II. Die Laufräder

Die zweite konzeptionelle Säule wird von den Laufrädern, genauer gesagt, den 26-Zoll-Laufrädern, gebildet. Diese beim Mountainbike übliche Laufradgröße zeichnet sich durch eine ganze Reihe von Vorteilen aus.

Stabilität.

Infolge des fünf Zentimeter kleineren Durchmessers gegenüber 28 Zoll, sind 26-Zoll-Laufräder um zirka 30 Prozent stabiler. Dafür verantwortlich ist das dichtere Speichengeflecht und der günstigere Winkel der Speiche zur Felge. Mit der Stabilität steigt freilich auch die Haltbar­keit, da Speichenbrüche infolge von Mate­ri­al­ermüdung praktisch ausgeschlossen sind. Erst bei den Belastungen einer Rad-Welt­reise oder Fahrergewichten über 110 Kilogramm kommen unsere Standard-Lauf­räder an ihre Grenzen. Doch auch hier zeigen sich die Vorteile von 26-Zoll-Lauf­rädern, denn sogenannte Downhill-Felgen widerstehen auch solcherlei Belas­tungen. Bestechend ist auch das Leichtbau-Poten­tial der 26-Zöller, denn schon 400 Gramm leichte Felgen ermöglichen stabile und belastbare Laufräder. Mehr zum Thema »Leichtbau« finden Sie unter Aspekte des Leichtbaus.

Flexibilität.

Für keine Laufradgröße gibt es so viele unterschiedliche Reifenarten wie für 26 Zoll. Vom ultraleichten (200 Gramm), »schnellen«, 25 Millimeter schmalen bis zum sechs Zentimeter breiten und komfortablen Ballon-Reifen können alle auf derselben Felge gefahren werden! Ebenso vielfältig sind die Profilvarianten. Vom optimal asphalttauglichen Slick bis zum grobstolligen Profilreifen ist alles erhältlich. So kann beim Velotraum-Konzept die Reifenwahl als wunderbar vielfältiges Mittel zur Abstimmung des Rades, bzw. zur Anpassung an Ihre individuellen Wünsche, genutzt werden. Kostengünstig, schnell, unkompliziert und fast ohne Einschränkun­gen. Somit ist quasi garantiert, dass sich immer die richtige Bereifung findet – auch wenn sich Ihre Vorlieben ändern.

Komfort.

Ohne dass die Gefahr des Durchschlagens zunimmt, kann ein breiter Rei­fen mit geringerem Luftdruck gefahren werden als ein schmaler. Das verbessert den Fahrkomfort. Noch bis vor kurzem nahm man an, dass ein niedriger Luftdruck den Rollwiderstand generell erhöht. Neuere Untersuchungen ergaben ein differenzierteres Bild. Ein niedriger Luftdruck erhöht zwar den Rollwiderstand auf glatten Belägen (Asphalt), auf Forst- und Landwirtschaftswegen verringert sich jedoch der Roll­wider­stand, da das Rad nicht mehr von Unebenheit zu Unebenheit springt.

Auch der Schweizer Radprofi-Coach Köchli stellte fest, dass die Radprofis vor allem bei langen Etappenfahrten (Giro d’Italia, Tour de France) mit einem etwas ge­ringeren Luftdruck auf Dauer frischer bleiben, da sie weniger intensiv durchgeschüttelt werden. »Niedriger Luftdruck« bedeutet in unserem Zusammenhang: um die 2,5 bar bei fünf Zentimeter breiten Reifen; »hoher Luftdruck« bedeutet: um die 4 bis 5 bar bei 38 Millimeter schmalen Reifen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn Sie auf guten, asphaltierten Pisten fahren, Pumpe zücken und den Luftdruck in den Rei­fen erhöhen (Dabei bitte die Maximalwertangabe auf der Reifenflanke beachten).

Der Komfortgewinn durch den dickeren Reifen ist also unbestritten, allerdings macht die Luftfederung der Reifen weder eine gute Federgabel noch eine Federsattel­stütze überflüssig. Zwar ist die Luftfederung eines dicken Reifens für viele Einsatz­bereiche ausreichend, Komfort und Fahrsicherheit werden jedoch von guten Feder­gabeln und Federsattelstützen erheblich gesteigert.

Leichtlauf.

Ein sehr kontroverses Thema, bei dem viele Fakten sehr undifferenziert oder interessengefärbt wiedergegeben oder interpretiert werden. Das komplexe Zusammenspiel von Oberflächenspann­ung (Luftdruck), Wulstbildung, Karkassen­qualität, Gummimischung und Laufradgröße lässt sich nicht auf einfache Formeln wie »breiter rollt besser als schmäler«, »je größer der Durchmesser, desto geringer der Rollwiderstand« reduzieren. Nur soviel kann man mit Gewissheit sagen: Der Größenunterschied von 26 zu 28 Zoll ist von völlig untergeordneter Bedeutung; Reifendruck, Reifentyp und Gewicht sind die entscheidenden Kriterien für den Leicht­­­lauf.

Rahmendesign.

Breite Reifen und die passsenden Schutzbleche benötigen viel Platz im Rahmen. Und am Vorderrad besteht immer die Gefahr, dass der Fuß beim Lenker­ein­schlag am Vorderrad streift. Abhilfe schafft nur ein besonders langes Oberrohr (57 Zentimeter und länger) welches für Fahrer unter Einsachtzig meist zu lang ist. Oder es wird mit einem flachen Steuerrohrwinkel getrickst, der aber die Lenkeigen­schaften verschlechtert. Im Vorteil sind da natürlich 26-Zoll-Laufräder, deren fünf Zentimeter kleinerer Durchmesser Spielraum schafft, speziell bei kleinen Rahmengrößen.

Fahreigenschaften.

Velotraum-Fahrräder mit 26-Zoll-Laufrädern fahren sich spürbar direkter, agiler, spritziger und gehen einfach besser um die Ecken. Das geringere Gewicht, die höher Stabilität und Steifigkeit und die kompaktere Rahmen­geometrie summieren sich zu einem besonderen Gefühl von Direktheit bei der Kraftum­setzung und Verbundenheit mit dem Fahrrad. Immer wieder beschreiben Kunden das Fahrgefühl nach der ersten Probefahrt mit, »man sitzt mehr im Rad als auf dem Rad«.

Die Bedeutung der 26-Zoll-Laufräder für die Frontfederung. Wie oben erwähnt, haben wir alle Mo­delle für den Einbau einer Federgabel vorbereitet. Nun sind Federgabeln seit Jahren fester Bestandteil jedes Mountainbikes (26 Zoll Laufradgröße!), und es gibt eine Vielzahl von ausgereiften Gabeln auf dem Markt, die allen nur denkbaren Ansprüchen genügen. Vollkommen anders dagegen die Situation bei den gewöhn­lichen Trekkingrädern mit 28 Zoll Laufradgröße. Auch hier sind Federgabeln inzwischen in allgemeinem Gebrauch, allerdings auf einem geradezu erbärmlichen technischen Niveau: einfache Gummipuffer, ohne echte Dämpfung, mit gerademal zwei bis drei Zentimeter effektivem Feder­weg.
Mit den 26-Zoll-Laufrädern beim Velotraum-Konzept können wir uns der ganzen Möglich­keiten des Moun­tain­bike-Mark­tes bedienen: verschiedene Federungsprinzi­pien, unterschiedlich große Federwege, verschiedene Preisklassen, usw. Lediglich bei der Anbringung von fest montierten Schutzblechen müs­sen wir, mittels stabiler Kunststoff­schellen, etwas improvisieren.