Nachtrag zum Randonneur-Test im Radtouren-Magazin 5/2009

11. Oktober 2009  |

Der Testbericht liest sich schon fast wie eine Liebeserklärung an den oft verkannten Reiserad-Klassiker »Randonneur«.

Für uns ein Grund zur doppelten Freude. Zum Einen stellen wir den Testsieger – einziges Rad mit der Beurteilung »Sehr gut« – und zum Andern ist es einfach schön, dass hier für einen vermeintlichen Orchideen-Fahrrad-Typus eine Lanze gebrochen wird.

»Randonneure preschen aus der Nische« – wir preschen schon lange vorne weg

Bei Velotraum werden Randonneure nun seit 18 Jahren leidenschaftlich gepflegt und gehegt. Dabei haben wir uns nie nachhaltig davon beeinflussen lassen, ob Randonneure gerade eine vermeintliche Renaissance erleben oder für mausetot erklärt werden. Das ist uns schlicht völlig wurscht, denn wir lieben diese Fahrräder tief und innig und können uns eine Fahrrad- und Velotraumwelt ohne sie nur schwer vorstellen.

Dass wir uns schon vor 18 Jahren von den Attributen »klassischer« Randonneure verabschiedet haben (28-Zoll-Laufradgröße, schmale Reifen, schlabberige Stahlrahmen) und diese mit nicht nachlassender Begeisterung selber fahren, ist bis heute die Basis für die besonderen Eigenschaften der Velotraum-Randonneure, ihrer wachsenden Fangemeinde und der kontinuierlichen Testerfolge (Trekkingbike 3/2006, Aktiv Radfahren 4/2008) .

Eigene Wege gehen wir auch bei der Ausstattung. So verzichten wir zum Beispiel ganz bewusst zu Gunsten der Robustheit und Bremsleistung auf die komfortablen STI-Schalthebel. Die Nachteile beim Schaltkomfort nehmen wir dabei gerne in Kauf und haben lieber die einzigen Bremsen im Testfeld, »mit denen man auch schwer beladen noch vollkommen beruhigt stoppt«. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit bei einem Reiserad, das wie gemacht ist für Alpenpässe. Das Velotraum-Baukastensystem bietet aber natürlich auch die STI-Schalthebel als Wahloption an, wenn eine hohe Bremsleistung nachrangig ist.

Weder Velotraum-Fahrer noch regelmäßige Besucher dieser Seite wird überraschen, dass unser Rad durch die für Velotraum typische hohe Rahmensteifigkeit »Die Bestnote für die mit Abstand souveränsten Fahreigenschaften unter Last gebührt…« und »…unbeladen unerwartet spritzig bleibt.«. Dabei mussten wir beim Testrad aus Zeitgründen Laufräder mit 600 Gramm schweren Felgen verbauen ;-)

Auch beim Komfort geht das Velotraum-Konzept auf. Die breiteren Reifen in Verbindung mit der kleinen Cane Creek Thudbuster-Stütze ergeben Topwerte beim Komfort und lassen auch in dieser Hinsicht die klassischen und vermeintlich komfortablen Stahlrahmen mit ihren, dem Leichtbau geschuldeten, dünnen und harten Reifen hinter sich. Schön, dass diesem Märchen auch mal von vergleichsweise unparteiischer Seite widersprochen wird.

Rennlenker gut und schön – aber nur wenn er »passt«

Bei aller Begeisterung für diesen Fahrradtypus wollen wir jedoch nicht unerwähnt lassen, dass der Rennlenker doch vergleichsweise hohe Anforderungen an die Athletik des Fahrers stellt. Für Rennlenker-Novizen bedeutet dies in jedem Fall eine gewisse Trainings- und Gewöhnungsphase.

Für absolut unverzichtbar halten wir daher die bei Velotraum übliche Anpassung des Rads mittels Messmaschine. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die Möglichkeiten des Fahrers und die Anforderungen, die der Rennlenker stellt, wirklich zusammen passen. Bei Randonneuren von der Stange ist aus unserer Sicht das Risiko einer nicht passenden, weil zu extremen Sitzposition sehr hoch.

