Stahl- und Alugabel sehr erfolgreich getestet

8. Oktober 2008  |

Beide Gabeln konnten vollständig überzeugen. Sie durchliefen das strengste Testregime der EFBe Prüftechnik GmbH in Waltrop. Darüberhinaus überrascht die neue Aluminiumgabel mit geradezu unglaublichen Haltbarkeits- und Belastungswerten.

Dass die Velotraum-Stahlgabel C-425 den EFBe Top-Performance-Test bestehen würde, hatten wir erwartet, hier ging es uns mehr um eine Kontrolle der Serienprodukte. Dass die überarbeitete »A-425«-Alugabel (ab 1/2009 lieferbar) allerdings die gleichen hohen Anforderungen bestehen würde, war dann doch eine faustdicke Überraschung.

Es hat sich vielleicht noch nicht überall herum gesprochen, aber die Fahrradgabel ist das am höchsten belastete Bauteil des Fahrrads und verfügt zudem über keinerlei Redundanz. Sprich, wenn das Gabelschaftrohr oder eine Gabelscheide bricht, ist ein schwerer Sturz unvermeidbar.

Velotraum beauftragt Testinstitut EFBe mit Sicherheitstests

Eingedenk dieser Fakten legen wir sehr großen Wert auf sehr sichere Gabeln. Wir verlassen uns daher seit drei Jahren nicht mehr auf die Zusagen von Herstellern, sondern lassen externe Tests durchführen.

Dabei lassen wir sowohl auf statische Maximallast prüfen, wie eine Ermüdungsprüfung durchführen. Jeweils im anspruchsvollsten Top-Performance-Standard für Mountainbikes. Über die EFBe-Prüfstandards hinausgehend, wurden dann beide Gabeln noch mit dem Versuchsstandmaximum von 2.200 N (statt 1.800 N) belastet, denn schließlich geben wir bestimmte Rahmen wie den cross 7005 EX Plus bis 180 Kilogramm Systemgewicht frei.

Wir hatten beim Testauftrag nicht ansatzweise erwartet, dass eine Alugabel solchen Belastungen widerstehen könnte und wollten eigentlich nur wissen, wo die Grenzen der neuen Gabel sind. Schließlich wird Aluminium noch immer nachgesagt, nicht dauerschwingfest zu sein. Und als wir vor drei Jahren mit den Gabeltests begonnen hatten, hat es einige Anläufe benötigt, bis wir einen Gabelbauer gefunden hatten, der diese Anforderungen mit einer Stahlgabel erfüllen konnte…
Die große Überraschung war nun, dass die neue Velotraum-Alugabel diese wirklich sehr hohen Testanforderungen ebenfalls gemeistert hat – Wahnsinn.

Was bedeutet dieses Ergebnis nun für die Praxis? Sicherlich nicht, dass wir die Alu-Gabel nun für Systemgewichte von 180 Kilogramm freigeben. Denn es gibt in der Branche genügend Beispiele von Rahmen und Gabeln, die trotz hervorragender Testergebnisse in der Praxis dann doch gebrochen sind (Es seien hier nur die Stichworte Mikrorisse, Konstruktions-, Fertigungs- oder Werkstofffehler genannt). Aber eine Erhöhung des zulässigen Systemgewichts von 110 auf 130 Kilogramm für die überarbeitete Alugabel, scheint uns nun durchaus vertretbar. (Systemgewicht heißt: Fahrrad plus Fahrer plus Gepäck)

Das Plus an Sicherheit kostet Geld

Solche Tests kosten eine ganze Menge Geld – speziell bei kleinen Serien. Geld, dass sich viele Hersteller sparen und darauf hoffen und glauben, dass der Gabelbauer sein Handwerk schon versteht. Uns ist das bei einem so sicherheitsrelevanten Bauteil inzwischen zu wenig. Wir gehen davon aus, dass auch unsere Kunden dieses Plus an Sicherheit zu schätzen wissen und bereit sind den höheren Preis dafür zu bezahlen.

Kommentare

  1. B. Bernat am 10. Oktober 2008:

    Die Belastbarkeit und Sicherheit von Gabeln steht weiß Gott nicht im Fokus des Interesses, wenn’s um Fahrräder geht. Ich find es gut, dass Sie derlei externe Tests durchführen lassen, die Produkte die Tests bestehen und Sie Ihre Leser für diesen Nebenaspekt sensibilisieren.

