»Kommst Du, Schatz(i)?« – Eine Pedelec-Erfahrung

9. August 2016  |

Diese meist nonverbal vermittelte Botschaft kennen insbesondere Partner(innen) von radfahr-begeisterten Lebensgefährten(gefährtinnen).

Sobald der/die konditionell Schwächere ein adäquates Pedelec unter dem Hintern hat, verkehren sich Sachverhalt und Perspektiven nachhaltig.

Auf der Beziehungsebene entfaltet dieser Rollentausch eine höchst spannende Dynamik, das ist aber eine ganz andere Geschichte… Die eigentliche Botschaft lautet: Auch in Wald und Flur ist das Pedelec, noch dazu auf Finder-Basis, eine wunderbare Erweiterung der Radwelt und des (gemeinsamen) Unterwegsseins per Fahrrad.

Fahrbericht der »Velotraum-Chefin« Patricia

»Nach meiner ersten Ausfahrt mit dem Finder-Pedelec stell ich mir die Frage, warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?«

Ich fahre unheimlich gerne durch die Natur auf Nebenwegen, am liebsten weit weg von jeglichem motorisierten Verkehr, nur mit Windgeräuschen und Vogelgezwitscher. Leider ist mein Aktionsradius die letzten Jahre aus verschiedenen Gründen geschrumpft. Es fällt mir immer schwerer, mehrere dieser heftigen Anstiege, die es bei uns zu Hauf gibt, zu meistern, ohne mich danach wieder mehrere Stunden/Tage regenerieren zu müssen. Auch das kräftemäßige Ungleichgewicht zwischen meinem Mann und mir macht es nicht einfacher und kann frustrierend sein, wenn wir zusammen fahren wollen.

Seit vier Jahren fahre ich das Vivax-System in einem »VK-4« mit Rennlenker und komme damit auf Asphalt und guten Nebenwegen einigermaßen zurecht. Auf gröberen Wegen hört für mich der Spaß schnell auf und zunehmend stört mich der Küchengeräte-Sound des Vivax-Motors. Eine latente Aversion gegen die »Elektrifizierung« der Wald- und Wanderpfade sowie das hohe Gewicht hat mich jedoch bisher davon abgehalten, unser Finder-Pedelec auszuprobieren. Nach dem mein Mann von seinem Rad (Pilger mit 27,5-Plus-Bereifung) nicht mehr runter zu kriegen ist und mir von seinen landschaftlichen Entdeckungen vorschwärmt, habe ich es versucht und ich bin begeistert.

Der Finder mit Alber-Motor passt für mich sehr gut und das Schöne daran ist, man hört ihn nicht. Ich spüre, trotz der im Vergleich zum Vivax wesentlich höheren Motorkraft, sehr deutlich meinen Leistungsanteil und bleibe immer im Bereich einer angenehm-bekömmlichen Anstrengung. Trotz des höheren Gewichts habe ich das Rad gut im Griff, umschiffe Wurzeln und grobe Steine problemlos und fühle mich einfach pudelwohl.

Zum Unterstützungsgrad: Unsere »Berge« am Rande des Nordschwarzwalds bin ich alle mit der ersten von fünf Unterstützungsstufen und meiner gewohnten, schnellen Trittfrequenz locker hochgefahren. Die auf 1×10 Gänge reduzierte Kettenschaltung – also kein Umwerfer – vorne mit 38 und hinten 11 bis 36 Zähnen ist total einfach zu handhaben und reicht in Kombination mit dem Alberantrieb völlig aus. Lediglich in steileren Passagen (10%) benutze ich gelegentlich die zweite und dritte Unterstützungsstufe. Die Unterstützungsstufen 4 und 5 machen zwar mal kurz Spaß, aber sobald es enger, holpriger und unübersichtlich wird, ist mir der Schub zu stark. Für mich mit meinen 65 Kilogramm Körpergewicht ist die erste Stufe am angenehmstem, da stimmt einfach die Balance aus Unterstützung und eigener Kraft und bei Strecken mit leichtem Gefälle schalte ich den Motor sogar ganz aus.

