Shimano-Produktvorstellung für die Fahrradsaison 2011
8. Februar 2010 |
Es ist ein Ritual: Anfang Februar lädt Shimano Europa die Fahrradhersteller zur Präsentation der Neuheiten fürs nächste Jahr ein.
Ein Termin so zwischen Last und Lust, denn in aller Regel haben die Buschtrommeln zuvor schon alle Neuheiten zuverlässig verkündet. – So auch dieses Jahr.
»Same procedure as every year«
Sobald man die unscheinbare Stahltür zum Präsentationsbereich durchschreitet, hat man das Gefühl die Szenerie so schon mehrfach erlebt zu haben. Das bodenständige Buffet mit den legendären Maultaschen, Butterbrezeln, Hefezopf… die vielen bekannten Gesichter, die von japanischen Shimano-Leuten beaufsichtigten Top-Neuheiten (no photos, don’t touch) und die rührend um die Gäste bemühte Paul-Lange-Crew. Lediglich die jährlich wechselnden Farben der Shimano-Promotion-Kleidung verhindert ein perfektes Déjà-vu.
Man setzt halt auf Bewährtes und schließlich soll nichts von dem eigentlichen Anliegen, den Shimano-Neuentwicklungen, ablenken. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt, man fühlt sich sofort wie Zuhause und harrt entspannt der Dinge, die da kommen werden.
Shimano-Nabenschaltung mit 11 Gängen
Und Shimano hat wieder kräftig geforscht und entwickelt. Viele Neuheiten gibt es bei den MTB-Gruppen, die allerdings noch unter das sogenannte »Presseembargo« fallen, also erst ab Mitte des Jahres publiziert werden sollen. Als Shimano-Gast, werde ich diesen Wunsch natürlich gerne respektieren.
Die für mein Empfinden wirklich relevante Neuheit unterliegt überraschender Weise keinem Presseembargo: eine völlig neu entwickelte Alfine-Nabenschaltung. Mit nun 11 Gängen, einem Übersetzungsbereich von 406 Prozent und einem Gewicht von etwas über 1.600 Gramm, ist diese Nabe eine echte Sensation.
Überzeugende Testfahrt
Sehr überraschend und erfreulich, dass die erst ab Spätherbst 2010 verfügbare Nabe schon für eine Probefahrt zur Verfügung stand. Auf der beschränkten Teststrecke durch die Lagerhallen von Paul Lange war das Schaltgefühl zwar nicht ganz so geschmeidig und definiert wie zuvor in der Produktpräsentation versprochen, aber für ein Vorserienmodell hervorragend. Lediglich das »Plastikgefühl« beim Betätigen des Schalthebels und der kaum spürbare Gangwechsel haben mich noch etwas gestört.
Konkurrenz zu Rohloffs Speedhub-Nabe?
Ob sich der Wirkungsgrad durch die geschmeidige Schrägverzahnung verschlechtert hat, wurde bei der Produktpräsentation nicht angesprochen. Aber selbst wenn ein paar »Schönheitsfehler« (z.B. die Vollachse mit Muttern statt Schnellspanner) bis zur Markteinführung bleiben werden, diese Nabe wird ein Renner.
Und so stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die 11-Gang-Alfine nun der Rohloff-Speedhub kräftig Marktanteile wegnehmen wird. Wir – als große Rohloff-Fans – hoffen und glauben, dass dies zumindest mittelfristig nicht der Fall sein wird. Denn weder an den Wirkungsgrad, noch an die Unzerstörbarkeit und Zuverlässigkeit der Rohloff-Nabe wird die neue Alfine herankommen.
Eine ähnliche Situation gab es vor einigen Jahren bei den Nabendynamos, als Shimano mit wirklich guten Modellen auf den Markt kam. Auch damals befürchteten viele, dass nun die Tübinger Firma SON kräftig Marktanteile verlieren würde. Das Gegenteil ist eingetreten. Denn der Nabendynamo wurde zum Standard und SON wie Shimano verkauften mehr Nabendynamos denn je.
Ein ähnliches Marktszenario könnte nun auch von der 11-Gang-Alfine ausgelöst werden, die durch den günstigeren Preis eine ungleich größere Käuferschicht ansprechen wird. Die Nabenschaltung wird dann mehr denn je zum Standard für Alltags-, Touren- und Nutzfahrräder. Die einfache Bedienung, Zuverlässigkeit und Wartungsarmut trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen lieber und häufiger Radfahren.
