Konverter für STI-Schalthebel und hydraulische Scheibenbremse

20. April 2010  |

Auf der SPEZI 2010 präsentieren wir eine Lösung, die es ermöglicht Rennlenker und hydraulische Scheibenbremsen zu kombinieren.

Der Rennlenker ist nicht nur im Rennrad ein charakteristisches und unverzichtbares Merkmal. Auch viele Alltagsfahrer, Reiseradler sowie andere Fahrrad-Quer-Beet-Nutzer sind den vielfältigen Griffpositionen und dem Fahrgefühl dieses Lenkertyps verfallen.

Allerdings ist die Vorliebe mit Kompromissen bei der Bremsleistung oder dem Schaltkomfort verbunden. Insbesondere wenn moderne Bremsschalthebel zum Einsatz kommen. Hier konnten bisher nur mechanische Scheibenbremsen, die hinsichtlich Verschleiß, Bremsleistung und Dosierbarkeit Wünsche offen lassen, oder die nässeempfindliche V-Brake mit zusätzlicher Konzenter-Rolle verwendet werden (über die aus der Not und Verzweiflung heraus wiederbelebte Cantilever-Bremse breiten wir den Mantel des Schweigens….).

Mit einem Konverter, also einem »Wandler« von Seilzugmechanik auf hydraulische Bremskraftübertragung, ließe sich das Problem jedoch lösen.

Unverhofft kommt oft

Zugegeben, von so einem Teil haben wir immer wieder geträumt, aber unbedingt besser und preiswerter als die Sticha-Hope-Lösung. Und wir haben zudem schlicht gehofft, dass dieser Job von jemand Anderem gemacht wird, wie zum Beispiel Matthias Hiller und Harald Fleck.

Die Verbindung zu Matthias Hiller reicht inzwischen über 20 Jahre zurück. Denn seit dieser Zeit ist die Familie Hiller Kunde bei Velotraum. Und aus dem Buben Matthias – zweitältestes von vier Geschwistern – ist inzwischen ein gestandener Maschinenbauer geworden, mit ungebrochener Leidenschaft fürs Fahrrad und fürs Tüfteln.

Der Zweite im Bunde ist Harald Fleck, Geschäftsführer und Mitinhaber von SMF-Konstruktionen, einem kleinem Entwicklungsdienstleister, für den Matthias so nebenher noch ein wenig »schafft«. Und dort gibt es in jeder Hinsicht genau die notwendige Kompetenz und Offenheit, die man für so ein kleines, feines Projekt benötigt. Schon nach einem ersten Sondierungsgespräch war klar, dass wir versuchen wollen dieses Projekt gemeinsam anzugehen. SMF leistet die Entwicklung und anfangs auch die Produktion, Velotraum steuert das fahrradspezifische Wissen bei und übernimmt die Kommunikation in den Markt.

Funktionsfähiger und fahrbarer Prototyp auf der SPEZI am 24./25.4. in Germersheim

Nach ersten Versuchen den Konverter in einen Bremsschalthebel zu integrieren, haben wir ganz bewusst auf diese im Grunde perfekt aufgeräumte Lösung verzichtet. Der externe Konverter ist einfach vielseitiger und so mit unterschiedlichen Brems-Schalt-Hebeln sowie mit ganz normalen Bremshebeln am Rennlenker kombinierbar. Auch Modellwechsel und die Abhängigkeit von einem Hersteller werden so nicht zum Fallstrick…

Die wichtigsten Merkmale des Konverters sind:

  1. Hebelmechanik zur Umsetzung der Seilzugbetätigung in hydraulische Bremskraft
  2. offenes System für Magura-Scheibenbremsen
  3. integriertes Ölreservoir

Das erste Etappenziel haben wir nun schon erreicht. Auf der Spezi wird ein voll funktionsfähiges Muster in einem Velotraum-Speedster zu sehen und zu testen sein. Bei der Montage am Wochenende hat uns schon mal der knackige Druckpunkt begeistert. Bis zur SPEZI versuchen wir die Anlage noch »einzubremsen«, damit auch das gewählte Übersetzungsverhältnis und die Bremsleistung zu beurteilen sind.