Das Gewicht des Rades (23 Kilogramm) wird insbesondere bei Abfahrten spürbar und da fahre ich, wenn´s unübersichtlicher wird, langsamer, da ein kurzer Hüpfer über ein plötzlich auftauchendes Hindernis nicht so einfach möglich ist und ich schon stärker durchgerüttelt werde und einfach mehr Kraft für das Halten des Rades benötige.

Der Finder mit seiner 70er SuperMotoX-Bereifung von Schwalbe ist genial. Bei zirka 0,9 Bar Luftdruck habe ich genügend Komfort und trotzdem noch genug Grip. Er rollt einfach über alles hinweg, lässt sich direkt lenken und die Spur ist gut unter Kontrolle zu halten. Auch auf Asphalt fährt sich der Finder sehr angenehm, direkt, und er rollt sehr leicht. Nach zweieinhalb Stunden und 42 Kilometern (400 Hm) auf wunderschönen Nebenwegen, zeigt der Akku noch eine Kapazität von 78 Kilometern an, und der Akku war vorher nicht ganz voll. Mir geht es nach der Tour prächtig, und das Gefühl, sich körperlich angestrengt, aber nicht verausgabt zu haben, dominiert. Stefan hat die Ausfahrt ziemlich geschlaucht – jetzt weiß er mal, wie es mir normalerweise geht. ;-))

Da wir demnächst noch weiter raus in die Pampa ziehen, freue ich mich schon auf mein neues Finder-Pendlerrad, da wir unheimlich viele schöne Nebenwege zur Arbeit haben werden. Mal schauen, ob ich dann überhaupt noch an meinem Schreibtisch ankomme und nicht »immer weiter fahren« möchte… ;-)

Kommentare

  1. Werner Klein am 11. August 2016:

    Ich kann Ihre Erfahrungen für den ‘Normalfahrbereich’ nur bestätigen. Seit sechs Wochen bin ich stolzer Besitzer eines VK 12 E, allerdings mit Pinion-Getriebe. Die Abstimmung zwischen Alber-Motor und dem P 1.18 ist optimal und laufleise. Die zwischenmenschliche Komponente äußert sich bei mir und meiner Frau als Initiallzündung für ein zweites Pedelec.

  2. Helmut aus dem Ried am 12. August 2016:

    Na,na, wenn das mit dem “uneinholbar” mal so ganz stimmt… :-)
    Höchstwahrscheinlich ist ja Bild 3 von dem Hochsitz gemacht vor dem die Gattin in Bild 1 gerade vorbeifindert.
    Wie auch immer: So ein Finder wär auch was für Feld-, Wald- und Wiesenwege im flachen südhessischen Ried…
    Mal sehen..

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 12. August 2016:

    @ Helmut,
    das hast Du völlig richtig erkannt: Hochsitz, Waldrand und Licht passten an dieser Stelle einfach. Für Hobbyfotografen: Ein Pedelec erhöht die Bereitschaft des »Modells« so lange hin und her zu fahren bis das »richtige« Foto auf der Speicherkarte ist ;-)

  4. Isabella Bareiss-Pellegrinon am 12. August 2016:

    Hallo Patricia ich musste lachen,als ich Deinen Bericht las.Bei uns ist es genauso.Ich fahre ein normales Pedelec allerdings auch viel im Wald.Raffaello sagt mir immer,dass ich eigentlich ein Rad in Deiner Richtung bräuchte.Aber bis jetzt kam ich überall durch und zu Hause habe ich auch jemanden,der mir (Gott sei Dank) mein Rädchen immer wieder sauber macht und in Ordnung hält.Mit dem Pedelec fahre ich halt auch einmal schnell eine Runde in meiner Pause und die vielen Hügel machen mir keine Angst mehr.Und ich habe noch genug Elan um weiter zu arbeiten.Für flache Strecken habe ich ja noch mein wunderschönes blaues Rad welches dann auch zum Einsatz kommt.Es ist leichter zu transportieren auch wenn man mit der Bahn unterwegs ist.
    Liebe Grüsse aus Bad Schwalbach
    ISABELLA