Übrigens ein Grund warum diese Fahrradgattung immer wieder in der Nachfrage-Versenkung verschwindet. Viele Fahrer kommen mit der Sitzposition ihrer auf flott getrimmten Randonneure nicht klar und schieben dies allein auf den Rennlenker, nicht auf die fehlende oder falsche Anpassung…

Kommentare

  1. Matthias aus Bochum am 12. Oktober 2009:

    Hallo,

    den Spaß am Randonneur erkennt man glaub ich auch an meinem Kundengaleriebeitrag vom 27.11.2008 – auch wenn das Rad nicht ganz typisch ist und die MTB-Griffposition dem/n Anhänger(n) geschuldet ist. Den Rennlenkeranteil möchte ich nicht missen… :)

  2. andreas am 12. Oktober 2009:

    Hallo, fahre meinen Velotraum Randonneur seit fast drei Jahren (mit HS 66/Lenkerend Schaltung/VRO Vorbau). Velotraum Km pro Jahr ca. 3000 (täglicher Weg zur Arbeit, von einer Randgemeinde in die City). Absolut positiv ist für mich die relative Wartungsarmut und die Zuverlässigkeit des Schaltmechanismus, sowie natürlich die Griffvielfalt und die dadurch verbundenen Annehmlichkeiten. Ehemals Brooks Lederband habe ich auf Specialized Roubaix umgestellt- es ist manchmal einfach zu hart optisch zu glänzen…) Als nachteilig empfinde ich die etwas »umständliche« Schaltweise, besonders im täglichen »Cityfight« mit den motorisierten Fahrzeugen…im »Sprint«, beim täglichen Überlebenskampf wünsche ich mir manchmal schnellere, spritzigere Gangwechsel. Mit STI Griffen und entsprechender Bremsanlage wäre das für meine Bedürfnisse wohl besser gelöst.

    Den anpassbaren VRO finde ich sinnvoll, denn es einige Zeit und Km dauert (trotz Vermessung mit einer entsprechenden Velotraummaschine) bis man sich (als »Einsteiger«) an die optimale Sitzposition rangetastet hat.

    Ferner spielt für mich das Thema Lenkerergonomie eine Rolle. Ich habe mittlerweile (über den Rennradsport) Modelle kennen gelernt, die durch bestimmte Formgebung meinen Händen sehr schmeicheln. Leider passt das überwiegend nicht zum genannten Vorbau.
    Ich bekenne mich hiermit, schon einmal über einen Austausch der Lenkereinheit nachgedacht zu haben. Bis ich es wieder verwarf. Letzten Endes haben die Vorteile überwogen und am Ende behalte ich ein sehr individuell abgestimmtes Rad, das sich wohltuend von der Masse absetzt.

    Ich mag an Velotraum das Spezielle. Das kommt bei jedem Vegleichstest deutlich zum Tragen. Auch deshalb finde ich den eingeschlagenen Firmenweg sehr sinnvoll.
    Beste Grüße

  3. mario am 22. Oktober 2009:

    ciao bella, emotione isse gut! Rohloffe pandorra büchsa isse zu perfetto. cicli mussa lebe. behalte speedstere un mache noch meere darause. mit de campa anfange. bringe velotraume trikot un kann mache bella figura!

  4. Hesiod am 22. Oktober 2009:

    Ciao Mario. »Rohloffe pandorra büchsa«. Mal ganz humorlos gefragt: Inwiefern könnte eine Rohloff-Nabe der Inbegriff für Unheilbringendes sein?

  5. Stefan Stiener von Velotraum am 23. Oktober 2009:

    @ Mario:
    Freue mich schon auf weitere Kommentare ;-)

    »Mit de campa anfange« – das haben wir schon versucht, aber offensichtlich ist Velotraum als piccolo fabbricante nix gut genug für Campagnolo.

    @ Griechischer Dichter:
    Ich vermute, dass unser »italienischer Freund« – bewusst oder unbewusst – in jedem Fall sehr humorvoll auf einen Aspekt unseres Tuns hinweisen wollte: Dem problematischen Streben nach Perfektion. Zu diesem Thema habe ich schon mal früher diesen Kommentar geschrieben.

    Allerdings stimme ich Dir zu, dass der Vergleich speziell mit Rohloff hinkt. Schon allein wegen der Geräusche den die »Büchsa« macht, kann von Perfektion keine Rede sein. Aber vielleicht hat das Cleverle Bernd Rohloff die auch absichtlich eingebaut, damit die Emotionen nicht zu kurz kommen ;-)

  6. imposter am 23. Oktober 2009:

    ciao patrone,
    wann bringe neue velotraume trikot so wir koennen mache bella figura?

  7. mondo mario am 24. Oktober 2009:

    grande stefano! hate verstande was die mario will… bella idea aus de monde mario für mache alle glucklich musse alle wisse. auch die traurige greco wo habe nix zu lache habe. mit de campa musse sprecke mit de Yozo zu gebe piccolo mille um mache die campa elastico in de geist.
    ciao bisse bald

  8. Stefan Stiener von Velotraum am 24. Oktober 2009:

    @ imposter,
    sagen wir mal so, das Velotraum-Trikot steht auf unserer langen Projekt- und Wunschliste halt nicht an erster Stelle, aber es steht da ;-)

    Wenn die richtige Idee und die passende Bezugsquelle gefunden ist wirds was mit »bella figura«.

  9. michel am 1. November 2009:

    Des isch ja luschtig hier!!!

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