Als nächster Schritt ist geplant, dass der Hydraulikkolben direkt vom Seilzug betätigt wird und es keine offene Mechanik mehr gibt. Ein erstes Handmuster wird wahrscheinlich auf der SPEZI zu sehen sein. Die beiden Entwickler Matthias Hiller und Harald Fleck werden ebenfalls auf der SPEZI anwesend sein und Allen, die es sehr genau wissen wollen, Rede und Antwort stehen ;-)

Liefertermin und Preis

Momentan gehen wir davon aus, dass es den Konverter ab Frühjahr 2011 zu kaufen geben wird, sicherlich auch in der Kombination mit einer Magura-Scheibenbremse. Eine für Shimano-Bremsen passende Ausführung ist zumindest angedacht. Der Preis für den Konverter wird zirka 250 bis 300 Euro betragen, eventuell gibt es interessante Setpreise mit Magura-Scheibenbremsen.

Kommentare

  1. Peter Ording am 21. April 2010:

    Gibt es einen entsprechenden Adapter nicht längst bei Santana?

  2. Peter Ording am 21. April 2010:

    Noch etwas:
    Wird das System auch mit der HS-33 funktionieren?

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 21. April 2010:

    @ Peter

    ich würde sagen nein. Zumindest soweit dies der Santana-Seite zu entnehmen ist, bietet Santana nur eine Lösung fürs Hinterrad und ist mehr eine Spezial-Spezial-Lösung für Santana.

    Der Konverter ist nicht für die HS33 gedacht daran tüftelten gerade Andere, über eine Kooperation wird auf der SPEZI gesprochen.

  4. Hausmeister am 21. April 2010:

    Wieso issn da n Magura-Logo drauf?

  5. Stefan Stiener von Velotraum am 21. April 2010:

    @ Hausmeister,

    wieso nicht ;-)
    Spaß beiseite, freundlicherweise unterstützt Magura das Projekt beratend und mit Kleinteilen.

  6. Th.Weeck am 21. April 2010:

    Ich glaub doch meinen Augen nicht .
    Habe schon gedacht so etwas muß mit heim-handweklicher Verlegenheit gebastelt werden .
    Respekt !!
    Schon für den Prototyp.
    Wäre schön wenn es zur marktwirtschaftlichen Realität wird .
    Habe mich schon als Geradelenkender Scheibenbremser
    alt werde sehen ;-)

  7. Hausmeister am 26. April 2010:

    Und? Hat der Prototyp das Wochenende auf der Spezi durchgehalten? Oder hat spritzendes Hydrauliköl die Klamotten versaut? ;-)

  8. Stefan Stiener von Velotraum am 26. April 2010:

    @ Hausmeister,

    danke der Nachfrage, der Konverter hat die SPEZI besser überstanden als wir ;-)

    Das Echo von Besuchern und Fachpresse war hervorragend, und der Konverter erntete auch bei den Testfahrern nur anerkennendes Kopfnicken. Abgesehen von der auf der SPEZI häufiger anzutreffenden Spezies der, »Ich verstehe davon zwar nichts, aber…« ;-)

    Also wir (SMF + Velotraum) sind fürs Erste mehr als zufrieden!

  9. Armin am 26. April 2010:

    Das sind schlechte Nachrichten von Velotraum,- so muss ich mein Speedster Projekt auf 2011 verschieben. Vielleicht gibts ja dann auch was Neues über die leichte Rohloff und nen genialen Tüftler-Adapter für Rennbremsschaltgriff;- noch ein Jahr träumen vom neuen Velo ;-))
    Grüsse Armin

  10. FlyingScotsman am 28. April 2010:

    Einfach Super!

  11. Dotpunkt am 28. April 2010:

    Technisch ne feine Sache. Machinenbau würde Youzo Shimano wohl sagen. Optisch hoffe ich auf ne klarere Linie, sonst hängen einfach zu viele Spaghettis rum…wir waren doch gerade erleichtert, als Shimano endlich die Züge verpackt hat. Da werdet ihr doch nicht anfangen die guten alten Wäscheleinen wieder zu spannen.

  12. Stefan Stiener von Velotraum am 29. April 2010:

    @ Dotpunkt,

    nun ja, es müssen halt zwei Bowdenzüge rein in das Ding und zwei Hydraulikleitungen raus, also ein wenig Kabelverhau ist unvermeidbar.

    Allerdings kannst Du anhand der CAD-Zeichnung für die nächste Entwicklungsstufe sehen, dass die Serienlösung deutlich aufgeräumter wird.

    Auf der SPEZI haben wir zudem eine Muster – hergestellt im Rapid Prototyping – der angestrebten Serienausführung gezeigt, das sogar nochmals ein Tick eleganter ist. Bilder dazu wird es geben, wenn wir Funktionsmuster haben.

