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Veloträumer Markus Mehigan auf Great-Divide-Tour

»Wir fahren die Dinger selbst« – Das ist bei Velotraum nicht nur ein Spruch, sondern wird von allen Veloträumern auf unterschiedlichste Weise gelebt. – Update 18.07.18.

Das eigentliche »Problem« ist dabei nicht das Wollen, sondern eher das Können. So gerne wir für unsere Kunden die Fahrzeuge für ihre wunderbaren Reisen herstellen – wir selbst haben vergleichsweise wenig Spielraum für ein längere Auszeit …

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: ein kleines Team, anspruchsvolle und hochspezialisierte Produkt, saisonale Ausrichtung und es gibt quasi keine »passenden« Mitarbeiter/Qualifikationen am Arbeitsmarkt. Besonders ungerecht: je höher die Qualifikation und je umfassender die Fähigkeiten, desto unentbehrlicher ;-)

Bei Markus Mehigan »musste« es aber einfach nun mal wieder sein. Die drei Kinder sind mehr oder weniger flüge und seine Frau Rose hat nach der Familienphase einen erfüllenden Berufseinstieg geschafft. Vor der Familien- und Häuslesbauphase ist Markus schon viel gereist, schließlich haben wir (Patricia, Stefan, Rose, Markus) uns vor 26 Jahren in Neuseeland beim Radreisen besser kennen gelernt, und daran wollte er nun unbedingt wieder anknüpfen. Einziges Problem: Nordamerika ist ein »Sommerziel« … Doch nach über 20 Jahren leidenschaftlichem Engagement für Velotraum ist auch so ein XL-Sommer-Urlaub mehr wie verdient und eigentlich überfällig. Hier nun sein erster Bericht:

№1 – Markus Mehigan auf Great-Divide-Tour

Nun bin ich bereits gut 14 Tage auf der Great Divide und bin kräftig damit beschäftigt mich mit all den Leuten zu unterhalten, die ich so unterwegs treffe. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Bekanntschaften.

Mal eine kurze Unterhaltung, gestern und heute bin ich von einem Amerikaner durchgefüttert worden, den ich auf meinem letzten Campingspot kennengelernt habe. Er hatte den letzten freien Platz ergattert und mich kurzerhand eingeladen ihn mit mir zu teilen. Oder Barbara und John, die einen Campingplatz und Cabins kostenlos für Radfahrer zur Verfügung stellen und mich dann auch noch zum Abendessen einladen. Oder heute, beim Einchecken in ein Motel, fragt mich der Chef, ob ich die Great Divide fahre und lädt mich spontan zum Bier ein. So geht es in einem fort.

Nach einer Woche kalten Wetters und Regen, hat mich nun die Hitze eingeholt. Täglich um die 30 Grad. Viel trinken und viel schwitzen ist jetzt angesagt. Auf 100 km kommen hier etwa 1200 bis 1400 Höhenmeter. Noch habe ich etwa jeden zweiten Tag gute Versorgungsmöglichkeiten, was sich in den nächsten Tagen ändern wird!

In den nächsten Tagen führt mich die Strecke in den Süden Montanas. Es wird noch bergiger werden und die Siedlungen liegen weiter auseinander. Vorausschauend einkaufen ist nun gefragt. Da es dieses Frühjahr viel geregnet hat, ist wenigstens die Versorgung mit Wasser kein Problem. Dafür gibt es oft Mücken im Überfluss. Mückenspray oder lange Klamotten sind dann angesagt, wobei lange Sachen bei der Hitze doch recht unangenehm sind!

Und was ist mit meinem Rad – Bis auf Kette ölen und Schrauben kontrollieren läuft mein Finder perfekt. Lästig ist lediglich die Packerei mit den Bikepacking-Taschen – jedenfalls fehlt mir ein bisschen Stauraum. Die Federgabel habe ich nicht bereut, die Wege sind teils recht ausgewaschen und oft »washboarded«, die Schlaglöcher teilweise 30 bis 40 cm tief, kurz: Höchste Konzentration bei den Abfahrten. Die 2×10 Deore-XT-Schaltung passt wunderbar. Froh bin ich über die Cane-Creek »Thudbuster ST«, bügelt sie doch einiges der Waschbrettpisten aus. Nur meinen breiten Rennlenker vermisse ich, bei der nächsten Reise wird er mich wieder begleiten. Ein SON-28 in Verbindung mit dem neuen Appcon-3000 versorgt iPhone, Kamera und iPad. Auch die Schwalbe Rocket Ron machen bisher im Schlauchlos-Setup keine Probleme, nach den ersten Tagen einmal Pumpen, das war’s bisher – Daumen drücken!

Das war’s für den Moment, morgen werde ich um 6:00 Uhr starten um in den ersten Stunden erträgliche Temperaturen zu haben.

Bis bald – Markus

№2 – Markus Mehigan auf Great-Divide-Tour

Nach nunmehr 3 Wochen auf der Piste, haben gestern Beine, Hände und auch der Kopf rebelliert: Höchste Zeit einen Tag Pause einzulegen. Es stellt sich heraus, dass Pinedale in Wyoming in richtig guter Platz dafür ist. Übernachten in der St-James-Ephistocal-Church. Hikers and Bikers are welcome to stay for free! Einmalig gut einweichen im »aquatic center«, richtig guten Kaffee genießen und heute Abend geht’s auf ein Bier und Burger in die örtliche Brauerei :-)

Die letzten Tage waren geprägt von einsamen Tälern, nur einige Ranches, dann der Grand-Tetons-National-Park, mit grandiosen Aussichten auf diese beeindruckende Bergkette. Immer wieder weite Ebenen durchsetzt mit Wäldern. Auffallend viele tote Bäume, teils verbrannt, meistens aber abgestorben durch Käferbefall!

Am meisten beeindruckt mich aber die Weite und Leere dieser Landschaft. Und doch ist die nächste Siedlung mit dem Rad meist innerhalb eines Tages zu erreichen, Zumindest wenn die Beine die nächsten 150 km noch schaffen. Und doch befindet man sich sofort außerhalb der Ortschaften in der “Wildnis”. Jedes Camp gilt es Bärensicher zu machen, also Essen, Töpfe, alles was gut riecht in eine Tasche und hoch in einen Baum gebunden!

Was bleibt, sind die Begegnungen die ich habe. Mal sind es andere Radler auf großer oder richtig großer Tour, Menschen die einfach nur Interesse haben, an dem was ich mache und woher ich komme. Kurz: ich habe das Gefühl, ich befinde mich in meinem ganz eigenen »Roadmovie«.

So mal sehen, ob ich die Bilder durch dieses wifi bekomme….. [hat funktioniert – der Chronist]

Markus aus Pinedale

Ausrüstung und Unterbringung

Taschen an Gabel: Zelt, Isomatte, Ersatzschlauche – Rolle an Lenker: Schlafsack, Klamotten, Waschsachen, Erste Hilfe – Lenkertasche: Kamera, iPad, Brille, Wertsachen, Tagebuch, etc. – Rahmentasche: Werkzeug, Trailmix (Nüsse), Sonnencreme – Satteltasche: Kocher, Töpfe, Wasser, Filter, Essen, warme Jacke – Hilfsträger: Wasser, Regenkleidung

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