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Zuteilungsjahr – Aussichten für 2021

Das erste schwere C-Jahr ist noch nicht vorbei, und schon wirft »Corona« seine lange Schatten auf die Saison 2021.

Während andere Branchen ums Überleben kämpfen, rangelt sich die Fahrradbranche ums Material. Die prognostizierten Lieferengpässe haben sich in den letzten Wochen regelrecht überschlagen …

Dass es sich dabei nicht nur um die übliche Aufgeregtheit nach einem Ausnahmejahr handelt, verdeutlichen die offiziellen Rundschreiben, die uns die Tage erreichen. Eine wirklich besorgniserregenden und noch nie gehabte Situation nimmt Gestalt an.

Quo vadis Fahrradmarkt

Insbesondere in den letzten Wochen erreichte uns eine Hiobsbotschaft nach der anderen, und die Liefertermine steigen von den üblichen drei Monate für OEM-Bestellungen auf neun oder gar zwölf Monate. Der Inhaber einer uns bekannten Manufaktur brachte es auf den Punkt: » Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter die Räder kommen, weil die Großen momentan den Markt leersaugen.«

Auch andere, gutgemeinte Appelle eines Agenturchefs mit 30 Jahren Branchenerfahrung lassen an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: »…das ist kein Horror-Szenario, sondern real« … »ich an eurer Stelle würde zügig planen und einen kompletten Jahresbedarf JETZT ordern – alles andere ist Selbstmord«.

Das für die Fahrradbranche so erfolgreiche Corona-Jahr ist allerdings nur eine unzureichende Erklärung für diese Entwicklung, Zitat: »Momentan surfen wir als Industrie auf einer unglaublichen Erfolgswelle«. Große Teile der Branche glauben, dass sich die großen Zuwächse auch 2021 wiederholen werden und sind im Einkaufs- und Wachstumsrausch. Die Vertriebler befeuern das Ganze mit Ausagen wie, »wer jetzt nichts bestellt geht 2021 und sogar 2022 leer aus«. Also bestellen alle auf Teufel komm raus Ware, und die Hersteller, insbesondere in Asien, sehen sich mit einer bis dato noch nicht erlebten Auftragslawine konfrontiert. Korrespondierend zu der Auftragslawine rutschen die Liefertermine in die Zukunft.

Aus unserer beschränkten Perspektive sehen wir hier eine Blase, die früher oder später platzt. Aber vielleicht täuschen wir uns auch und die Hausse geht weiter.

Schwierige Situation für Velotraum

Egal wie die Sache ausgeht, für Velotraum entstehen dadurch gewaltige »Herausforderungen«.

Rahmen – Hier haben sich die Bedingungen für uns bereits in den letzten Jahren verschlechtert. Immer größere Stückzahlen werden gefordert in Kombination mit immer längeren Lieferzeiten. Bisher konnten wir uns da anpassen, auch wenn das zu Lasten unseres Geschäftsmodells ging. An die jüngste Entwicklung – Mitte 2020 bestellen, um dann im Herbst 2021 beliefert zu werden – können wir uns allerdings nicht mehr anpassen. Diese Entwicklung läuft völlig konträr zu den Anforderungen unserer sehr kundennahen und ausschließlich auftragsbezogenen Fahrradproduktion.

Komponenten – Ein ähnliches Geschehen bei den Komponenten. Hier waren die Vorlaufzeiten zwischen zwei und zwölf Wochen. Inzwischen liegen wir selbst für Serien-Reifen und -Sättel bei bis zu neun Monaten … Dazu gesellen sich hausgemachte Probleme, z. B. bei Shimano. Die Japaner haben es doch glatt geschafft, dass sie für 11-fach Schalthebel keine passenden Scheibenbremsen mehr im Programm haben. Alle Bremshebel wurden auf den neuen I-Spec-EV-Standard geändert. Dieser kapitale »Bock« hat nicht nur uns zu schaffen gemacht. Inzwischen werden nun wieder passende Bremsen angeboten, wie T-8000 (noch vor einem halben Jahr wurde uns genau dieses Modell aus einer Order gestrichen, da »discontinued«) … Neuer Liefertermin: Wenn’s gut läuft Juli 2020. Bevor schwäbisch-patriotische Schadenfreude aufkommt: Magura ruft im Moment für ein ordinäre MT-4-Scheibenbremse einen Liefertermin für Dezember 2021 auf …

Aussichten für 2021

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen versuchen wir, dieser Lage Herr zu werden. Soweit es in unser Macht liegt, wollen wir auch für 2021 möglichst handlungsfähig und attraktiv bleiben. Denn schließlich ist unser Rahmen- und Teilelager bei weitem nicht leer, ganz im Gegenteil, sondern hat »nur« relevante Lücken. Und dafür gilt es nun eine Lösung zu finden.

Es wird aber Engpässe und/oder lange bis sehr lange Liefertermine geben. Zudem werden wir das Sortiment und die Auswahl für 2021 deutlich straffen, also das Auswahl-Schlaraffenland der letzten Jahre wird auf Diät gesetzt. Allerdings kann es, um im Bilde zu bleiben, die eine oder andere Tagesspezialität geben, je nach Verfügbarkeit …

Noch haben wir die Hoffnung, dass sich die Lage über den Jahreswechsel leicht entspannt, da der eine oder andere feststellt, dass er vielleicht etwas überzogene Order platziert hat, Zitat: »… jedoch weiß jeder erfahrene Teilnehmer unserer Branche, welche unliebsamen Auswirkungen schon alleine ein verregnetes Frühjahr hat«. Bis dahin können wir nur dringend raten, für einen anstehenden Fahrradkauf diese Entwicklung mit zu berücksichtigen.

Vorübergehender Orderstop für Händlerpartner

Die wahrscheinlich schwerwiegendste Maßnahme, zu der wir uns gezwungen sehen, ist der vorübergehende Orderstop für unsere Händler.

Seit über 20 Jahren versuchen wir ein verlässlicher und fairer Partner zu sein und haben viele treue Händlerpartner, die uns auch menschlich nahe stehen. Daher schmerzt uns dieser Schritt besonders. Allerdings ist die Situation so unübersichtlich und so Ressourcen-raubend, dass wir eine verlässliche Abwicklung der Händleraufträge im Moment nicht mehr gewährleisten können, bzw. gerade alle Ressourcen für Lösungen benötigen.

Sobald sich die Situation etwas entspannt bzw. wir Lösungen gefunden haben, werden wir diese Notmaßnahme wieder beenden!

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