Warum unsere Messmaschine eine Ergonomiemaschine ist

Mindestens 60 Prozent der Radler sitzen falsch auf dem Rad. Das kann jedermann allerorten beobachten. Die Mehrheit fährt Räder, die entweder gar nicht oder falsch an individuelle Bedürfnisse angepasst wurden. Abhilfe tut Not.

An erster Stelle steht

beim Fahrradkauf meist die völlig be­rech­tigte Frage nach dem »richtigen« Fahr­rad. Es macht schließlich einen erheblichen Unter­schied, ob Sie ein Rad für die flotte Feierabendrunde oder eine mehrmonatige Rad­reise benötigen. Über den ganzen technischen und funktionalen Abwägungen wird in aller Regel die mindestens gleichwertige Frage nach der richtigen Passform kaum gestellt oder unbeantwortet gelassen.

Dabei gibt es beim Fahrrad noch nicht einmal so etwas wie eine Konfektionsgröße wie beim Hosenkauf, die einem helfen könnte, das passende Fahrrad zu finden. Beim Fahrrad gibt es nur die sogenannte Rahmen­größe, die Auskunft darüber gibt, wie lang das Sitzrohr des jeweiligen Rahmens ist. Eine Größe, die allenfalls als grobe Orientierung für die Passform gelten kann, zumal jeder Hersteller die Rahmenhöhe anders misst und bei Rahmen mit abfallendem Oberrohr führt die Rahmenhöhe völlig in die Irre (die in der Anpassungspraxis wichtigen Größen sind zudem die Rahmen- sowie Steuerrohr­länge). Daher ist die nach der Körpergröße oder der Schrittlänge per Faustformel »berechnete« Rahmengröße kein Garant für die richtige Passform des Fahrrads, sondern lediglich ein grobes Orientierungsmaß.

Bei der Passform greifen so unterschiedliche Faktoren wie Arm- und Beinlänge, allgemeine Fitness, Beweglichkeit, persönliche Vorlieben, Lenkerform, Einsatzzweck und körperliche Beschwerden in komplexer Form ineinander. Es ist ebenso unmöglich wie absurd, so viele Variablen in eine einfache Faustformel zu packen.

Dabei ist die individuell richtige Haltung auf dem Fahrrad unabdingbar für den Fahrspaß, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Denn nur eine individuell richtig eingestellte Sitzposition ermöglicht ein effizientes und somit kräfte- und gelenkschonendes Radfahren. Viele Wehwehchen wie Kniebeschwerden, Rücken­pro­bleme, Verspannungen usw. können durch eine falsche Sitzposition verstärkt oder ausgelöst werden. Zwar gilt Radfahren zurecht als gelenkschonend und kann, auch bei orthopädischen Pro­blemen, bis ins hohe Alter betrieben werden. Doch auch das Fahrrad hält genügend ergonomisch-orthopädische Fallstricke bereit, die bei intensiverer Nut­zung bestehende Beschwerden verstärken oder gar neue Beschwerden schaffen können. Damit das Fahrrad sein wunderbares Potential als Mobilitäts-, Sport- und Erlebnisvehikel ausspielen kann, muss man diese Fallstricke umkurven.

Inzwischen haben Hersteller wie Händler erkannt, dass es auf diesem Gebiet ge­waltigen Nachholbedarf gibt. Doch tut sich eine Branche, die in erster Linie mit technisch »harten« Fakten ihre Ware an den Mann respektive die Frau bringt, generell schwer mit diesen eher »weichen« und subjektiven Anforderungen. Und so beschränken sich die Angebote auf ergonomische Insellösungen, wie einem speziellen Sattel, Lenker oder Lenkervorbau.

»Jede noch so ergonomische Haltung wird zu Problemen führen, wenn sie dauerhaft eingenommen wird« (1)

Quadrichon

Weitaus professioneller und zielführender erscheint da der Lösungs­ver­such, Schritt-, Arm- und Rumpf­länge des potentiellen Radlers zu ermitteln, anhand derer per EDV-Pro­gramm oder Tabellen, die Pass­form »errechnet« wird. Soweit so gut. Doch leider steckt nicht nur ein ge­walt­iges Fehler­potential in der Ermit­tlung der korrekten Maße, egal ob dies manuell oder – besonders eindrucksvoll – per Laser und »berührungslos« (Zitat) geschieht.

Ein Nachteil dieser Systeme ist, dass die angewendeten Rechen­formeln mehr oder weniger fundiert sind und – wenn überhaupt – auf einer viel zu kleinen oder fragwürdigen Datenbasis beruhen.

