Work in progress – ein Blick hinter die Kulissen

27. März 2017  |

Ein Schritt nach dem anderen. – So sprechen wir uns im Moment selbst Mut zu, angesichts eines besonders großen Bergs an Aufträgen.

Immerhin ist nun der erste und zweite Teil der sehnsüchtig erwarteten Rahmenlieferung eingetroffen. Trotz der kostspieligen und ambivalenten Luftfracht noch zwölf Wochen zu spät… – einer von vielen Gründen für den aktuellen Stau.

Immerhin ein Stau in Auflösung, denn auch die anderen Baustellen, wie fehlende oder fehlerhaft produzierte Komponenten, bekommen wir Stück für Stück in den Griff und können uns wieder auf die eigentliche Produktion konzentrieren.

Korrektur tut Not

Dennoch haben uns die letzten Monate und Wochen überdeutlich vor Augen geführt, dass wir »so« nicht mehr weiter machen können und wollen.

Velotraum als Ganzes ist damit freilich nicht gemeint, sondern selbst und vermeintlich von außen auferlegte Zwänge, die immer weniger mit der eigentlichen Produktqualität zu tun haben. Es ist vielmehr so, dass der alljährliche Neuheitenzirkus und die Erwartungen von und an uns, Trends und Modellwechsel möglichst schnell umzusetzen, einer nachhaltigen Qualität und Entwicklung im Wege stehen.

Für unser umfangreiches und tief gestaffeltes Portfolio ist das im Moment nicht mehr zu schaffen, zumal nur noch sehr wenige Hersteller in der Lage sind, zugesicherte Produkteigenschaften und/oder Liefertermine im ersten Anlauf einzuhalten. Ein Umstand, der bei uns einen permanenten Ausnahme- und Stresszustand generiert.

Im Moment die einzige Lösung aus diesem Dilemma: längere Produktzyklen und z.B. neue Komponenten erst dann ins Portfolio aufzunehmen, wenn sie vor Ort auf Herz und Nieren geprüft worden sind. Entschleunigung ist also das Eine, die andere Baustelle ist eine sinnvolle und leistbare Verfeinerung. Schließlich soll es uns nicht so ergehen, wie dem Edelbrenner Christoph Keller.

Der beste Velotraum aller Zeiten?!

Doch genug aus dem Nähkästchen geplaudert. Von den oben geschilderten Hindernissen und der Schwierigkeit passende Mitstreiter zu finden einmal abgesehen – der Velotraum-Himmel hängt voller Geigen ;-)

Mit unseren vier Fahrradwelten fühlen wir uns inzwischen so stimmig aufgestellt, wie noch nie in unserer Markengeschichte. Sicherlich, unser Ur-Produkt, das »Velotraum-Konzept« verliert seine herausragende Stellung, denn »Speedster«, »Finder« und auch das »Pedelec« gewinnen Anteile und Bedeutung. Eine durchaus von uns so angestrebte Entwicklung, denn unser Ziel sind vier gleichwertige Fahrradwelten, mit denen wir unseren Kunden sehr unterschiedliche Lösungen anbieten können.

Neue Rahmengrößen

Für optimale Lösungen spielt natürlich die Rahmenkonzeption eine überragende Rolle. Bei fünf Rahmenmodellen (VT900, VT1100, VT1300, SP200, FD100) haben wir eine Erweiterung in Richtung kleinere Größen vorgenommen, damit auch Menschen zwischen 160 und 170 Körpergröße die ganze Vielfalt unserer Fahrrad-Welten zur Verfügung steht.

Bei den Modellen VT900 und VT1300 haben wir zudem darauf geachtet, dass genügend Platz für den Neodrive-Akku vorhanden ist, also optimale Voraussetzungen für den Einsatz eines Nabenmotors.

Als Nachfolger für den VT300-Rahmen in der Größe »XXS« gibt es nun den VT1100 in »XS«, ein Rahmen für Leute zwischen 155 und 165 Zentimeter Körpergröße. Trotz einem »X« weniger, kann der Rahmen in jeder Beziehung mehr als sein Vorgänger. Die Rahmengeometrien gibt es hier: Velotraum-Konzept Rahmengeometrien.pdf.

