Rennlenker mit Shimano-Nabenschaltung kombinieren: Jtek hat die Lösung

24. Oktober 2009  |

Der Hartnäckigkeit eines Kunden ist es zu verdanken, dass wir eine smarte Rennlenker-Nabenschaltungs-Kombination kennen lernen und gleich verbauen konnten.

Dabei waren wir anfangs mehr als skeptisch. Schließlich haben wir schon einige Räder mit vermeintlichen Schalthebel-Alternativen wieder zurück gebaut.

Inzwischen sind wir ganz angetan von dem Ami-Hebel – der kleine Hersteller sitzt in den USA – und wir tragen uns mit dem Gedanken, diese Lösung als Wahlmöglichkeit ins Programm zu nehmen. Quasi als »kleine« Rohloff-Variante, wenn Belastbarkeit, Wirkungsgrad und Übersetzungsverhältnis der Speedhub nicht benötigt werden.

Beim Probefahren irritiert etwas, dass der Schalthebel »in die andere Richtung« arbeitet. Beim nach oben Ziehen geht’s in die schweren Gänge, nach unten in die leichten. Bei klassischen Lenkerendschalthebeln mit Kettenschaltung ist es genau umgekehrt. Aber daran kann man sich gewöhnen.

Die Rasterung ist beim Schalten recht deutlich spürbar, wobei die gefühlte Schaltpräzision nicht mit dem original Alfine Rapidfire-Hebel mithalten kann. Auf der kurzen Proberunde empfanden wir auch die Gangsprünge der Alfine-Nabe als nicht optimal – etwas zu groß und unregelmäßig – zumindest an einem sportiven Rad mit Rennlenker. Aber vielleicht sind wir auch nur zu sehr von unseren Rennlenker-Kettenschaltungsrädern geprägt. Umgewöhnen muss man sich auch hinsichtlich der Schaltschnelligkeit. Bei manchen Gangsprüngen ist eine kurze Verzögerung spürbar bis der Gang sitzt. Allerdings sind dies alles Eigenschaften, an die man sich schnell gewöhnen kann.

Der charmante Jtek-Hebel kombiniert mit einer Shimano-Nabenschaltung wird also sicherlich keine Lösung für Jedermann sein. Die Kombination ergibt wohl eher ein Rad für Leute, die eine Vorliebe für Quergebürstetes haben.

Einen Versuch wert ist diese Kombination aber allemal. Vorausgesetzt, Einsatzbereich und die etwas speziellen Eigenschaften eines solchen Rads passen zusammen. Und wenn es irgendwann nicht mehr »passen« sollte, lässt sich jederzeit eine Rohloff- oder Kettenschaltung einbauen. Das ist ja das Schöne und Beruhigende an einem Velotraum-Rad.

Ach ja, der Aufpreis auf das Ausstattungspaket »7« wäre zirka 150 Euro.

Kommentare

  1. Armin am 24. Oktober 2009:

    Nur Mut…zwar bin ich kein Rennlenkerfahrer, aber es doch kann gut sein, dass diese Variante dem Geschmack / Gefühl fürs Schalten manchen Leuten auch entgegenkommt.
    Als langjähriger Motorradfahrer habe ich nicht nur die Vorderradbremse rechts, sondern auch kam auch mit der Drehrichtung für die Rohloff nicht klar und hab sie gewechselt. Gas geben ist für mich halt andersrum.

  2. Sandro am 25. Oktober 2009:

    Hallo Veloträumer,

    schön, dass ihr den Schalthebel jetzt mit im Angebot habt.
    Ich hatte schon länger drüber nachgedacht, ob das nicht eventuell eine Möglichkeit sein könnte, da ich aber recht »schraubscheu« bin, wollte ich es auch nicht unbedingt ausprobieren.

    Jetzt noch ein Grund mehr, mein Geld in ein Velotraum zu investieren.

    Ich hatte im Netz gelesen, dass die Produktion eingestellt wurde? Falschinformation?

    Gruß und gerne weitere Erfahrungsberichte!

    Sandro

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 25. Oktober 2009:

    Hallo Sandro,

    auf der Startseite von Jtek ist zu lesen, dass der Inhaber Jay Guthrie aufgrund seiner fortschreitenden Krebserkrankung zur Zeit nicht mehr arbeiten kann und die Geschäfte ruhen.
    Inwieweit dies das Ende des Schalthebels bedeutet, ist im Moment nicht eindeutig klar. Zudem hoffen und wünschen wir sehr, dass Jay Guthrie wieder auf die Beine kommt.

  4. Jörg am 25. Oktober 2009:

    Hat schon mal wer probiert, eine Rohloffnabe mit 2 Lenkerendschalthebeln anzusteuern? Ohne Rastung am Hebel natürlich. Die eine Seite zum Rauf-, die andere zum Runterschalten. Der jeweils betätigte Hebel wird auf Zug beansprucht, das Gegenstück wird entsprechend über den zweiten Zug zurückbewegt.
    Vorteil könnte dann auch sein, dass die fummelige Einstellung an den Bajonettverschlüssen entfällt, dafür eine einfache Zugklemmung am Hebel. 2 freie Enden sind leichter zu justieren als ein Ringschluss – wie beim Drehgriff.
    Was mich darauf bringt, ist die tolle Bedienung meines neuen Speedster. Einfach und intuitiv – ein Problem ist wohl der nötige Hub des Hebels, aber das sollte sich lösen lassen.

