Neue Wege gehen

Sommer 1977.

Ein junger Blondschopf trägt für 15 Tage das Gelbe Trikot der Tour de France und wird so zum Aus­löser für den ersten Fahrradboom der Nach­kriegs­­zeit in Deutsch­land. Auch der Schreiber dieser Zeilen kaufte sich in dieser Ära sein erstes »richtiges« Fahr­rad – einen Halbrenner von Motobecane.

Was ist ein gutes Fahrrad – für mich?

Allerdings machte nicht nur der »Didi-Thurau-Boom« bald schlapp, auch der Halbrenner schwächelte nach den ersten Touren. Offen­sicht­lich waren weder die Zeit noch die Technik reif, um die Men­schen dauerhaft für den Drahtesel zu begeistern. Das gelang erst dem Moun­tainbike Ende der Neunziger Jahre. Hier stimmte, für damalige Verhältnisse, einfach alles: Technik, Image und Lebensgefühl. Und während nach dem ersten Fahrrad­boom die Räder in Garagen und feuchten Kellern ihrem Exitus entgegen rosteten, gehört das Fahrrad heute mehr denn je zum Lebens­gefühl der Menschen.

Mit dem Stellenwert des Fahrrads sind Ansprüche, wie auch Angebot gewachsen und so lautet die wichtigste Frage für den potentiellen Fahrradkäufer: Was ist ein gutes Fahrrad – für mich?

Fahrrad-Konzepte statt Modelle

Wir bei Velotraum beschäftigen uns seit knapp 30 Jahren mit dieser Fragestellung und haben dafür über die Jahre andere Lösungen gefunden, als das Gros unserer Mitbewerber. Statt einer Vielzahl von Fahrradmodellen und -Kategorien finden Sie bei Velotraum vier aufeinander abgestimmte Fahrrad-Konzepte.
Der Konzeptgedanke ermöglicht es grundlegende Ausstattungsmerkmale, wie Rahmen, Schaltung, Bremsen, Lenkerform usw., exakt auf die Anforderungen und Wünsche unserer Kunden abzustimmen. Dreh- und Angelpunkt aller Velotraum-Räder sind vier sorgfältig auf einander abgestimmte Säulen, die in einer vielfältigen Wechselwirkung stehen:

  1. Das Reifenformat in 26 oder 27,5 Zoll
  2. Anpassung mittels Messmaschine
  3. Rahmen- und Gabeldesign
  4. Die individuelle Ausstattung

Welches Potential in dieser vergleichsweise simplen Grundstruktur stecken sollte, war uns am Anfang noch nicht im vollen Umfang bewusst. Über die Jahre sind mit und aus dieser Struktur vier sehr eigenständigen Fahrrad-Konzepte entstanden.

Velotraum-Konzept

Angefangen hat alles 1993 mit dem velotraum-konzept, das nicht nur das älteste, sondern auch mit großem Abstand das wichtigste und umfangreichste der vier Konzeptlinien mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten ist.

Speedster

Die erste Erweiterung bzw. Ableitung aus dem Velotraum-Konzept erfolgte 2001 mit dem Speedster. Weniger Gewicht und die Beschränkung auf den Rennlenker und die Kettenschaltung sind die wichtigsten Merkmale.

Pilger

Mit dem Touren-Fatbike Pilger schufen wir 2013 eine Erweiterung, des im physischen wie metaphysischen per Fahrrad Erfahrbaren. Ganz nebenbei waren wir die Ersten, die in Europa ein wirklich tourentaugliches Fatbike auf die Räder stellten.

Finder

Der Finder schließt die Lücke zwischen Velotraum-Konzept und Pilger, ein 2016 kreiertes Fahrradkonzept, dass voll und ganz auf das Reifenformat 27,5-Plus zugeschnitten ist.

Unser Erfolgskonzept

Mittlerweile haben sich Velotraum-Fahrräder (seit den zaghaften Anfängen anno 1993), von verschiedenen Fachzeitschriften immer wieder aufs Neue getestet und hochgelobt, eine respektable regionale und überregionale, sogar internationale Fangemeinde erarbeitet. Soviel Bestätigung und Erfolg freut, motiviert und verpflichtet. – Schön und gut, doch warum kann ein kleiner Hersteller wie Velotraum bessere Räder bauen (im Sinne von passender) als renommierte, große Firmen? – Ein paar Erklä­rungsversuche:

In Großserienproduktion ist etwas Vergleichbares nicht umsetzbar! Die Großen der Branche unterliegen anderen Zwängen bei der Planung, der Fertigung und auch beim Einkauf (Preis kommt vor Qualität). Der kleinere Fahrradmanufaktur-Maßstab macht uns flexibel und ermöglicht spürbar mehr Kundennähe, denn Qualität ist bei genauerer Betrachtung immer auch individuell und in hohem Maße das, »was der Kunde braucht und möchte«.

Partnerschaft und Augenhöhe

Ein kundenspezifisches Qualitätsprodukt, wie ein individuell angepasstes Fahrrad, benötigt Gespräche, Dialog, Verantwortung, Respekt, Freude an der Sache und zwar auf beiden Seiten des Geschäftes. Wir haben uns daher grundlegend von der Vorstellung verabschiedet, man könne das, was dem Kunden gefällt und passt, ohne sein Zutun erledigen. Das Fahrrad ist geradezu prädestiniert für diese Art der Teilhabe. Denn bei keinem anderen Fahr­zeug sind die Anforde­rungen hinsichtlich der Ergonomie als auch der Nutzungsvielfalt derart breit gestreut. Auf der anderen Seite bietet moderne und hochwertige Fahrradtechnik tatsächlich die Möglichkeit sehr differenziert auf unterschiedlichste Anforderungen zu reagieren.

Handwerkliche Unikate

Jedes »Velotraum-Rad« wird vor Ort aus über 300 Einzelteilen in Hand­arbeit gebaut. Selbst die Vorbereitung der Rahmen, wie das Ausreiben und Planfräsen der Lagersitze, das Nachschneiden der Gewinde ist reine Handarbeit. Ebenso der Laufradbau – inzwischen ein eigener, komplexer Spezialistenjob – wird aus Qualitätsgründen im Haus gemacht.

Abgesehen von den Laufrädern wird jedes Rad von nur einem, sein Handwerk beherrschenden, Mitarbeiter montiert und von einem Kollegen geprüft. Diese zunächst archaisch anmut­­ende Produktion hat sich über die Jahre als die qualitätsvollste und effektivste Methode für den Bau von Fahrradunikaten erwiesen.
Apropos Qualität. – Speziell im Premiumbereich wird gerne und großzügig mit »Perfektionsversprechen« geworben. Für uns ist Perfektion ein ungeeigneter Maß­stab für menschliche Arbeit. Denn Perfektion schließt selbst die kleinsten Abweichungen und Fehler aus. Diesem Anspruch kann auch die sorg­­fältigste Arbeit niemals gerecht werden. Man spricht nicht umsonst vom Perfektions­­­wahn, einer un­men­sch­lichen, unzufrieden und unglücklich machenden Obsession. Der eigentliche Wert unserer Fahr­räder liegt in der Ver­bind­ung von Individualität, Qualitätsstreben und dem Selbstverständnis, »eine Arbeit ihrer selbst Willen gut zu machen«.