    Dumm ist nur, dass ich mich jetzt, nach der Lektüre Ihres Artikels, unsicherer auf meinem Rädle fühle als zuvor. Ich hab nämlich eine fünf oder sechs Jahre alte Leicht-Gabel im Rennrad. ;-)

    PS
    Ihre Kundengalerie ist klasse, macht Spaß — wie ein kleiner Urlaub.

  2. Stefan Stiener von Velotraum am 12. Oktober 2008:

    Hallo B. Bernat,
    danke für den Zuspruch.

    Gott sei Dank kommen Gabelbrüche sehr selten vor. Wir hatten den letzten Bruch einer Velotraum-Gabel vor nun schon 10 Jahren und da ist der Anriss dem Kunden zuvor aufgefallen, so dass es zu keinem Unfall kam.

    Zu Ihrem Problem: Bei Leichtbauteilen empfehle ich gerne, sie spätestens nach 5 Jahren zu tauschen, je nach Kilometerleistung und Körpergewicht u. ä. Belastungskriterien. Das Risiko ist sicherlich nicht extrem hoch, aber auch ein kleines Risiko würde ich persönlich bei Bauteilen wie Gabel, Vorbau und Lenker unbedingt vermeiden.

  3. Jan W. am 15. Oktober 2008:

    Die pauschale Empfehlung Leichtbauteile nach 5 Jahren systematisch auszutauschen überrascht mich. Ist die »A-425«-Alugabel in diesem Sinn ein Leichtbauteil das nach Ablauf der 5-jährigen Garantie auszutauschen ist? Wie sieht es mit dem Syntace F139 Vorbau oder Syntace Duraflite 7075 Lenker aus? Letztere sind ja ganz sicherlich Leichtbauteile, auf die der Hersteller aber 10 Jahre Garantie gibt.

  4. Stefan Stiener von Velotraum am 15. Oktober 2008:

    Hallo Jan,
    ich hatte gehofft, dass meine Einschränkung, »je nach Kilometerleistung und Körpergewicht« den Hinweis darauf gibt, dass meine Aussage nicht als generelle Empfehlung zu verstehen ist. Bei pfleglicher Behandlung (z.B. sollte das Rad selten, besser nie, umgefallen sein) und normaler Belastung können seriös hergestellte Leichtbauteile auch zehn Jahre genutzt werden. Wer allerdings dauernd mit Vollgas und im Wiegetritt sein Fahrrad durch die Gegend wuchtet oder das Rad regelmäßig mit Zug, Bus und Flugzeug transportiert, der sollte sicherlich früher tauschen.

    Ich würde zudem so manche Herstellergarantie nicht zu hoch bewerten bzw. diese sehr kritisch betrachten. Zehn Jahre Garantie (von lebenslanger Garantie ganz zu schweigen) sind eine lange Zeit, länger als die Firmengeschichte manches Herstellers. Und nicht alle Hersteller mit solchen Garantieversprechen sind so um Seriosität bemüht wie z.B Syntace. Manche Garantieversprechen sind reines Marketinggeklingel.

  5. Jan W. am 16. Oktober 2008:

    Hallo,
    ich hatte das »spätestens« falsch verstanden. Volkommen einverstanden, daß Seriosität des Herstellers neben der Produktqualität eines der wichtigsten Kriterien ist. Gerade deshalb interessiere ich mich ja für Velotraum Räder.

  6. Chris K am 24. Mai 2011:

    Beim NDR wurde berichtet, dass Lenkerbrüche mit der Kombination Vorbau Stahl und Lenker Aluminium zusammenhängen können (wegen unterschiedlicher Ausdehnung bei Hitze. Ich habe eine solche Kombination und irgendwas knarzt ab und zu. Sollte ich den Lenker austauschen? Habe das Rad seit etwa 7 Jahren und wohne in Madrid, wo es im Sommer durchaus sehr heiss werden kann.

