Alugabel-Test in der Praxis bestätigt

16. Oktober 2008  |

Rumms, da war der Rücksprung* weg… aber die Gabel hält. Oder: Velotraum-Pilotin misstraut Labortests. Oder: Duell der schwäbischen Giganten.

Von unserem Freiburger Händler Pedal Plus erreichte uns eine passende und trotz ernstem Hintergrund (Kollision mit Autotür) humorvolle Geschichte zum Thema Sicherheit von Velotraum-Fahrradgabeln.

Was Velotraum-Gabeln im Praxistest aushalten, wollte die Velotraum-Fahrerin und treue Kundin Hildegard F. (67) aus Engelskirchen im Bergischen Land wissen, denn sie misstraut grundsätzlich sterilen und theorieüberfrachteten Labortests. Sie suchte sich eine stabile Autotür – die von einem Mercedes durfte es schon sein – und hielt tapfer dagegen.

Die Gabel, es handelt sich um die aktuell verbaute Alu-Gabel A-425, verlor zwar ein wenig an Biegung und Lack, hielt der Belastung bravourös stand: »Ich habe zunächst gar keinen Schaden festgestellt. Bei der nächsten engeren Kurve bin ich dann am Schutzblech hängengeblieben und habe mir erst da die blauen Flecken geholt«, so Hildegard lakonisch. Da allerdings war der Unfallverursacher mit seinem Mercedes schon längst über alle Berge. Der Rahmen, ein cross 7005, blieb unversehrt, selbst der Steuersatz versah seinen Dienst noch recht ordentlich, wenn auch leise hakelnd. Über den Zustand der Autotür wissen wir nichts, so dass der Kampf der schwäbischen Giganten unentschieden gewertet werden musste. Der moralische Sieg gebührt in jedem Fall der A-425 von Velotraum.

*Rücksprung: Benennung der Gabelbiegung nach DIN ISO 8090

Zu diesem Bericht von Rudolf Beltinger (auf dem Foto ganz links) sei noch eine Bemerkung erlaubt: Dieser Praxistest wird sicherlich alle Velotraum-Fahrer beruhigen, die mit der bisherigen Alugabel unterwegs sind. Schließlich beziehen sich die Testergebnisse auf die neuen Alu-Gabeln.

Kommentare

  1. anonym, München am 16. Oktober 2008:

    Die Komik des Unfalls kann ich nicht nachvollziehen. Meine Mutter ist durch eine kurz vor Ihr aufgerissene Autotür vom Rad gestürzt mit 65 Jahren und ums Leben gekommen. Die Geldstrafe für die Verursacherin war lächerlich wie bei einem kleinem Blechschaden. Vielleicht wäre ein Hinweis aufs Helmtragen sinnvoll. Merke: Auch 1 Meter Sicherheitsabstand reichen oft nicht.

  2. flo aus Minga am 17. Oktober 2008:

    Hi,

    hmm ja sowas ist schon eine Tragödie. Die Unachtsamkeit einer Autofahrerin führte hier zum Tod der Radlerin. Hier sieht man echt mal wieder, dass Radfahren ein Hoch-Risiko-Sport bzw. eine hoch riskante Art der Mobiblität darstellt. Im Prinzip dürfte man ohne Helm nicht fahren, und es sollte wohl auch Vorschrift werden.

    Ich nehme mal an, dass das Opfer keinen Helm trug, oder?

    Naja, wie es auch sei – so ein Schicksal wünsche ich keinem.

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 17. Oktober 2008:

    Hallo nach München,
    ich habe großes Verständnis, dass Sie, als tragisch Betroffener, einer ähnlich gelagerten Situation nichts Humorvolles abgewinnen können.
    Von einer »Komik des Unfalls« wurde jedoch ganz bewusst nicht gesprochen, sondern es wurde formuliert: »…trotz ernstem Hintergrund humorvolle Geschichte«. Und humorvoll bezieht sich sicher auf die lakonische Art, in der die Betroffene selbst von dem Ereignis berichtet hat.

  4. isabella und raffaello pellegrinon, bad schwalbach am 25. Oktober 2008:

    habe gerade selbst auf meiner urlaubsfahrt von bad schwalbach nach rotterdam im zentrum von duisburg so eine situation erlebt. ein taxifahrer öffnete seine fahrertüre (ich befand mich auf einem fahrradweg) ohne sich umzusehen. in diesem moment weiss man eigentlich nicht was geschieht und nur rein instinktiv bin ich nach links auf einen grünstreifen ausgewichen. mein vollbeladenes rad verhielt sich problemlos sehr stabil und ich konnte somit der gefährlichen situation entweichen. mein mann hinter mir hatte mich schon in der autotüre gesehen. vom taxifahrer kam nur ein lapidares sorry. die situation lehrte einen mal wieder, gerade in der stadt immer alle sinne auf »achtung« zu stellen.

  5. Frank Hien am 21. April 2009:

    Es hilft nicht, das Helmtragen zu fordern.
    So gesehen sollte erst recht jeder Fußgänger und auch jeder Autofahrer einen Helm tragen.
    Radfahren ist auch keine »Hochrisikosportart«, sondern eine erwiesenerweise recht risikoarme Art der Mobilität verglichen mit der Fortbewegung mittels motorisierter Fahrzeuge.
    Eine Helmpflicht zu fordern ist daher nicht angebracht und würde keinen Sinn ergeben.
    Leider wird dies in letzter Zeit wieder verstärkt kritiklos gefordert ohne entsprechendes Hintergrundwissen in Bezug auf Risiko und Unfallzahlen.
    Sinnvoll wäre es, die Ursachen für Fahrradunfälle zu analysieren und durch geeignete Maßnahmen die Risiken zu senken, z.B. durch Verzicht auf Radwege oder Radstreifen die dicht an parkenden Fahrzeuen vorbeiführen bzw. durch generelle Ábschaffung der Radwegebenutzungspflicht etc. etc.

