Eurobike-Rückschau und die velotraum Ausstellungsräder

19. September 2017  |

Vier Tage Ausnahmezustand, vier Tage, die alles von einem abverlangen, vier Tage Vollbad in einer immer noch faszinierenden Branche.

Einmal mehr wollten wir uns dem Wettbewerb stellen und uns neu verorten: wo stehen wir und wohin bewegt sich das Fahrrad bzw. die Fahrradbranche.

Denn nicht immer gehen die reelle und gesellschaftlich gelebte Fahrradkultur und die Vorstellungen der »Branche« in die gleiche Richtung… – wobei, die Fahrradbranche gibt es eh nicht.

Trotz des alles dominierenden E-Bikes und insgesamt rückläufiger Stückzahlen, präsentiert sich unsere Branche ein weiteres Mal vielfältig, vital und international. Nach unserer Wahrnehmung sind es freilich eher die kleinen und mittleren Fahrradschaffenden, welche interessante Weiterentwicklungen bzw. Neuheiten zeigen. Die ganz großen Spieler glänzen entweder durch Abwesenheit, oder fluten den Markt mit Neuheiten, die in der Summe dann doch wieder austauschbar erscheinen.

Das ist ein wenig schade ums Geld und die Ressourcen, denn wie gesagt, die Gesamtstückzahlen sind trotz E-Bike-Boom rückläufig. Die Eurobike-Schaffenden haben einmal mehr verschlafen, dass wohl größte (auch wirtschaftliche) Potential des Fahrrads zu besetzen, nämlich das Fahrrad als elementare Lösung unserer Mobiltätsbedürfnisse und den daraus resultierenden Herausforderungen. Das Thema Verkehrspoltik hat in Friedrichshafen trotz Wahljahr nicht stattgefunden, dafür das übliche Verkehrschaos. – Schade eigentlich.

Davon abgesehen ist unsere Messebilanz einmal mehr sehr positiv, insbesondere auf Grund der vielen guten Kontakte mit unseren Händlerpartnern, Lieferanten, Medienschaffenden und Kunden. Dazu gab’s eine Extraportion Bestätigung und Inspiration, so dass wir die Messe gestärkt, wenn auch auf dem Zahnfleisch verlassen haben ;-)

Apropos Zahnfleisch. – Die Rahmenbedingungen auf der Messe könnten wir uns deutlich angenehmer und professioneller vorstellen, denn statt einer locker-kultivierten und internationalen Leitmesse, entwickelt sich das Messe-drumherum immer mehr in Richtung Ballermann…

Noch unverständlicher ist für uns und viele weitere Aussteller der Schritt zu einem früheren Messe-Zeitpunkt (Anfang Juli) sowie einer reinen B2B Messe ohne Endkunden. »Wir« werden aber auch nicht gefragt, da bleiben die »Großkopfede« gerne unter sich und im Nachhinein kann jeder postulieren: ich hab von nix gewusst… Für uns wäre es in jedem Fall ein echter Verlust, wenn die Eurobike ihre im schwinden befindliche Leitmessen-Funktion weiter verlieren würde.

Unsere Ausstellungsräder

Eigentlich hätten wir auf den Messestand ein großes Schild stellen müssen: »ACHTUNG BAUSTELLE«. Denn die seit einem Jahr laufende Transformation, unser breit und tief gestaffeltes Sortiment in vier prägnante Fahrradwelten zu transformieren, ist noch in vollem Gange. Davon betroffen ist weniger die Hardware, denn die Technik/Fahrräder sind bereits im Ziel. Es geht vielmehr um unsere kommunikativen und administrativen Strukturen, wie die Homepage, das »Velotraum-Buch« und das ERP-System. Was für prächtige Herbst-/Winteraufgaben ;-)

KONZEPT

Das »Velotraum-Konzept«, welches ab 2018 nur noch »Konzept« heißen wird, ist nach nun 25 Jahren Evolution ein sehr ausgereiftes Produkt mit wenig Spielraum für relevante Innovationen, ein echter Klassiker eben.