  13. Christian aus München am 29. April 2010:

    kann sein, dass das jetzt eine doofe Frage ist, aber warum entwickelt niemand Bremsschaltgriffe für Hydraulik-Bremsen?

  14. Stefan Stiener von Velotraum am 29. April 2010:

    @ Christian,

    die Frage ist nur allzu berechtigt, und mir fallen nur drei Erklärungen ein.

    1. Gewicht
    Scheibenbremsen am Renn- oder Crossrad sowie die Peripherie sind etwas schwerer als die bisherigen Verzögerer. Und da die Rennradwelt seit Jahren nur um den Fetisch Gewicht kreist, sind die Marktchancen wahrscheinlich schlecht.

    2. Die »alten« Männer des UCI
    Das Reglement der UCI verbietet Scheibenbremsen an Cross- und Rennrädern für Wettbewerbsfahrer, ich glaube, egal ob Amateur oder Profi. Und da ein »richtiger« Hobby-Rennradfahrer nur das fährt was auch der Profi fährt…

    3. Verkannte Nischen
    Der Fahrrad-Querbeet-Nutzer taucht in den strategischen Überlegungen der großen Komponenten-Hersteller offensichtlich nicht auf. Kleinere Hersteller, wie z.B. Magura, befürchten, dass die Großen sofort aufspringen, wenn ein kleiner Hersteller mit viel Aufwand den Markt »geöffnet« hat.

    Auf der Spezi am vergangenen Wochenende wurde zwar von Insidern kolportiert, dass SRAM ein fertiges System in der Schublade liegen hätte, aber ’was genaues weiß man nicht…

  15. Armin am 30. April 2010:

    @Stefan,- :-))))))))

  16. Werner Adermann am 30. April 2010:

    Bevor die nächste Evolutionsstufe des STI-Hydraulikadapters konstruiert wird, habe ich noch eine Anregung, die meiner Ansicht nach die Kraftübertragung der Seilzüge auf den Adapter und die Wartbarkeit des Systems (Entlüften, Bremsflüssigkeit nachfüllen …) verbessern könnte:

    Statt die Hydraulikzylinder in Fahrtrichtung auszurichten, könnten sie auch quer zur Fahrtrichtung angeordnet werden.
    Meine Vorstellung geht hierbei in Richtung einer antiparallel Anordnung der beiden Zylinder im Bereich des Knotens Vorbau-Lenker und zwar quer zur Fahrtrichtung und somit parallel zum oberen Teil des Rennlenkers.
    Die Bremszüge könnten dann von links und von rechts (deswegen die antiparalle Anordnung der beiden Zylinder) mit relativ kleinen Biegeradien in den Adapter eingeführt werden.

    Wenn die Anordnung der beiden Hydraulikzylinder dann auch noch so gewählt wird, dass diese in einem Paktet übereinander gestapelt sind, dann ergibt sich zwanglos, dass die Serviceöffnungen zum Befüllen und Entlüften der beiden Zylinder übereinander liegend in Fahrtrichtung nach vorne zeigen.
    Zum Zwecke des Entlüftens und Befüllens der Bremse mit Bremsflüssigkeit (welche das auch immer sein mag) reichte es dann aus, die Vorbauklemmung des Lenkers zu lösen und den Lenker so weit nach vorne-oben zu verdrehen, dass sich die Serviceöffnungen der Zylinder in der Horizontalen befinden.

    Damit die Lageänderung des STI-Hydraulikadapters durch Verdrehen des Lenkers möglich wird, muss der Adapter statt am Vorbau am Lenker befestigt werden. Hier würde ich mir eine solide Konstruktion mit Schelle und Schraube wünschen, aber auf gar keinen Fall einen Kabelbinder!

    Und um dem Zwang nach Kompatibilität mit allen möglichen Vorbau-Lenker-Kombinationen nicht auf die Spitze zu treiben wäre mein Vorschlag, sich hierbei auf die überaus excellenten Vorbauten und Lenker der Firma Syntace zu beschränken.

    Übrigens: Wieso werden die Vorderradbremsen bei Fahrädern immer mit der linken Hand betätigt, wo doch bei allen motorisierten Zweirädern hierfür die rechte Hand herhalten muss?
    Als auch Motorradfahrer habe ich die Bremsen an den Fahrrädern meiner Familie konsequent auf die “Motorrad-Norm” umgebaut.