Ergonomie-Potentiale

Eine wesentliche Voraussetzung für die Rahmenkonzeption ist unsere unablässige Auseinandersetzung mit dem Thema Ergonomie beim Radfahren. Wir lernen nicht nur in der täglichen Praxis mit unseren Kunden, seit einem Jahr sind wir Teil einer Erfa-Gruppe, die dieses Thema tiefer und umfassender ergründen möchte – insbesondere für den Nicht-Leistungssportler.

Ein bisher brachliegendes Potential haben wir dabei in unseren eigenen Reihen entdeckt. Unser »Minijober« Jörg Hoßfeld – ehemaliger Leistungssportler, Vater von drei kleinen Buben im Erziehungsurlaub und seit 20 Jahren Physiotherapeut – bringt eine praxisgerechte Expertise ein, die vielen Theorie- und Interessen-geprägten Ergonomie-und Bike-Fitting-Experten schlicht fehlt.

Pinion C-Getriebe

Mit großer Spannung haben wir die neuen C-Getriebe von Pinion erwartet. Inzwischen sind die ersten Räder gebaut sowie ausgeliefert, und wir sind von der erheblich preiswerteren Getriebe-Linie ebenfalls sehr angetan. Im eingebauten Zustand wirkt das pulverbeschichtete Magnesium-Druckgussgehäuse in keinster Weise »billig«, ganz im Gegenteil, es hat eine elegante und hochwertige Anmutung.

Was man daraus machen kann, zeigt das abgebildete Ausstellungsrad mit 27,5-Zoll-Laufradgröße im Format 50-584. Ein schöner, aufgeräumter und analoger Fahrradklassiker mit gerade mal 14,7 Kilogramm Gewicht und das in Reise- bzw. alltagstauglicher Ausstattung. Der Verkaufspreis beträgt, wie abgebildet, zirka 4.200 €. Nochmals 300 Gramm leichter wäre das Ganze mit Kojak-Reifen in 50-559 ;-)

Shimano Steps 8000

Ebenfalls deutlich verspätet sind die Steps 8000-Komponenten für den E-Finder eingetroffen. Kein echter Beinbruch, schließlich hatten wir bis dato auch noch keine Rahmen…. Jetzt ist alles zusammen und die Eingangsprüfung der Rahmen erbrachte nur beste Resultate. Alle Abmessungen – insbesondere die Motoraufnahme – passen perfekt und der Produktion steht nichts mehr im Wege.

Eine wichtige Unterstützung kommt dabei vom Deutschland-Importeur Paul Lange. Dank einer gründlichen Vorort-Schulung durch den Lange-Mitarbeiter und Steps-Experten Hilmar Kahl, sind wir nun hervorragend für diese neue Fahrrad-Dimension bei Velotraum gerüstet. Sowohl bei der Schulung, als auch bei der späteren Arbeit mit dem Steps-System überzeugt das System mehr denn je – zumindest nachdem wir unseren Mac-Rechnern beigebracht hatten, den E-Tube-Kit zu akzeptieren ;-)

Einen großen Unterschied zwischen den Serien-Motoren und unseren Vorserien-Modellen konnten wir nicht feststellen und haben wir auch nicht erwartet. Allenfalls etwas leiser und noch harmonischer ist das System geworden.

In jedem Fall freuen wir uns sehr darauf, in den nächsten Wochen die ersten E-Finder (und natürlich alle anderen vakanten Räder) auszuliefern.

Kommentare

  1. Ingo am 27. März 2017:

    Neuheitenzirkus – Das ist ein leidiges Thema.

    Mein Radel ist wirklich nicht so alt, wie es mir der Händler vor Ort einreden wollte. Das passende Verschleissteil hatte er nicht vorrätig. Die Komponentengruppe ist ausgelaufen und sei nicht mehr kompatibel.

    Dafür hat er fast nur noch E-Bikes und Rennräder in der Ausstellung. “Normale” Fahrräder verkauft er kaum noch, ausser für Kinder.

    Kaum zu glauben, wie schwer es geworden ist, für ein Fahrrad Ersatz- und Verschleissteile zu kaufen.

  2. Traum auf Velo am 27. März 2017:

    Ich bin froh, dass ich eine Allzweckrad von ehrlichem Konzept von Euch habe – zum Rennen, Bergfahren und Reisen. Wenn es in 10 Jahren auseinanderfallen sollte kauf ich eben ein neues. EIN neues. Und es darf gerne wieder auf dem veralteten Stand des Jahres 2016 sein…

  3. Björn am 28. März 2017:

    Vielen Dank für die interessanten Einblicke. Macht immer wieder Freude, hier mitzulesen und die stets gelungenen Aufnahmen anzuschauen.