Der Inbegriff des hochwertigen und unkomplizierten Gebrauchsrad’ ist dabei das »VK9«, wie unlängst vom ADFC Mitglieder-Magazin »Radwelt« ausprobiert und für sehr gut befunden. Solche zeitlosen Klassiker werden auch in Zukunft bei Velotraum eine Heimat haben.

Neue Impulse im Konzept setzt der SP300-Rahmen in den Ausstattungsvorschlägen VK3, VK5 und VK10. Die kompakte Geometrie und das Reifenformat 55 bis 60-584 eröffnen ein neues Fahrgefühl und andere Einsatzbereiche. Solche individuellen und geradlinigen »unplugged-Räder« werden wahrscheinlich in Zukunft selten werden, aber sicher von einer speziellen Kundenschaft weiter gewünscht sein.

SPEEDSTER

Mit drei Rädern war die Speedster-Welt dieses mal etwas überrepräsentiert auf dem Stand. Aber wir wollten sowohl den Klassiker zeigen (SP2) als auch die Verfeinerung (SP3) und natürlich die eigentliche Neuheit ;-)

Der «SP2« war in diesem Jahr die beliebteste Speedster-Variante, überwiegend in der Laufradgröße 26-Zoll. Kurzum, tot-gesagte Reifengrößen leben länger und Velotraum-Kunden sind in der Lage ihren Bedürfnissen zu folgen und nicht den Trends ;-)

Allerdings bekommt die nur 25 Millimeter größere 27,5-Zoll-Laufradgröße kräftig Zuwachs. Insbesondere im Format 48 bis 50-584 stehen nun gute Alltagsreifen und auch exquisite Sportreifen (tubeless) zur Verfügung. Hier im Bild ein »SP3« mit Rohloff-Nabe und dem neuen Panaracer GravelKing in 48-584. Ob man nun den Trend zu braunen Reifen-Flanken folgen mag – vor 15 Jahren waren wir froh, als die Reifen endlich uni-schwarz wurden… – darf jeder selbst entscheiden ;-)

FINDER

Beim Finder gibt es nichts grundlegend Neues, da hatten wir ja letztes Jahr einiges an Modellpflege betrieben, einzig die Gabel hat nun 15 Millimeter mehr Durchlauf bekommen. Das bietet mehr Platz für die Anything-Cage’ oder man kann vorne 3-Zoll Reifen fahren.

Bisher kaum von uns gezeigt – Finder mit einer Federgabel fürs richtig grobe Geläuf. Besonderheit an der Suntour-Gabel: es können feste Schutzbleche montiert werden und natürlich gibt es eine vom Lenker bedienbare Blockierfunktion. Generell wird es für den Finder in Zukunft noch mehr Reifenauswahl geben, sowohl hinsichtlich der Machart, als auch beim Format. Dazu passende Felgen und gleich zwei (!) Schutzblechgrößen. Und wer sich immer noch die Frage stellt, »was soll ich mit so einem Rad anfangen«, einfach mal hier rein schauen.

PEDELEC

Auch für 2018 halten wir an den beiden Prinzipien Naben- und Mittelmotor fest.

Einen echten Entwicklungssprung wird es beim Neodrive/Alber-System geben. Der neue »Z20-Motor« wird effizienter und belastbarer und somit auch für schwere Fahrer und/oder den Mittelgebirgseinsatz besser geeignet sein. Auch die Verkabelung und die Anschlüsse werden überarbeitet und es wird unterschiedlichste Displays geben. Unser Nabenmotor-Flagschiff, dass VK12E kombiniert ein wartungsarmes Piniongetriebe mit dem verschleißfreien und leisen Nabenmotor zu einem zwar gewichtigen, aber sehr kultivierten Pedelec.