    Wenn diese Träumereien jemals umgesetzt werden sollten, dann machen wir als ultimativen Evolutionsschritt den Rohloff-Schaltgriff fit für den Rennlenker!

    In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt ihr Veloträumer!

  17. Björn, PB am 30. April 2010:

    Nicht schlecht, Herr Specht (alias Adermann)! Ich glaube, liebe SMF-Konstrukteure (Harald Fleck, Matthias Hiller), jetzt seid Ihr dran. :-)

    Ich freu mich schon auf die Antwort. So kann »Internet« funktionieren. Klasse.

  18. bastelstübchen am 30. April 2010:

    Und genau das ist der Grund, warum ich nie bereit wäre für son Teil 300€ zu bezahlen, weil sich jeder Ing. denkt: das hätte man doch so, oder so, oder so viel hübscher und zweckdienlicher bauen können;-).
    Für manche mag es so aussehen, aber allgemein ist so eine Bastlelei kein Geheimpatent. Nur schöner wird es in der Serienfertigung meist, als wenn man es sich selber baut.
    trotzdem, schönes Teil für alle, die es benötigen!

  19. Roland am 30. April 2010:

    Hallo, genau so was suche ich. Mein Rad für die tägliche Fahrt zur Arbeit habe ich mit mechanischer RR7 Scheibenbremse von Avid und Rennlenker kombiniert. Besonders bei Nässe bremse ich damit weit besser als mit mini V-brake. Besonders bei Nässe. Die Wirkung einer hydraulischen Bremse ist noch nicht erreicht. Dieses Forum hat für die Umsetzertechnik meinen “Habenreflex “ geweckt.Eine “Motorrad Norm “ ist für mich nicht nötig. Die würde mich nur verwirren.
    Wo kann ich mich auf die Warteliste setzen ?

  20. Matthias Hiller am 30. April 2010:

    Hallo. Vielen Dank schon mal von meiner Seite aus für die vielen Kommentare.
    Speziell auf den langen und sehr detaillierten Beitrag von Herrn Adermann würde ich gerne antworten.

    Wir haben uns auch schon überlegt die Adapter in Verlängerung der Bremszüge zu positionieren. Da ergibt sich leider das Problem, dass die Bremshülsen sehr genau abgeschnitten werden müssen und ein Einstellen mit einer Einstellschraube an der Hülse nicht mehr möglich ist, da die Hülse keinen Bogen mehr macht und damit die Länge nicht mehr ausgleichen kann.

    Die Idee mit der senkrechten Lage der Ausgleichsbehälter und dem Verdrehen des Lenkers zum Befüllen klingt ganz gut. Allerdings muss man dann sehr sicher sein, dass auch wirklich kein Luftbläschen mehr im Ausgleichsbehälter ist, welches durch die senkrecht Anordnung etwas leichter in den Druckraum kommen könnte.

    Viel schwieriger erscheint mir allerdings, dass die Hydraulikschläuche beim Verdrehen des Lenkers zu kurz sind. Bei senkrechter Anordung der Ausgleichsbehälter würde ich die Druckleitungen mit 90° Schlauchanschlüssen direkt nach unten rausführen, damit gerade für das Vorderrad keine unnötigen Schlauchbögen entstehen. Damit ist dann aber der Schlauch zu kurz, um den Lenker mit Adapter um 90° nach oben zu schwenken.

    Mit der Befestigung des Adapters am Lenker/Vorbau sind wir noch nicht ganz sicher. Sobald man eine mechanisch saubere Lösung (Schelle) macht, wird es wieder ein Stück teurer. Es sind halt gleich pro Adapter 2 Frästeile mehr und um verschiedene Lenker bedienen zu können reicht leider auch nicht nur ein Durchmesser.
    Wir werden uns wie gesagt nocheinmal mit dem Thema auseinander setzen.

    Noch kurz zum Thema Fahrrad/Motorrad-Norm. Kann sich doch jeder so verlegen wie er will, oder? Ich habe auch schon Konstruktionen gesehen, da wurde mit der rechten Rennlenkerbremse und mit der linken Oberlenkerbremse Hinten gebremst und umgekehrt. Ist wohl alles nur Gewohnheitssache. (Wie ich auf der Spezi gelernt habe bremsen Trikes z.B. mit links das linke Rad und mit rechts das Rechte)

    Ich hoffe wir können demnächst wieder einen neuen Prototypen zeigen. Bis dahin…

  21. BB am 2. Mai 2010:

    Als Hinweis für Leute von Velotraum. Ein kleiner Laden aus Mülheim an der Ruhr hat in Zusammenarbeit mit Magura solch eine Lösung für den Rennlenker und eine hydraulische Schreibenbremse entwickelt und schon seit einiger Zeit im Testbetrieb laufen. Das ganze befindet sich gerade in der Patentierung. Wird ab Ende des Jahr dort zu beziehen sein. Mehr dazu unter VierR.