  4. Florian am 28. März 2017:

    Das Licht mit Strom aus dem Akku lässt sich nur aus dem Menu heraus ein- und ausschalten. OK.
    Wäre es denn eine Option das Licht im Menu permanent einzuschalten und auf die SON-Automatik zu vertrauen? Oder eben von Hand am Scheinwerfer ein- und auszuschalten (trotz Menu-Dauerlicht)?

  5. Henning am 28. März 2017:

    Gibt es eigentlich noch aktuell passende Federgabeln zum Velotraumkonzept?

  6. Stefan Stiener von Velotraum am 28. März 2017:

    @ Florian,
    offensichtlich geht genau dies nicht. Die fürs Steps geeigneten Scheinwerfer haben weder Sensor- Technik noch einen Ein/Ausschalter. Immerhin geht auch das Licht aus, wenn man das System ausschaltet ;-)

    @ Henning,
    Ja sicher, die wunderbare Magura TS6, allerdings nur noch für Scheibenbremsen. Magura fertigt leider keine Gabel mehr für Felgenbremsen.

  7. RD am 29. März 2017:

    Liebe Veloträumer,
    alles prima, doch Lieferzeitverzögerungen von 12 Wochen, trotz Luftfracht akzeptiert nur der Radler. Nehmt Euch ein Beispiel an einem Mitglied Eurer “Erfa-Gruppe” (Jochen von Patria). Dort produziert man die Rahmen selbst und man kann pünktlich liefern.
    Ansonsten ist Euer Konzept stimmig – weiter sol.
    VG
    RD

  8. I.Nsider am 29. März 2017:

    @ RD,
    »Dort produziert man die Rahmen selbst und man kann pünktlich liefern« – ich erinnere mich an eine Situation vor ein paar Jahren, da ist ein Rahmenbauer bei Patria ausgefallen und die Liefertermine sind auch dort davon galoppiert. Ich sehe darin auch kein wirkliches Problem, solange offen und ehrlich kommuniziert wird.

    Und »akzeptiert nur der Radler«?! – Ich sage nur: Flughafen Berlin, Elb-Philharmonie, Airbus…

  9. Stefan Burtscher aus Österreich/Vorarlberg am 29. März 2017:

    Ich hätte für Sie noch eine Federgabel von Magura für Felgenbremsen (HS33);
    Die Gabel ist in einem super Zustand – “Magura Odur” – von Velotraum lange gepriesen;
    Bei Bedarf einfach melden!

  10. Jürgen aus Sifi am 29. März 2017:

    Zeugen lange Lieferzeiten nicht auch von Qualität – man erinnere sich noch an die Zeiten, als Daimler (als Schwabe sage ich Daimler) echte Qualität lieferte – das waren Lieferzeiten und man nahm doch gerne 1/2 Jahr und mehr in kauf….. was sind da 12 Wochen für ein Rad aus der Daimlerstraße?

  11. RD am 30. März 2017:

    @I.Nsider;
    wann soll das bei Patria gewesen sein? In den letzten vier Jahren habe ich dort einige Räder gekauft, die wurden immer pünktlich geliefert. Klar der Faktor Mensch spielt natürlich immer eine Rolle. Aber sich vom fernen Osten derart abhängig zu machen, dass 12 Wochen Lieferzeitverspätung einfach hingenommen werden müssen, zudem noch teure Luftfracht bezahlt werden muss, um überhaupt etwas zu bekommen. Da kann man schon von verkehrter Welt sprechen. Ich würde auf jeden Fall keine 12 Wochen Verzögerung akzeptieren, weder geschäftlich noch privat.
    Das mit den Großprojekten mit entsprechender Verzögerung, Kostenexplosion etc. geht nur bei Staatsunternehmen.
    In diesem Sinne, weiterhin viel Freude beim Radeln.
    RD

  12. Stefan Stiener von Velotraum am 30. März 2017:

    @ RD

    »sich vom fernen Osten derart abhängig zu machen«. Abhängigkeiten sind in einer arbeitsteiligen und globalisierten Welt unvermeidbar, bieten viel Vorteile und Verzögerungen sind nicht unbedingt länderspezifisch.