Vor gut eineinhalb Jahren haben wir uns für das Steps 8000-System von Shimano entschieden. Schon damals hatten wir ein gutes Gefühl, aber dass wir damit so ins Schwarze treffen würden, war nicht vorherzusehen. Unter Brancheninsidern – ohne Bosch-Scheuklappen – gilt der Steps 8000 in der Summe aller Eigenschaften als die momentane Referenz, und wir setzen mit unseren individuellen Lösungen da noch eins oben drauf.
Wie zum Beispiel mit dem mausgrauen FD3E mit Rohloffnabe und im puristischen Abenteuer-Look. Das ist natürlich nur eine von vielen denkbaren Spielarten und Anwendungsbereiche für den E-Finder. Das Potential von Motor und Fahrradkonzept kennt fast keine Grenzen und bleibt, dank dem bewussten
Verzicht auf die unsägliche Akku-Integration, vergleichsweise rank und schlank ;-)

Ein Aspekt, der beim FD2E in der kleinsten Rahmengröße »S« nochmals an Bedeutung gewinnt. Denn der E-Finder kann nicht nur breit, stabil und verwegen. Mit dem grünen FD2E wollten wir vor allem drei Dinge zeigen: Der E-Finder passt auch für Menschen um die 1,65 Meter Körpergröße, es gibt für den E-Finder inzwischen auch alltags- und tourentaugliche Reifen im Format 57-584 und mit allem dran ist der E-Finder ein geniales Pendlerfahrrad. Ach ja, dass Gewicht von 20,7 Kilogramm, – ganz ohne Leichtbaukniffs – ist auch nicht zu verachten ;-)

Kommentare

  1. Tobias aus Stuttgart am 19. September 2017:

    Ich fände es mal gut wenn Velotraum mal was neues wagt, wie ein vollgefedertes Fahrrad. Das wäre mal eine Innovation. Die oben abgebildeten Fahrräder sehen sich alle sehr ähnlich… Gepäckträger mit oder ohne Farbe, das wars. Zudem ein kurzlebigen Mittelmotor mit einer langlebigen Rohloffnabe empfinde ich als unpassend. Dann doch lieber eine Kettenschaltung.
    Zum Inhalt:
    “…das Fahrrad als elemtare Lösung…”. Als elemtar verstehe ich, dass die Fahrräder auch bezahlbar sein müssen. Für ein “einfaches Fahrrad” mit Shimano Deore Ausstattung heute über zweieinhalbtausend Euro auszugeben (auch bei Velotraum), empfinde ich als maßlos. Das steht auch nicht für “Fahrrad als Lebensmittel”, denn dieses Lebensmittel ist keines mehr, wenn es nur an reiche Menschen geht. Für die meisten Memschen bleiben nur die Grundnahrungsmittel. Elementar ist Velotraum also auch nicht. Es muss kein Billigprodukt sein, aber es geht auch ums Verhältnis. Stelle ich mir ein Fahrrad hier im Konfigurator zusammen, so muss ich feststellen, dass Preise nicht weitergegeben werden. Von einer Magura Mt4 zu einer Shimano XT sind es 149,-€… Für 149 bekomme ich knapp eine Shimano XT Bremse im Netz, wo bleibt der Preis der Magura Mt4? Wie wäre es mit 149 (XT) – 90 (Mt4) = 59€ Aufpreis? Ich schätze die Marke Velotraum und weiß um ihre Qualitäten bei den Fahrrädern, aber wie so oft geht es doch um die Verhältnismäigkeit und ob die gewährleistet ist (Fährt ein Fahrrad für 700€ so viel schlechter)??? Auch der angesprochene Boom der E-Bikes schafft keine Lebensmittel, sondern Luxusgüter – ob Velotraum oder bei anderen Anbietern…

  2. David am 19. September 2017:

    “…Der «SP2« war in diesem Jahr die beliebteste Speedster-Variante, überwiegend in der Laufradgröße 26-Zoll…und Velotraum-Kunden sind in der Lage ihren Bedürfnissen zu folgen und nicht den Trends…”

    Das trifft für die Kunden zu, aber nicht für die Lieferanten. Leider muss man feststellen, dass die Auswahl an 26” Zubehör markant abnimmt (Felgen,Reifen, Federgabeln etc.)…

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 19. September 2017:

    @ David,
    da hast Du im Moment sicherlich recht und vielleicht ist diese Entwicklung unumkehrbar. Allerdings hatten wir auf der Messe Besuch vom Centurion-Chef Wolfgang Renner. Der eigentliche Grund für den Besuch war zwar eine SWR-Produktion zum Thema »200 Jahre Fahrrad« – wird im Herbst ausgestrahlt und Velotraum ist mit von der Partie – , nebenbei haben wir erfahren, dass Centurion wieder mehr 26-Zoll-Räder anbieten wird, da die Kunden es einfach wollen! Also schauen wir mal ;-)

  4. Christian am 19. September 2017:

    @Tobias: Du hast eine total falsche Vorstellungen von Preisen und wie ein Hersteller bzw. Fahrradanbieter wie Velotraum kalkulieren muss. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, Dir das hier alles aufzuzählen. Nur so viel: Selbst Stefan Stieners Antwort hier im Velotraum-Blog muss irgendwie mit in den Preisen einkalkuliert sein, sonst ist das ganze eine nicht allzu lange anhaltende Selbstausbeutung. Wer reich werden will, geht bestimmt nicht als idealistischer und enthusiastischer Kleinsthersteller in die Fahrradbranche, um dort möglichst viele Leute abzuzocken. Und es gibt genug günstige Räder von der Stange für 800 Euro und noch viel günstigere, gute gebraucht.

  5. Tobias S. am 20. September 2017:

    @ Christian: Ja da kannst du recht haben, im Detail weiß ich das nicht, da ich keine Fahrräder herstelle oder verkaufe. Woher weißt du das so genau? Wenn du dir nochmal durchliest was ich geschrieben habe geht es nicht ums „abzocken“, sondern um entsprechende Maßstäbe! Andere Hersteller zu beschreiben, als wären sie auf dem falschen Weg, da es keine „elementare Fahrräder“ wären, aber selber sehr teure Fahrräder herzustellen, finde ich unpassend. Ich habe jahrelang selber ein Velotraum gefahren und weiß auch, dass diese sehr gut sind. Das ist einige Jahre her. Heute könnte ich mir hier kein Fahrrad mehr bei Velotraum leisten, denn die Preise sind ja durch die Decke gegangen (Ich habe damals 1500€ bezahlt – und das war sehr viel Geld). Wie gesagt ich verstehe die Preispolitik nicht.
    Aber auch bei den Bildern… Oben sehe ich E-Mountainbikes und nur alte Herren… Das ist 100% nicht die Durchschnittskäuferschicht dieser Fahrräder. Hier fände ich es auch mal angebracht die Vorteile mehr zu würdigen bzw. eine differenziertere Perspektive aufzuzeigen, anstatt sie zu verhöhnen…

  6. Raphael am 20. September 2017:

    @Tobias:
    ich habe mir vor kurzem selbst ein Fahrrad zusammengebaut. Dabei konnte ich Geld bei den Einzelteilen sparen. Somit war mein Fahrrad roh betrachtet günstiger als hätte ich es von einem Betrieb zusammenstellen und -bauen lassen. Dieser Gewinn ging mir zum Teil durch den Einkauf von Werkzeugen wieder verloren. Zudem habe ich enorm viel Zeit investiert um ein für mich passendes Konzept zu finden und dieses aufzubauen. Der Wert dieser Zeitinvestition ist groß. Für jemanden, der nicht gerne selbst am Fahrrad schraubt (gedanklich/mechanisch) ist dieser Wert enorm groß und selbst für mich, der das nun gerne gemacht hat, ist klar, dass Velotraum mit seinen Konzepten, Beratung, Individualisierung und vielem mehr, was wir beide noch nicht mal wahrnehmen, kaum als überteuert zu bezeichnen ist.

