    wenn ich die Konstruktion der Pinion verstehe nicht, liegt meines Wissens an der Getriebekonstruktion.

    Grüße Stefan

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