  6. Triton Mole am 28. Juli 2010:

    Hi!

    Zum Thema Helmpflicht: Dort, wo Helmpflicht eingeführt wurde, namlich in Teilen der USA und Australien ist der Anteil der Radfahrer im Straßenverkehr drastisch gesunken! Ist es das, was wir im Straßenverkehr brauchen? Noch weniger Radfahrer, damit die Autofahrer noch weniger auf uns achten?
    Ich bin in Erlangen aufgewachsen. Dort passte schon in den ‘80er Jahren jeder Autofahrer auf Radfahrer auf! Heute lebe ich in Eisenach und erlebe das krassen Gegenteil! Warum? Hier in Eisenach fahren kaum Radfahrer herum.

    Erst wenn der Anteil der Radfahrer die kritische Masse erreicht, verändert sich die Situation für uns!

    Liebe Grüße!

    Stefan

  7. Matthias aus Bochum am 28. Juli 2010:

    Yepp!
    Der bekennende Helmträger

  8. Jan am 3. August 2010:

    Helmtragen kann kontraproduktiv sein.

    Es gibt mehr als eine Untersuchung, die nahelegen, dass das Tragen eines Helmes die “Schadenshöhe pro Fahrtkilometer” nicht unbedingt in der gewünschten Weise beeinflußt. Woran das liegt, darüber kann man spekulieren.
    Mögliche Ursachenanteile könnten sein:

    - Ablenkung durch ungewohntes Tragegefühl (z.B. vermehrtes Schwitzen)

    - Mehr Risikobereitschaft seitens der Radfahrer als auch anderer Verkehrsteilnehmer bei unterstelltem besserem passivem Schutz (nicht unbedingt bewußt, sowas gibt es auch unbewußt)

    - Statt Vermeidung Verlagerung von Schäden beim Aufprall in andere Körperregionen (evtl mehr HWS-Torsionen statt Schädelverletzungen, außerdem verändert der Helm die Flugreaktion)

    - In vielen Fällen ist ein Helm wirkungslos (wenn weiterhin ungeschützte Stellen getroffen werden, es ist schließlich kein Integralhelm und schützt nicht vor Bordsteinkanten oder Autorelings im Gesicht/am Ohr…). Um da wirklich sicher zu sein, müsste er wesentlich umfassender und ausladender sein, dem stehen Komfort, Aerodynamik und Optik entgegen. Abgesehen von den Verletzungen an anderen Körperteilen – nur ein kleiner Teil der schweren Sturzschäden sind Kopftreffer. Ich hatte in meinem Leben schon 5-6 Fahrradstürze (ohne Helm) und 1 mit dem Motorrad (mit Helm) mit Krankenhaus/Gips/etc-Folgen, da war kein Kopftreffer dabei. Keiner will aber, dass wir mit Knie-, Sprunggelenks-, Ellenbogen- und Handgelenksschoner rumfahren (das sind in meinem Umfeld die gefährdetsten Stellen). Bei allen Fahrrad- und Motorradunfällen in meinem Bekanntenkreis habe ich bisher nur eine (leichtere) Kopfverletzung gesehen – durch gebrochenes Brillengestell plus Abschürfung.

    Sicher gibt es noch mehr Faktoren. Wahrscheinlich ist auch die Wahl des Helmes selbst ein Faktor, aber realistisch gesehen wird immer eine Mehrheit die 20€-Baumarktware wählen (müssen). Abgesehen davon, dass ein Nichtfachmann da sowieso keine sinnvollen Auswahlkriterien außer Komfort, Preis und Optik findet.

    Unbestreitbar ist wahrscheinlich, dass Helme schon einige Unfälle wesentlich glimpflicher ablaufen ließen. Das sagt aber nichts über die Gesamtwirkung aus.

  9. B. Sorel am 5. November 2011:

    Meine Prinzipien um zu überleben (seit ca. 6 Jahren fahre ich täglich 3 – 6 km in in und in der Nähe von Hannover, also Stadtbedingungen):

    - Autofahrer nie vertrauen: das Risiko ist zu hoch. Ein Kontakt mit einem Auto bedeutet entweder Tod, Lähmung oder schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen

    - Ich kontrolliere immer meine Gewschindigkeit, um jederzeit in Sicherheit voll bremsen zu können

    - Am Ampel, am Kreisverkehr: Immer erst Augenkontakt mit den Autofahrern etablieren, ansonsten bremsen und halten.

    - Ich bin zwei mal wegen verantwortungslose Autofahrer fast gestorben (einige Zentimeter zwischen Vorderrad und rasendes Auto). Seitdem in ähnliche Situationen spreche ich (wenn möglich) den Autofahrer an, der mich in Lebensgefahr gebracht hat. Ich erkläre ihm was er gemacht hat, dass ich gegen ihm Anzeige erstatte und dass wir uns im Polizeiamt wieder sehen werden.
    Es ist die einzige Lösung, ansonsten ist es wie Isabella geschrieben hat: der Autofahrer sagt nur Sorry und das war es, während ich Todesangst erleben musste! Aber wenn man das Autokennzeichen notiert, und mit einer Anzeige droht, dann verstehen die Autofahrer die Konsequenzen iher Verantwortungslosigkeit und nehmen der Fahrradfahrer ernst.

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