  22. Stefan Stiener von Velotraum am 3. Mai 2010:

    @ BB,

    Ihr Blog-Eintrag entspricht nicht ganz den Tatsachen…

    Nach Rücksprache mit Herrn Fritschle – Produktmanager bei Magura – und einem Gespräch mit Thorsten Reck – Inhaber von »VierR« – stellt sich der Sachverhalt folgendermaßen dar:

    * Es gibt keine Zusammenarbeit von »VierR« und Magura.

    * Thorsten Reck von VieR arbeitet nicht an einem Konverter für hydraulische Scheibenbremsen.

    * Thorsten Reck arbeitet seit langer Zeit an einem Konverter für die Magura HS33-Felgenbremse und es läuft eine Patentanmeldung für diesen Konverter.

    Prima Sache, denn dann wird es wohl in naher Zukunft zwei Konverter für die Felgenbremse geben (VierR und Tandemladen Freiburg) und einen für die Scheibenbremse ;-)

  23. Werner Adermann am 13. Mai 2010:

    Guten Tag an alle Forumsleser und -autoren.

    Nach der konstruktiven Erwiderung von Herrn Hiller auf meinen Beitrag vom 30.04.2010 (s. o.) habe ich mir abermals weitergehende Gedanken gemacht:

    Die von Herrn Hiller angeführten Argumente gegen die Anordnung der Bremszylinder in direkter Verlängerung der Bowdenzüge, also quer zur Fahrtrichtung, sind tatsächlich stichhaltig!

    Jedenfalls solange, wie man daran festhält, eine verschleißbedingte Längung der Seilzüge durch eine Verstellung der Position der Bowdenzughüllen mittels Hülsenschraube zu kompensieren.

    Wenn auf der Anordnung der Hydraulik quer zur Fahrtrichtung bestanden wird, müsste zusätzlich zur Hülsenschraube, die Toleranzen beim Ablängen der Bowdenzughülle ausgleichen muss, eine verstellbare Aufnahme der Klemmung des Seilzuges (eventuell ebenfalls als Hülsenschraube ausgeführt) eingebaut werden. Dieser Aufwand machte den Adapter aber schwerer, teurer und vielleicht sogar defektanfälliger. Deshalb erscheint mir nach reiflicher Überlegung die ursprünglich von Herrn Hiller vorgestellte Lösung die einfacher zu realisierende zu sein.

    Unter Beibehaltung der Anordnung der beiden Hydraulikzylinder in Fahrtrichtung und Montage am Vorbau, fallen mir aber trotzdem noch ein paar Anregungen ein:

    Um eine mechanisch einwandfreie Befestigung herzustellen, die ohne schnöde Kabelbinder auskommt und trotzdem bezahlbar bleibt, hätte ich diesem Vorschlag:
    Die Hydraulikzylinder könnten an einer Konsole aus gekantetem Blech (Aluminium oder Edelstahl) montiert werden. Das Blech könnte so gekantet sein, dass aus fünf ebenen Flächen ein länglicher Quader entsteht. Die sechste Fläche, also der Deckel auf der Kiste, kann weg gelassen werden.

    Um diese kleine Konsole verdrehsicher längs unter dem Vorbau zu befestigen (offene Seite der Konsole nach oben), müssten die beiden schmalen Stirnflächen der Konsole (also die in Fahrtrichtung nach vorne und nach hinten zeigenden Flächen) V-förmig eingekerbt sein. Ähnlich wie bei einem Schraubstock mit Prismenbacken, der Rohre verschiedenen Durchmessers festzuhalten im Stande ist, wäre diese Konsole kompatibel mit allen erdenklichen Vorbauten, solange diese an den Auflagepunkten der Konsole nur runde oder elliptische-ovale Querschnitte besitzen. Und weil die Konsole nur mit ihren primatischen Ausschnitten der Vorder- und Hinterwand aufliegt, ist es auch unerheblich, ob sich der Querschnitt des Vorbaus von hinten nach vorn von hochoval in queroval ändert.