Ein weiterer Nachteil liegt in der Tatsache begründet, dass die Bein- und Rumpf­muskulatur aktiv sein muss, um eine Sitzposition beurteilen zu können (daher sind auch einfache Messmaschinen ohne Tretwiderstand keine optimale Lösung).

Der größte und wichtigste Nachteil ist jedoch, dass Sie weder verschiedene »Pass­formen« testen können, noch dass Sie von diesen Systemen gefragt werden, wie Sie sich dabei jeweils fühlen. Subjektive menschliche Bedürf­nisse in eine harte Formel zu pressen – ein sinnloses Unterfangen, denn, »die richtige Haltung gibt es nicht« (1).

Die Lösung des Problems heißt »Mess­maschine«. Hier spielt Velotraum wieder einen Trumpf aus! Ent­fernt ähnelt das von Velotraum entwickelte Gerät einem Home­­trainer, an dem alle geometrie- bzw. anpassungsrelevanten Parameter eingestellt und Probe geradelt werden können. Zunächst wird die richtige Sattel- oder Sitzhöhe eingestellt. – Übrigens die einzige Einstel­lung, für die es ein für alle Radler verbindliches Vorgehen (per Fersen­maß) gibt. Ab dann wird es sehr individuell. Aus­gehend von der ermittelten Sitzhöhe wird, je nach Einsatzbereich, eine erste, sehr grobe Sitzpostion eingestellt. Dann werden systematisch verschiedene Lenker­posi­tionen, Lenker­formen, Lenker­griffe und Sättel durchprobiert bis alles zusammenpasst, also die individuelle Wohl­fühl­situation gefunden ist. Das hört sich zwar recht simpel an, tatsächlich wird aber bei dem Vermaßungsprozess ein ziemlich komplexer Vorgang per »Versuch-und-Irrtum-Methode« bewältigt (ähnlich wie beim Augenarzt oder Optiker, der die abschließende Feinanpassung der Brillenstärke per manueller »Besser-oder-Schlechter?-Methode« ermittelt). Dabei ist die aktive Mitarbeit des Kunden nicht nur erwünscht, sondern unabdingbar. Denn nur das gleichwertige Miteinander von Berater und dem in sich hinein hörenden Kunden lässt das gewünschte Resultat entstehen. Dazu gehört auch das Vertrauen in den versierten Berater, wenn dieser eine Sitzposition empfiehlt, die zunächst als unbequem empfunden wird, denn gute Sitzpositionen sind nicht nur individuell, sondern in aller Regel »anstrengend bequem« (2).

Das ergonomische Dreieck

Ergo-Dreieck

Die Positionen von Pedal, Sattel und Lenker stehen in enger wechselseitiger Beziehung und können nur als Einheit erfasst und festgelegt werden.

Die so im Miteinander gefundene Sattel-, Lenker- und Pedalposition ergeben das »ergonomische Dreieck«. Mittels passender Rahmenhöhe, Gabelschaftlänge, Vorbau­länge und -winkel, Lenkerbreite usw. wird dieses Dreieck 1:1 auf das neue Fahrrad übertragen. Wir achten freilich auch darauf, dass die gewählte Rahmengröße sowie die Gabelschaftlänge möglichst noch Spielraum lassen für spätere, kleinere Verände­rungen der Sitzpostion.

Nun macht ein Dachshaar­pinsel noch keinen Picasso und eine Messmaschine im Fahrrad­geschäft ist leider noch kein Garant für eine individuell richtige Anpas­sung. Erst in den Händen von erfahrenen und ge­schulten Fachkräften entfaltet die Ver­maßung mittels Mess­maschine ihr volles Potential. Deshalb führen wir regelmäßige Schul­ungen unter der fachkundigen Anweisung eines renommierten Physio­thera­peuten durch.

Es steckt also eine ganze Menge an finanziellem und zeitlichem Engagement in dem Komplex Mess­maschine. Daher erheben wir eine Schutzgebühr für die Ver­maß­ung von 50 Euro, die beim Fahrradkauf komplett angerechnet wird.

Fazit

Wer in hochwertige Fahrrad­technik investieren möchte, sollte die gleichen An­sprüche an die per­sönliche Anpassung stellen. Denn nur so ist garantiert, dass der Paarung Mensch und Fahrrad Flügel wachsen.


(1) Prof. Froböse, Leiter des Projekts Wellcom, Sporthochschule Köln
(2) Juliane Neuß, RADWELT 2/2005