    Dazu ein aktuelles und konkretes Beispiel: seit vier Monaten warten wir auf ein für Dezember 2016 versprochenes Schutzblech-Muster (für den Finder) des sauerländischen Marktführers. Im Moment kann man uns weder einen Liefertermin für das Muster, geschweige denn einen Produktionstermin für die Serienprodukte nennen. Allerdings gibt es zu diesem Hersteller – mit dem wir ansonsten sehr zufrieden sind und gerne zusammenarbeiten – keine Alternative….

    Mit diesem »Schicksal« sind wir jedoch nicht allein, dies ist die tagtägliche Realität von KMUs wie Velotraum und damit müssen wir einfach klarkommen.

  13. Jörg aus Lubu am 30. März 2017:

    Zu DM-Zeiten gab es bei VT, wenn ich mich recht entsinne, 4 Farben zur Auswahl. Ganz nach dem Motto „Sie können einen Ford in jeder Farbe haben – Hauptsache er ist schwarz” wurde es bei mir schwarz und ist es bis heute ;-)
    Individualität hat ihren Preis und das allgegenwärtige just in Time beschert uns vieles, nicht unbedingt Nachhaltigkeit. Wenn ich mir also in aller Ruhe mein Traumrad für die nächsten 15 Jahre aussuche – individuell bis dort hinaus – dann darf, ja muss es eigentlich auch eine Weile dauern.
    By the way, wie wärs mal mit einer Serie Editors choice, bis auf die Anpassung von Lenker, Vorbau + Sattel fix?

  14. Seidel am 31. März 2017:

    Bei den (End) Preisen ist keine Rahmenfertigung in D, Polen, Tschechei möglich? Ich bezweifle das. Bezieht man die zusätzlichen Kosten für Reisezeiten, Kommunikation, Transport, entgangener Umsatz, erhöhte Mitarbeiter Belastung etc.. mit ein, dann sieht die Rechnung vielleicht anders aus. Zudem geht Know-how verloren. Aber eine gewisse Mindeststückzahl braucht es wohl schon….
    Schade dass ich nicht dünne Alurohre schweißen kann.

  15. Stefan Stiener von Velotraum am 31. März 2017:

    @ Seidel,
    eine Produktion in Deutschland haben wir in kleinem Stil und mit nicht zufriedenstellenden Ergebnis versucht; die Rahmenproduktion in Tschechien mussten wir zugunsten der Fertigungsfähigkeiten und der Qualität nach Taiwan verlagern.

    Allerdings würden wir sofort die Rahmen in der EU oder DE produzieren lassen, wenn wir hier vergleichbare Möglichkeiten anfinden würden. Damit sind gemeint: Qualität, Fertigungsprozesse, überschaubare Stückzahlen, ein handhabbarer Preis und Liefertreue ;-)

    Wie man sieht begleitet uns dieses Thema nun schon seit zehn Jahren und wird es auch weiterhin tun. Vielleicht ist ja unter den Lesern ein zukünftiger Gründer, der sich der Herausforderung, Fahrradrahmen-Produktion in DE, annehmen möchte.

    Wahrscheinlich kommen nun noch die Hinweise auf Nicolai usw.. Dazu sei nur angemerkt, dass meines Wissens keine der Rahmenproduktionen in DE vom Rahmenbauer lebt, sondern dies immer Nebengeschäftsfelder sind.

  16. Ralf aus Hannover am 1. April 2017:

    Für die Nutzung ist es unwichtig, wo der Rahmen zusammengbraten wurde. Problem dürften die vielen verschiednen Varianten in verschiedenen Größen, z.T. noch als Damenversion, und das auch noch in verschiedenen Farben sein. Das multipliziert sich zu einer riesigen Variantenzahl, auch wenn man erst nach Auftrag pulverbeschichtet. Dadurch kommt es zu diesen unattraktiven kleinen Stückzahlen. Ich finde es ziemlich unverständlich, daß ähnliche Konstruktionen, wie Pinion und Bosch-Motor, unterschiedliche Adaptierungen verwenden. Vielleicht könnten sich Fahrradhersteller da besser organisieren und einen Vorschlag für eine einheitliche Lösung machen.

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