  5. Johannes am 26. Oktober 2009:

    Naja, ganz so simpel mit zwei Endschalthebeln stelle ich mir das nicht vor. Man müsste ja beim Drehen des ersten immer den zweiten mitziehen, was wohl nur geht, wenn dieser sich sehr (!) leichtgängig bewegt. Dann hätte man aber gleichzeitig das Problem, dass sich die Hebeln ohne Schaltvorgang ebenfalls bewegen und damit die Schaltzüge lose rumklappern. Wobei ich frei zugebe, die Möglichkeit auch schonmal angedacht zu haben. Leider habe ich für mich noch keine wirklich ansprechende Lösung für Rohloff und Rennlenker gefunden. Und somit fahre ich nach wie vor den geraden Lenker, entschädige mich aber ein bisschen mit dem angenehmen Bremsgefühl hydraulischer Scheibenbremsen.

    Lieben Gruß

  6. Georg Bezold am 28. Oktober 2009:

    Auch ich entwerfe gerade im Kopf einen klassischen Randoneur (Reiserennrad) mit Rohloffnabe für mich.
    Meine aktuell favorisierte Lösung:
    Am Rennlenker eine Klemme von den CINELLI SPINACI-Zusatzgriffen
    montieren. An der noch freien zweiten Klemmstelle dieses Bauteils
    einen Griffstummel mit 22,2 mm und mindestens 60 mm Länge montieren (evtl. Distanzhülsen verwenden). Dieser Griffstummel dient zur Aufnahme des Rohloff-Schalt-Drehgriffs.
    Diese Lösung ist vielleicht nicht der Gipfel der Eleganz, aber müsste eigentlich gut funktionieren.
    Frage: Könnten Sie sich vorstellen so etwas für mich zu bauen?

    Mit freundlichen Grüßen Georg Bezold
    Mail: georgbezold@web.de

  7. Stefan Stiener von Velotraum am 28. Oktober 2009:

    Hallo Georg,
    diese »Lösung« ist bekannt, ist aber nicht besonders gut. Der Abstand zum Lenker muss doch recht groß sein, sonst lässt sich der Drehhebel nicht vernünftig betätigen. Zudem lässt sich, wenn der Hebel vor dem Lenker montiert wird, keine Lenkertasche mehr montieren.

    Dreht man die Spinaci nach hinten zum Fahrer hin, knallt man beim Wiegetritt mit dem Knie dagegen (deshalb halten wir auch wenig von Lösungen, bei denen der Rohloff-Drehgriff am Vorbau befestigt wird).

    Bauen könnten wir so eine Lösung aber sicherlich.

  8. Hubert am 30. Oktober 2009:

    Eine Lösung für einen Rohloff-Schalter am Rennradlenker habe ich seit Jahren realisiert.
    In der Selbstbaulösung geht das so:
    Einfach einen Abschnitt von einem alten MTB lenker nehmern, darauf den Rohloff Griff befestigen, dann von ein Holzstück einpassen, welches länger ist als der Lenkerabschnitt. Dieses Holzstück in den Rennlenker und da entweder festkleben (2K Kleber) oder mit einem Spreiz- oder Schrägkonus klemmen.
    Das ganzs könnte jemand sicher auch eleganter lösen, aber so funktioniert der Rohloff wie ein Lenkerendschalter, mit eine schönen Zugverlegung zum Rahmen hin.

  9. Jörg am 30. Oktober 2009:

    Hallo Hubert,
    da hilft jetzt zur Veranschaulichung nur noch ein Foto ;-)

  10. Stefan Stiener von Velotraum am 30. Oktober 2009:

    Hallo Hubert,

    falls Du ein Foto von Deiner Lösung hast, bitte an info@velotraum senden, ich setze es dann auf die Seite.

  11. Bernhard am 1. November 2009:

    Ist schon was bekannt über den neuen Drehgriff von Rohloff? Passt der vielleicht an Rennlenker?
    Was ist mit den Lösungen von Nöll und Mittelmeyer? Ist hiervon eine »velotraum-tauglich«?

  12. Stefan am 2. November 2009:

    Ja, der neue Rohloff Drehgriff interessiert mich auch!

  13. Stefan Stiener von Velotraum am 2. November 2009:

    Hallo Bernhard und Stefan,

    die Nöll-Lösung arbeitet mit einen getrennten Serien-Rennlenker, der dann wieder »zusammengesteckt« wird. Für uns scheidet eine solche Lösung mit Blick auf Sicherheit und Produkthaftung aus.

    Der Mittelmeyer-Griff konnte uns sowie einige Velotraum-Kunden, denen wir den Griff auf eigenen Wunsch eingebaut hatten, hinsichtlich der Funktion nicht überzeugen. Aber da kann man auch anderer Auffassung sein. Wir wollen ihn also nicht empfehlen, verbauen ihn aber, wenn der Kunde ihn wünscht und für diese Entscheidung auch die »Verantwortung« übernimmt.

    Der neue Rohloff-Griff wird einfach schlanker, leichter und reduzierter, wird aber nach wie vor nicht für den Rennlenker geeignet sein. Vielleicht wird ja der Wunsch nach einem Rohloff-Hebel für den Rennlenker doch zu selten geäußert… Also feste E-Mails an Rohloff schreiben und nett anfragen ;-)

  14. Tankred am 4. November 2009:

    Auch wenns technisch nicht sehr sauber ist, der Inhaber von LE Qrier in Leipzig (ein Fahrradkurierdienst) fährt seit Jahren einen Rohloffschalter am Renn-Kurier-Rad, erst auseinandergebaut, den Grundkörper aufgesägt, auf den Lenker geschoben, verklebt und wieder zusammengebaut. Hält und funktioniert sehr gut, ist aber wahrscheinlich eher eine Heim-Bastel-Lösung wegen Garantie etc.

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