Kurzum, Shimano hat einen weiteren Baustein für den Siegeszug des Fahrrads als Lebens-Mittel (Pdf, 2 MB) geschaffen, der viel mehr bewirken wird, als die Vermehrung von 27 auf 30 Gänge bei den Kettenschaltungen ;-)
Ach ja, zum Thema E-Bike gab es noch nichts zu sehen bei Shimano. Und ein anständiges Velotraum-Rad mit der neuen Alfine-Nabe wird sicherlich unter 2.000 Euro zu haben sein.




















Klasse, wurde aber auch Zeit! Habe mich schon gewundert, wie lange das dauert. Ich brauche wohl kein Hellseher zu sein um zu behaupten, dass diese Entwicklung noch nicht am Ende angelangt ist. Jetzt hofft man natürlich, dass nicht nur die Technik irgendwann ordentlich funktioniert, sondern auch eine gescheite Haltbarkeit mit dem Teil erreicht wird. Schließlich will man das Ding ja auch durch den verregneten Herbst und evtl. Winter fahren. Wenn das preislich in der Golfklasse angesiedelt wird, binn ich fest vom Erfolg überzeugt. 900€ für ein Getriebe sind einfach für viele nicht leistbar (unabhängig von der Wertigkeit)…kommt als Antwort aus dem Rohloff Haus jetzt (als Spezialisierung) bald die Sport Version?…ich dachte halt… :o)
Hi,
man hört die Sport Version der Rohloff ist nochmals teurer, halt dafür leichter. Aber mal ehrlich, wer kauft die denn ? Der Nobel Proll Rennradler – ne zu schwer – keine »coole« Campa Kettenwürgung Stylo Effekt Masche mehr. Nebenbei gibts (noch) keinen brauchbaren Drehschaltgriff für Rennlenker und die Einbaubreite passt auch nicht. Maybe Race MTB´ler wo es aufs Gramm ankommt. Für den Normalo reicht doch die »normale« Speedhub locker.
mfg,
flo
P.S. Auch für mich, ich fahre gerade mit meinem Bike einmal um Australien und da bewährt sich die Nabe aus Kassel (sieht man von gelegentlichen Ölverlust ab) sehr gut.
Als uns Jozo Shimano während einer Marktstudie vor ein paar Jahren in unserem Geschäft besuchte, kam das Gespräch auch auf Getriebenaben. Herr Shimano sagte zum Unterschied zwischen Shimano und Rohloff sinngemäß: Shimano produziert Fahrradkomponenten, Rohloff ist deutscher Maschinenbau.
Nach mehreren Jahren alfine (erst Typ 501 und dann 502 mit Ölbadschmierung) habe ich Anfang Dezember auf Speedhub umgestellt und bin mit dieser Nabe nun durch unseren Winter gefahren. Durch jede nur erdenkliche Schweinerei, Schnee, Eis, Matsch…auch Deiche rauf und runter und z. T. mit schwerem Hänger (durchaus auch mal 60 Kg drinnen). 40 Km pro Tag sind bei mir üblich. Oft viel mehr. Als Qualitäts- und »Robustheits«-Fanatiker sage ich heute folgendes: Die alfine ist eine gute Nabe. Die speedhub ist in allem um Welten besser. Allein schon das Schaltgefühl, die gleichmäßig abgestuften Gänge, das spielfreie Gefühl in den Pedalen, immer findet man einen passenden Gang,… Ich hätte nicht so lange zögern, sondern schon viel früher umstellen sollen! Hallodri speedhub!
Schöne Grüße
Was auch interessant ist (und die Spatzen im Internet pfeifen es von den Dächern):
Shimano bringt 10 fach jetzt auch im MTB-Bereich. Wohl ab 2011 erhältlich sein wird (Markteinführung Spätsommer 2010):
eine XTR Gruppe 10 fach mit:
Ritzelträger (10-fach Kasette):
11-32; 11-34; 11-36
und dazugehörige
Kettenblattkombinationen: (2 – und 3 – fach)
26-38; 28-40; 30-42 und 30-44
24-32-42
Auch XT und SLX werden 10-fach allerdings nur mit 3-fach Kurbel.
Für Reiseradler könnte dass was sein, allerdings befürchte ich hohen Verschleiß / Unterhaltskosten
Aber Flo: geht es da nicht hauptsächlich darum der zweifach Kurbel den Weg zu ebnen. Meiner Meinung nach ist die Entfaltung bei Neunfach Schaltungen (für den Trekkingbereich) ausreichend und möglicherweise haltbarer. Vielleicht ist auch ein gewisser Zugzwang da…Sram hat den Ball gespielt und die Gewichtsfetischisten angefixt.