  5. RD am 13. August 2016:

    Hallo Zusammen,
    ich kann das zu 100 % bestätigen. Meine Frau war nach 40 km einfach erschöpft und hatte keine Lust für längere Touren. Bis Sie sich 2011 ein Pedelec gekauft hat. Seitdem sind Steigungen und lange Touren kein Problem mehr.
    Ach ja und ich habe jetzt zusätzlich auch noch ein Pedelec, weil ich es leid war, dass meine Frau am Berg ganz locker an mir vorbei zog.
    Dennoch ich mag beide Arten des Radfahrens sehr und kann, je nach persönlicher Form, entscheiden, welches Bike ich nun nehme.
    In diesem Sinne viel Freude beim Radeln, ob ohne oder mit E-Antrieb.
    Viele Grüße
    RD

  6. FJ am 14. August 2016:

    Scheint ja ein wahres Wunderwerk an Fahrspaß zu sein, dieses Rad. Macht definitiv Lust aufs Ausprobieren.
    Nettes Produkt.

    Schade dass gerade dann beim Tenor dieses Artikels so dermaßen daneben gegriffen wurde. Die einhellige Meinung im Hause Velotraum scheint ja wohl zu sein dass man den Radsport, als Männerdomäne, den körperlich unterlegenen und unmotivierten Frauen durch wie-auch-immer-gestaltete Hilfsmittelchen möglichst leicht und schmackhaft zu machen hat um sie wenigstens alle paar Monate mal zum Ausflug in den Biergarten (ohne Jammern am Abend) zu bewegen. Leider werden hier all die armen, geplagten Männer vergessen die von ihren naturverbunden, sportlichen Frauen regelmäßig dazu genötigt werden ihre Sonntagnachmittage nicht wie geplant vor dem Computer, sondern draußen unter freiem Himmel zu verbringen. Auch diese Zielgruppe könnte vom Finder durchaus profitieren.

    Das 21ste Jahrhundert scheint im Stuttgarter Raum noch nicht so ganz angekommen zu sein, schade ich dachte wir wären schon weiter.

    Grüße
    FJ

  7. Guido am 14. August 2016:

    Hallo FJ,

    ich glaube, den Artikel kann man auch ganz entspannt und bar jeglicher Frauenfeindlichkeit lesen. Im Übrigen entspricht die beschriebene Konstellation (Mann powert auf dem Rad ohne Rücksicht auf Verluste) eher der oft beobachteten Realität als andersherum (wobei es ganz sicher auch die reziproke Konstellation geben dürfte).

    Also bleib locker.

  8. Robert aus Berlin am 14. August 2016:

    hallo herr stiener,
    bisher habe ich jeden ihrer blog-einträge zum thema pilger gelesen.
    nun stelle ich fest, dass sie seit geraumer zeit den pilger nicht mehr mit der fatbike-bereifung fahren sondern mit dem 27,5-zoll-plus format.
    stimmt mein eindruck, dass sich die wahl der reifenbreite irgendwann in der mitte einpendelt weil die farbike-reifen in den meisten fällen dann doch zu spezialisiert sind? oder wechseln sie tatsächlich regelmäßig ihre laufradsätze und posten nur die unternehmungen mit dem 27,5-zoll-plus format?
    hintergrund meiner frage ist natürlich, dass ich überlege ob ein pilger das richtige fahrrad für mich ist oder ob’s nicht besser der finder sein sollte. oder eben ein pilger mit 3zoll bereifung, der mir noch die möglichkeit zum “verbreitern” bieten würde…
    hand auf’s herz: benutzen sie ihre fatbikelaufräder noch?

