26 Zoll versus 28 Zoll

Das Fahrrad und die Fahrradbranche leben auch von den Mythen und Legenden um Mensch und Mate­rial. Doch mit dem Einzug von Wissen­schaft und Forschung löste sich nicht nur der Mythos vom sauberen Sportler in Wohlgefallen auf, auch dem Mythos vom »weich gefahrenen Rahmen« (prima Argu­ment für ein neues Rad) machte der E-Modul (eine Material­konstante) den Garaus.

Bei den Reifen

machte der Labor-Prüfstand dem »je-schmäler-und-härter-desto-schneller-Mythos« ein Ende. Denn bei Reifen identischer Machart rollt der breitere Reifen leichter. Eine echte Überraschung, die im scheinbaren Wider­spruch zum eigenen Empfinden steht. Erst die nachge­reichte Theorie über die kürzere Walk­zone des breiten Reifens liefert die Erklärung.

Obwohl auch wir zu den Befür­wortern breiter Reifen gehören, wollen wir klarstellen, dass die allgemeine Testpraxis nicht der Fahrpraxis entspricht. Denn die Reifen werden alle mit dem selben Luftdruck getestet. Dabei ist ein breiter Reifen bei gleichem Luftdruck immer praller als ein schmaler Reifen. Ein praller, dicker Reifen rollt zwar schön leicht, ist aber hart wie ein Brett. Für den Federungs­komfort des Reifens ist nicht der Luftdruck veranwortlich, sondern die Oberflächen­spannung. Und 4 Bar Luftdruck bewirken bei einem 60 Millimeter breiten Reifen die doppelte Ober­flächen­­spannung wie bei einem 30 Millimeter breiten Reifen. Sprich, bei praxis­gerechtem Luftdruck sind die Rollwiderstände wahrscheinlich vergleichbar.

Viel klarer scheint da der Sachverhalt bei der Laufradgröße zu sein: je größer der Radius, desto geringer der Rollwiderstand. Das lässt sich schon aus der Formel für den Rollwiderstand ableiten. Allerdings rollen wir nicht auf Formeln, sondern auf Reifen und diese entziehen sich allen vereinfachten Rechen­künsten. Und so bleibt genügend Raum für Spekula­tionen und interessengefärbtes Wunschdenken.

Die Zeitschrift »RADtouren« wollte es im März 2005 genauer wissen und ließ beim Reifen­her­steller Schwalbe einen Testlauf mit 26- und 28-Zoll-Reifen durchführen. Zur Verblüffung aller Be­teiligten ergab der Test einen überraschend großen Un­ter­schied: Die 28-Zöller hatten einen bis zu 20 Prozent geringeren Rollwider­stand. Ein Wert, der in deutlichem Widerspruch zu unseren Erfahr­ungen und Aussagen stand. Auch die Tester hatten keine Erklärung für dieses unerwartete Ergebnis.

Nachdem dieses Ergebnis in der RADtouren 5/2005 erstmals in der Fachpresse Veröffentlicht wurde, konnten wir Schwalbe davon überzeugen, einen weiteren Test mit dem neuen »Marathon« und »Marathon Racer« durchzuführen. Denn von diesem Reifentyp gibt es technisch identische Reifen in 26 und 28 Zoll Größe.

Die Messergebnisse

Resümee

Die Unterschiede im Rollwiderstand zwischen 26 und 28 Zoll sind vernachlässigbar. Generell rol­len breite Reifen besser, sind aber schwerer und benötigen – je nach Terrain – mehr Energieaufwand vom Fahrer (ein Grund, warum Tour-de-France-Profis 23 bis 25 Millimeter breite Pneus fahren).

Das Duell der Laufradgrößen wird also nicht über den Rollwiderstand entschieden, sondern über die anderen, grundlegenderen Eigenschaften wie: Gewicht, Lauf­rad­sta­bilität, Reifen­vielfalt, Rahmen­design und Fahr­eigen­­­schaf­ten. Weiterführende Informationen finden Sie hier .