Zum Thema 10-fach Kettenschaltung,
eine, wenn nicht die wichtigste Nachricht ist sicherlich, dass es die 9-fach XT-Gruppe weiterhin geben wird. Shimano hat inzwischen erkannt, wie wichtig diese Gruppe für »Nicht-Mountainbiker« geworden ist, und dass diese Käuferschicht lieber auf Bewährtes setzt.
Shimano hat bei der Präsentation der 10-fach-Gruppen mehrfach betont, dass es hinsichtlich Verschleiß und Zuverlässigkeit keine Verschlechterung zu den 9-fach-Gruppen geben soll.
Die Wahrheit wird – ähnlich wie beim Umstieg von 8- auf 9-fach – irgendwo dazwischen liegen. Die Unterhaltskosten werden aber in jedem Fall höher. Interessant wird die 10-fach Entwicklung aber sicherlich im Hinblick auf die Kombinierbarkeit von Rennrad- und MTB-Technik werden :-)
Mir waren die Gangsprünge der 11-34 Kassette zu grob (Sprung 17-20), hier ein Verbesserung bei gleichbleibender Übersetzungsbreite fände ich schon sinnvoll. Wobei ich schon sagen muss, dass ich auch nicht der überzeugte 10fach Käufer bin, da eben die Ketten / Toleranzen nochmal dnner / kleiner werden und die Verschleißanfälligkeit damit eher zunehmen wird. Inzw. nutze ich aber mit Überzeugung die Speedhub und brauche nix anderes mehr (außer vielleicht Half Step )
Konnte noch nie nachvollziehen, wie man sich als Reiseradler generell für Kettenschaltung entscheiden kann, wohlwissend, dass es (dafür) eine excellente Nabenschaltung gibt. M.E. bietet sich die Kettenschaltung vernünftiger Weise ausschließlich für Straßenrennen an.
Oops, da hat wohl eben etwas nicht geklappt!
Die neue Alfine 11-G SG-S700 Nabenschaltung dürfte für den anspruchsvolleren Normal-Radler d e r Knüller werden. Extrem-Radler und Perfektionisten werden wohl weiterhin zur Speedhub greifen. Aber es ist ein echter Zugewinn, bald eine relativ preiswerte Alternative zu haben, die in den Leistungsdaten schon recht nahe an die Speedhub heranreicht. Bislang hat Shimano in allen als »relevant« erkannten Marktsegmenten seine Produkte in Funktion und Qualität zu neuen Höhen entwickelt. Und spätestens in der 2. oder 3. Serie funktionieren dann auch fast alle Produkte exemplarisch.
@ Hans: schön, dass auch Dir die Alfine 8-G Nabenschaltungen gute Dienste geleistet haben. Aber woher kommt die »ölbad-geschmierte« SG-S502? Ich kenne nur die »fett-geschmierten« Versionen SG-S500 und 501. Bist Du da g a n z sicher????
@Adrian:
habe sie selbst umgestellt auf Ölbad. Neue Nabe gekauft (502), Nabe zerlegt, im Nabengehäuse eine geignete Stelle festgelegt für eine Ölablassbohrung. Bohrung angebracht (M6) und mit Rohloff-Ölschraube verschlossen. Diese Inbus-Madenschrauben haben ein konisches Gewinde und können deshalb nicht IN das Gehäuse hineinfallen. Nabe wieder montiert und Lager (sehr penibel!) eingestellt. Nabe mit Rohloff-Öl befüllt (ca. 35 ml). Die beidseitige Dichtigkeit der SG502 ist dafür ausreichend. Ergebnis: spürbar weicherer und geschmeidigerer Lauf der Nabe. Mit Sicherheit deutlich erweiterte Lebensdauer, weil die Fettschmierung eine »de-facto-Trockenschmierung« ist. Mehr nicht. Habe diese Nabe als Reserve, noch eingespeicht, im Schuppen archiviert.
Nachdem ich nun den ganzen Winter über täglich (Mo-Fr) ca. 40-70 Km mit der Rohloff gefahren bin, auch mit schwerem Anhänger und durch wirklich schwieriges Gelände, weiß ich, wo die Unterscheide liegen und ärgere mich heute noch darüber, solange auf die speehub verzichtet zu haben.
Schönen Gruß
Hans
@ Hans,
Chapeau – ich habe deine Heimwerker-Glanzleistung an Shimano-Deutschland weitergeleitet. Auch dort wurden schon 8-Gangnaben auf Ölschmierung umgebaut mit dem Ergebnis, dass die 11-Gang nun ebenfalls in Öl läuft.