  9. Stefan Stiener von Velotraum am 14. August 2016:

    @ Robert,
    völlig richtig beobachtet. Zwar haben die 3-Zoll-Reifen nicht den wow-Effekt der 4,8-Zöller, aber sie passen für mich besser zu den hiesigen Gegebenheiten. Für ein gelegentliches Wechseln »so zum Spaß« bin ich – Hand aufs Herz – zu bequem ;-)

    Hinsichtlich der generellen Abwägung zwischen Finder oder Pilger, gilt es eine ganze Reihe von Aspekten zu berücksichtigen. Angefangen vom Einsatzbereich, der Schaltung (3×10, 2×10, Rohloff), aber auch die Alltagskomponenten wie Schutzbleche und Gepäckträger sollten mit bedacht werden. Da hilft nur eine gründliche Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile und eine profunde Beratung, gerne auch mal telefonisch.

  10. Genießer am 22. August 2016:

    Ich bin am Wochenende mit einer Gruppe Pedelecs mitgefahren (mit einem normalen Fahrrad). In den Rädern waren überwiegend Mittelmotoren von Bosch verbaut und nur ein Rad hat einen Nabenmotor von Alber. Was für ein Genuss neben einem solchen Pedelec zu radeln, dass wirklich völlig geräuschlos läuft, während die Mittelmotoren mal mehr, mal weniger küchenmaschinenartig vor sich hin surren.

  11. Klaus Eschenauer aus Bad Schwalbach am 22. August 2016:

    Ich bin seit dem 3.5.2016 auch stolzer Besitzer eines Pedelec VT1100. Da ich im Taunus wohne, sind mir die steilen Berge nach Dienstsschluss für eine kurze Tour einfach zu anstrengend. Also aufs Rad, Alber-Motor anwerfen und eine entspannte Runde fahren. Das Rad mit seine Fahreigenschaften sowie mit allem Zubehör einfach super.
    Leider scheint die Elektronik von Alber/Neodrives seit einigen Tagen Probleme zu bekommen. Erst hat sich das Display beim hochfahren in der Startmaske jetzt mehrfach aufgehängt. Also alles wieder ausmachen, Stecker trennen und nochmals von vorne. Kein Thema, läuft. Heute kam nach dem Start der Hinweis “ Warnung – Allgemeiner Fehler “. Alles wieder aus – Neustart -das Display war wieder in Ordnung. So, und jetzt noch voll laden, da es morgen auf eine größere Tour gehen soll. Wird leider ins Wasser fallen. Ladegerät zeigt ein dauerhaftes Grün. Akku lässt sich nicht laden. Alles probiert – funktioniert leider nicht. Ich werde morgen direkt mal telefonieren. Ich bin mal gespannt. Und das nach 268 gefahrenen Kilometern :-(((((.

  12. Stefan Stiener von Velotraum am 23. August 2016:

    @ Klaus Eschenauer,
    das ist ist wirklich sehr ärgerlich und tut uns ausgesprochen leid. Natürlich werden wir und der Alber-Service alles tun, damit dieses Ärgernis nur von kurzer Dauer ist. Inzwischen haben wir ja telefoniert, dass Ladeproblem ist behoben und das Rad ist – von der Fehleranzeige im Display einmal abgesehen – wieder einsatzbereit.

    Generell wollen wir nicht verschweigen – nach dem Motto »Hand aufs Herz«, dass wir noch kein Patent-Rezept haben um solche Probleme generell zu vermeiden. Grundsätzlich muss man sich vergegenwärtigen, dass Pedelecs keine Fahrräder mehr sind, sondern Fahrzeuge mit komplexer Steuerung und Software. Und speziell an den Schnittstellen gibt es leider immer mal wieder Probleme. Sei es in der Kommunikation von Batterie, Motor und Steuereinheit oder auch zwischen Ladegerät und Batterie… Diese Probleme werden sicherlich noch weniger werden, aber sie werden sowohl uns als Hersteller als auch unsere Kunden weiter begleiten, quasi der »Preis« für das Mehr an Möglichkeiten.

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