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/recht_verbraucher/alulenker101.html

  7. Andreas am 24. Mai 2011:

    Aus eigener Erfahrung: Ja, nach 7 Jahren (unabhängig vom Material) kann man sich mal einen neuen Vorbau und Lenker gönnen (wenn es denn nicht nur sporadisch bewegt wird und ansonsten trocken steht).

    Lenker und Vorbau müssen bei geringen Durchmessern und Wandstärken einiges an Belastungen wegstecken. Hinzu kommt, dass sie ständig dem aggressiven Schweiß ausgesetzt sind und natürlich auch von Witterungseinflüssen mürbe gemacht werden.

    Ich habe diverse Test in den letzten 10 Jahren verfolgt, hierbei erreichen nur wenige Hersteller die erforderlichen 100.000 Lastwechseln mit voller Belastung. Selbst Hersteller wie Syntace hatten Ausreißer dabei, wo das Bauteil bei knapp 80.000 Lastwechseln (noch immer ein sehr guter Wert) versagte. Auch wurde dabei festgestellt, dass es unerheblich war, ob es leichte oder schwere Lenker waren. Selbst schwerere Lenker versagten bei etwa 30.000 Lw. Einzelne Hersteller geben daher Wechselintervalle zwischen 2 und 5 Jahren an. Wobei ich 2 Jahre bei moderater Nutzung als sehr vorsichtig einschätze, zumal der Lenker im realen Betrieb nicht so stark wie z.B. von dieser Testmaschine belastet wird.

    Zu den Vorbauten kann ich berichten, dass es trotz fachgerechter Montage bei einigen Bauteilen gerade im Bereich der Fronteile ab und an zu Rissen der Frontplatte bzw. an den Vorbauschrauben gekommen ist. Hier hilft allerdings ein wachsames Auge. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einem Radsportkollegen empfohlen, seinen fast 10 Jahre alten Vorbau zu tauschen. Inzwischen hatte er leichten Sturz durch einen Fahrfehler, dabei ist der (Schaft)Vorbau ohne große Belastung in der Mitte entzwei gebrochen. Man stelle sich vor, das wäre beim Durchfahren eines Schlaglochs passiert.

    Noch mal etwas speziell zu Rennlenkern. Hier sollte man wenigstens 1 mal im Jahr das Lenkerband wechseln. Gerade bei modernen Lenkern aus 7075 Alu kommt es sehr schnell darunter zu Salzfraß. Bei einem Modell (3 T Forma SL schwarz eloxiert) durfte ich mir nach nicht mal 5000 km Nutzung extremen Salzfraß anschauen, als ich das Lenkerband entfernte. Selbst bei meinem Salsa Bell Lap Lenker konnte ich nach 2 Monaten Nutzung und 3700 km unterwegs, ersten Salzfraß entdecken.

    Lenker und Vorbau zu wechseln ist eine relativ kleine Investition (50 € ?) in besonders sicherheitsrelevante Bauteile. Wechselintervalle kann man natürlich nicht pauschalisieren, da stets die Geschichte der Bauteile relevant ist. Aber nach 7 Jahren bei halbwegs regelmäßiger Nutzung setzt du gewiss kein Geld in den Sand, wenn du die Teile auswechselst. Eher das Gegenteil ist der Fall, deine Gesundheit ist schließlich unbezahlbar.

  8. Chris K am 24. Mai 2011:

    Ok, danke für den Tip, und wie sieht es aus mit der Kombintation Stahl Gabel und Alu-Lenker? Sollte man da Bedenken haben wie vom NDR berichtet oder bezieht sich das nur auf die Kombintation Vorbau/Lenker?

  9. Andreas am 24. Mai 2011:

    Ich wüßte nicht, dass es mit Stahlgabeln und Aluvorbauten Probleme gibt.
    Eher ist der meist dünnwandige Gabelschaft nachgiebiger als der AluVorbau. Vorbauten mit Segmentklemmung (3T Forge Ahead) können allein bei der Montage den Gabelschaft in dem Maß deformieren, dass man Probleme hat sehr passgenaue Spacer (Syntace) noch über den den Gabelschaft zu bekommen. ( Alugabelschäfte sind nicht ganz so empfindlich.) Daher von meiner Seite Entwarnung.

    Mich würde aber interessieren, was Velotraum dazu meint.

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