Mit dem Schwalbe G-ONE im Nordschwarzwald unterwegs

21. Juli 2016  |

Die Eurobike ist in Sicht und die ersten Neuheiten trudeln ein, wie zum Beispiel der Schwalbe-Reifen »G-One« fürs 27,5-Plus-Format.

Damit verbunden war die Bitte von Schwalbe-Entwickler Peter Krischio, den Reifen ausgiebig zu testen, schließlich waren wir mit dem vermeintlich ähnlichen »Big-One« weniger zufrieden.

Am letzten Wochenende passte alles perfekt zusammen. Nach zwei Monaten hatte der »Pilger« des Chronisten seine Aufgabe als Präsenter für die neue Ortlieb Bikepacking-Serie bei Globetrotter erfüllt, das Wetter war allerliebst und ein Ziel gab es auch.

Zuvor »durfte« Auszubildender Arno erstmals »Tubeless« montieren, was ihm auch auf Anhieb gelang. Daran lassen sich zwei Dinge festmachen: Arno hat schon viel gelernt und die Kombination aus Schwalbe schlauchlos-Reifen und DT-Swiss Felgen ist im Moment der Goldstandard.

Die erste Testrunde sollte von Weil der Stadt über Bad Liebenzell, Schömberg, Langenbrand nach Engelsbrand gehen, wohin mich Ex-Zivildienst-Kollege Jörg Schauer zu seinem STOWA-Firmenevent eingeladen hatte.

Der Schwalbe G-One

Zwar sind sich G-One und Big-One auf den ersten Blick sehr ähnlich, allerdings ist der G-One eine Weiter- bzw. Neuentwicklung. Im Vergleich zum Big One hat der »G-One« deutlich an Volumen (70- statt 60-584), Profiltiefe und Gewicht zugelegt. Dieses Aufpäppeln ist dem Reifen sehr gut bekommen und mit 740 Gramm ist der Reifen ja noch immer – gemessen am Volumen – sensationell leicht. Wenn man den Reifen »tubeless« fährt, also ohne Schlauch, entfallen zudem weitere 200 Gramm Gewicht (dass Gewicht der Dichtmilch ist dabei bereits berücksichtigt).

Die absolute Domäne des G-One sind Schotterwege jeglicher Körnung und nicht zu nasse und grobe Trails. Der Reifen lässt sich wunderbar beschleunigen, rollt sehr leicht und bietet viel Traktion und Kontrolle. Bei einem Luftdruck unter einem Bar schluckt der Reifen auch gröbere Unebenheiten, kann aber – auf schwierigen und rauen Trails – eine Federgabel bzw. eine Vollfederung nicht ersetzen. Mal zur Abkürzung mit Karacho ein g’mähtes Wiesle überqueren ist ebenfalls komfortabel möglich und erst auf einem abgeernteten Stoppelfeld-Acker wird’s unangenehm holbrig ;-)

Auf Asphalt ist der Reifen aufgrund der Stollenhöhe nicht so leise wie ein SuperMotoX im gleichen Format, vom Leichtlauf sind die Reifen aber sicherlich vergleichbar. Sprich man kommt ausgesprochen zügig und effizient voran, selbst bei einem sehr geringen Luftdruck von 0,8 bis 1,0 Bar. Sogar Zwischensprints im Wiegetritt fühlen sich noch gut an, allerdings hat auch der G-One die Tendenz, Spurrillen und Unebenheiten etwas hinterher zu laufen. Da ist der 200 Gramm schwerere SuperMotoX neutraler.

Diese Reifeneigenschaften sind wohl in erster Linie dem Reifenformat in Verbindung mit einem geringen Luftdruck geschuldet, also quasi systemimmanent. Spätestens bei der zweiten und dritten Ausfahrt hat man sich dran gewöhnt und kommt völlig problemlos damit zurecht. Zur Verdeutlichung: Wer einen agilen und neutralen Eckenflitzer für überwiegend asphaltierte Strecken sucht, ist mit 27,5-Plus beim falschen Reifenformat, das ist und bleibt die Domäne von 26-Zoll-Laufrädern :-)

Resumee

Der G-One ist eine sehr schöne sowie willkommene Bereicherung im noch jungen 27,5-Plus Reifenformat und zeigt auf, welches Potential in diesem Format steckt. Auf Velotraum bezogen wird der G-One sicherlich nicht zum »Standardreifen«, ist aber eine feine Leichtbau-Option, wenn der Finder nicht so sehr als Alltags- und Reiserad eingesetzt wird, sondern mehr als universelles Offroad- bzw. Bikepacking-Rad. Für die sehr unterschiedlichen, aber selten extremen Anforderungen bei diesem Einsatzbereich passt der G-One – ob tubeless oder mit Schlauch – ganz hervorragend.

Apropos Bereicherung – stollenbewehrter, robuster und Reise-geeigneter wird wahrscheinlich der ebenfalls schon eingetroffene Smart Sam im Format 65-584 sein, ebenfalls sehr vielversprechend, doch dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

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