»Speedhub«: Bernd Rohloffs 14-Gang-Nabenschaltung
David gegen Goliath.
Der Kampf kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man über Bernd Rohloff und seinen Geniestreich, die 14-Gang-Nabenschaltung »Speedhub«, sinniert. Wobei hier, um im Bild zu bleiben, »David« (Barbara und Bernd Rohloff) dem »Goliath« (Radindustrie) den Fehdehandschuh ins ignorante, selbstgefällige Gesicht warf. Wie ein Angriff wirkte 1996 Rohloffs Ankündigung, eine 14-Gang-Nabenschaltung herstellen zu wollen. Rohloff hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt einen Namen als qualitätsbesessener Ertüftler von besonders haltbaren und geschmeidigen Fahrradketten gemacht, die er auf seinem selbstkonstruierten »grünen Monster« fertigte. Die Qualität dieser Ketten überzeugte sogar die italienische Nobelmarke Campagnolo. Somit wurden Rohloff-Ketten eine Zeit lang dadurch geadelt, dass sie Campa-Gruppen zieren durften.
Zurück zur Speedhub: Rohloffs Ankündigung wirbelte viel Staub in der Fahrradbranche auf, wobei die Reaktionen von amüsiert-mitleidigem Belächeln bis zu »völlig verrückt geworden« reichten. Auch wir schüttelten ungläubig den Kopf.
Immerhin waren zuvor ausgewachsene Konzerne wie Fichtel&Sachs (mit jahrzehntelanger Nabenschaltungserfahrung) an der zeitgemäßen Umsetzung einer ähnlichen Nabe gescheitert. Die Herstellung der 12-Gang-Nabenschaltung von F&S wurde schon vor langen Jahren sang- und klanglos eingestellt. Und die Rohloffs wollten die F&S-Nabe nicht nur um zwei Gänge übertreffen, ihre Speedhub sollte wesentlich leichter, robuster und bedienungsfreundlicher sein. Das eigentliche Ziel der Rohloffs war es jedoch, nicht nur die beste Nabenschaltung herzustellen, sondern die beste Fahrradschaltung überhaupt. Und somit wollten sie dem Weltmarktführer Shimano mit seinen unbestritten hervorragenden Kettenschaltungen die Stirn bieten. – Wie schon gesagt: David gegen Goliath.
1997
| Als den großen Worten keine Taten, sprich Naben, folgten wurden schon die ersten Nachrufe auf die Mannschaft um Barbara und Bernd Rohloff verfasst. Kaum jemand glaubte noch an die Realisierung des 14-Gang-Nabenschaltungsprojekts Speedhub.
1998
| Allen Unkenrufen zum Trotz präsentierte Rohloff die ersten funktionstüchtigen Naben. Allerdings verharrte die Branche, trotz einiger wohlwollender Tests, in ihrer Reserviertheit. Auch wir hatten Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit sowie Nachhaltigkeit der kostspieligen Nabe. Zudem störten uns die seinerzeitigen Bastellösungen für Schaltzugverlegung und Momentabstützung.
1999
| Die Familie Keller aus Wangen im Allgäu, langjährige Velotraum-Kunden und Pionierkäufer des »velotraum-trekking-konzepts«, wünscht einen Umbau ihrer Velotraum-Räder auf Rohloff Speedhub. Erstmals konnten wir uns nun ausführlich von den Qualitäten der Speedhub überzeugen. Allerdings störte uns die Geräuschkulisse in den unteren sechs Gängen und nach wie vor die Anbringung von Schaltzügen und Momentstütze.
2001–2002
| Nach einer Interimslösung (mittels Adapterplatte wurde das cross 7005 Rohloff-tauglich) entschlossen wir uns im Herbst 2001 einen ersten eigenen Speedhub-Rahmen zu konstruieren.
2003
| Als einer der ersten europäischen Fahrradhersteller verwenden wir einen Exzenter im Rahmen und machen so den Einbau und die Handhabung der Rohloff nochmals einfacher und runder.
2009|10
| Inzwischen sind sieben Velotraum-Rahmen für diese geniale Nabe ausgelegt.
Eingebunden in das Velotraum-Konzept lassen sich seither kleine fahrradtechnische Wunderwerke verwirklichen, die in eine neue Dimension hinsichtlich Wartungsarmut und Alltagstauglichkeit vorstoßen. Besuch bei Rohloff in Kassel.
Speedhub – leider teuer
Ein technisches Kleinod wie die Speedhub hat – zumal in kleiner Serie produziert – ihren Preis. Ja, er ist hoch, aber dennoch angemessen. Für Fahrradhersteller verschärft sich die Preisproblematik nochmals, da Rohloff keine wirklichen Erstausrüsterpreise für Hersteller anbieten kann. Auch wenn dem einen oder anderen der Mehrpreis als zu hoch erscheinen mag, er müsste eigentlich noch höher sein, wenn man die normalen Kalkulationsfaktoren zugrunde legen würde.
Wissend, dass »Geld nicht alles, aber ohne Geld alles nichts ist« wollen wir noch einen zutiefst subjektiven Faktor ansprechen und mit einer Legende aufräumen. Auch wenn es das Rohloff-Team nicht so gerne hört – eine Rohloff-Nabe rechnet sich nur in den seltensten Fällen. Damit mag zwar der eine oder andere die Investition vor sich und anderen rechtfertigen können, alleiniger Kaufgrund für eine Speedhub sollte die Wirtschaftlichkeit aber nicht sein. Denn die Rohloff-Nabe ist viel mehr. Sie ist Sinnbild für geniales und konstruktives Querulantentum, sie ist mechanisches Fanal im elektrotechnischen Beliebigkeits-Kaufhaus und Metall gewordener Lebenstraum – kurzum ein Stück Lebensgefühl und -ausdruck. Und wer kann und möchte so etwas schon in Euro und Cent messen….
Preise, Austattungs- und Wahlmöglichkeiten entnehmen Sie bitte dem Pdf-Infoblatt zum Velotraum-Baukastensystem.


