    Zur Fixierung der Konsole am Vorbau kann eine Rohrschelle zur Anwendung kommen, wie sie z. B. als Bremsgriffbandage für Rennbremshebel oder für die Klick-Fix-Adapter der Satteltaschen der Fa. Rixen-Kaul zum Einsatz kommen. Derartige Befestigungen verwendet z. B. die Firma Weber seit Jahren für die Kupplungen ihrer Fahrradanhänger.

    Die Firma Unex Metall GmbH aus Oberhaid bietet derartige Rohrschellen in verschiedenen Materialien und Dimensionen in industriellen Stückzahlen an, die nur noch durch Austausch der Mutter teilbar gemacht werden müssten, um die gesamte Schelle um den Vorbauschaft zu bekommen.

    Damit die Deckel der Ausgleichsbehälter für Wartungsarbeiten direkt von oben zugänglich sind, sollten die Hyraulikzylinder meiner Meinung nach nicht unter, sondern seitlich an der Konsole angeflanscht werden. Damit entfielen weitergehende Demontageschritte beim Nachfüllen oder dem Wechsel der Bremsflüssigkeit und die Verlegung der Bowdenzüge und der Hydraulikleitungen bliebe ebenfalls unangetastet.

    Um die Wartungsfreundlichkeit auf die Spitze zu treiben könnte man die Konsole und die Hydraulikzylinder so gestalten, dass die Öffnungen der Ausgleichsbehälter im fertig montierten Zustand bereits in der Horizontalen stehen: Die Velotraumrahmen haben größtenteils einen Steuerrohrwinkel von 71,5° und das Gros der Syntace-Vorbauten hat eine Neigung von +/- 6°. Das ergibt für die Vorbaulängsachse eine Neigung gegenüber der Horizontalen von ca. 12, bzw. 24°, je nach dem, ob der Vorbau »flip« oder »flop« eingebaut wurde. Es müsste doch möglich sein, die Konsole ebenfalls mit einem derartigen »Flip-Flop«-Design auszustatten: Angepasst an die Flip- oder Flop-Einbaulage des Vorbaus würde dann die Konsole ebenfalls um ihre Hochachse gedreht eingebaut. Für Wartungsarbeiten reichte dann ein einfacher Montageständer, der das gesamte Fahrrad in aufrechter Stellung fixiert.

    So, jetzt aber genug!. Um Sie, Herr Hiller und die anderen geneigten Leser dieses Formumsbeitrages nicht noch weiter zu nerven, mache ich jetzt erst mal Schluss.

    In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt ihr Veloträumer!

  24. Velo-Phil am 19. Juli 2010:

    @Stefan Stiener: Die »alten« Männer des UCI (siehe Blog-Eintrag vom 29. April) scheinen aufgewacht zu sein: Diverse Fahrrad-Blogs melden, dass ab der kommenden Saison Scheibenbremsen bei Cyclo-Cross-Rennen erlaubt sein sollen. Damit wird die Scheibenbremse am Rennlenker vielleicht auch für den einen oder anderen ambitionierten Amateur »salonfähig«. Das Velotraum-Timing ist also scheinbar richtig gewesen; jetzt müsst ihr »nur« noch ein serienreifes Produkt auf den Markt bringen. Ich bin gespannt…

  25. Stefan Stiener von Velotraum am 19. Juli 2010:

    @ Velo-Phil,
    danke für den Hinweis, die Information habe ich auch schon vom Produkt-Designer von »Stevens« erhalten. Ich denke, selbst wenn SRAM und Shimano sich nun bewegen werden, es wird sich auf leichte und sehr beschränkt einsetzbare Lösungen ausschließlich für den Renn-Sportbereich (und Alle die sich ausschließlich daran orientieren) handeln. »Mehr« traue ich den beiden Herstellern in dieser Beziehung einfach nicht zu ;-)

    An der Serienreife des Velotraum-Konverters wird gerade hart gearbeitet, insbesondere an den Produktionskosten…

  26. Andreas am 21. August 2010:

    Alla hopp (sagt der Pfälzer), endlich. Der Weg ist frei. Die UCI wird zukünftig Scheibenbremsen an Crossern zulassen. Nicht nur die Sporler sind begeistert. Auch ein Vertreter des größten Komponentenherstellers sendet positive Signale. Bin ich jetzt zu voreilig um den Bastlern zu raten lieber ihre Bemühungen einzustellen? Ich machs trotzdem!

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