    Dein Verhältnis zum Geld unterschiedet sich dabei aber auch von meinem was ich jetzt nicht verurteilend meine. Ich bin finanziell ziemlich schwach.. Auslandsurlaub, Auto, ruhig gelegene Mitewohnung und einige von der Konvention als normal betrachtete Versicherungen kann ich mir nicht leisten. Auf ein Fahrrad für 2500 Euro und hochwertige Lebensmittel muss ich aber nicht verzichten. Sind die Prioritäten klar auf nachhaltige Mobilität per Fahrrad gesetzt, so ist ein Velotraum gut machbar und amortisiert sich. Musst ja nicht das feinste verbauen.

    “..die Vorteile mehr zu würdigen..anstatt sie zu verhöhnen”

    Ich lese hier regelmäßig mit und habe nicht den Eindruuck, dass das hier passiert. Eher das Gegenteil. Immer wieder spricht Velotraum das Potential des Ebikes bzgl. der Chance auf zukünftige verkehrspolitische Veränderung an. Auch in diesem Artikel.

  7. Rainer Harz am 21. September 2017:

    Ich würde mich freuen, wenn Velotraum ihr Konzept-Rad etwas 650b tauglicher machen würden..Finder ist schön und gut, aber die Tretlagerhöhe ist wohl eher auf dickere Walzen ausgelegt, die man im normalen Straßenverkehr eher nicht nimmt. Konzept geht bei 650b nur bis 50er Reifen, ist zwar gut für den Alltag will man im Urlaub aber mal etwas Offroad braucht man eben ein paar mm mehr. 650b scheint dann doch etwas besser drüber zu rollen als 26 Zoll ohne. gleich so sperrig wie 28/29 Zoll zu sein. Vielleicht nächstes Jahr :-)

  8. Thomas am 24. September 2017:

    @Tobias:
    manchen, aber nicht allen Punkten, die Du ansprichst, kann ich nur zustimmen – auch wenn dies im Velotraum-Forum vielleicht nicht ganz ungefährlich ist ;)

    (Individual-)Fahrräder sind seit einiger Zeit schon Statusobjekte und mit den e-Bikes hat dies sicher noch zugenommen, da es es den Besitzern ermöglicht, den “ich bin öko und daher toll”-Lifestyle ohne die ansonsten notwendige lästige Anstrengung an den Tag zu legen. Und die obere Mittelschicht kann es sich leisten, dem gerade angesagten Marken-SUV ein paar passende Räder hinzuzufügen. Und je teurer sprich exklusiver die sind, desto besser ists gefühlt für das eigene Image/Prestige…

    Wenn dadurch aber mehr Leute aufs Rad wechseln, finde ich das auch nicht wirklich schlecht – genausowenig, wie ich es den Firmen übel nehmen kann, die die Gelegenheit nutzen, um ordentlich ihr Geschäft anzukurbeln.
    (was ich allerdings nicht gut finde, ist wenn manche dass dann auch noch so verkaufen, als ob sie ganz selbstlos der Welt nur Gutes tun und sie retten wollen – und/oder andere Verkehrsmittel für des Teufels erklären – aber das ist ein anderes Thema)

    Ich selbst habe einige Zeit geschwankt, ob ich wirklich über 2.000€ für ein VT-Rad ausgeben soll (ich bin kein SUV-Fahrer), habe mich jedoch aus zwei Gründen dafür entschieden:

    Zum einen waren es meine schlechten Erfahrungen mit dem Kauf eines Rades eines anderen deutschen Herstellers. Ich hatte vor einigen Jahren das Rad von der Stange für um die 1.000 € nach einem Heft der Stiftung Warentest gekauft – d.h. auf den ersten Blick deutlich günstiger aber im Nachhinein völlig überteuert: Kurz nach Kauf die erste Rückrufaktion wegen Rahmenbruchgefahr – das Abstellen mit gepackten Satteltaschen konnte aufgrund falsch entworfener Rahmengeometrie zum Rahmenbruch am Seitenständer führen. Sprich der einzige Bestandteil, den der Hersteller selbst beigesteuert hat, war Mist. Die meisten anderen Komponenten stellten sich danach ebenfalls als recht minderwertig heraus – obwohl ich ein Schönwetter-Gelegenheits-Radler war und das Rad immer überdacht stand, war nach relativ kurzer Zeit bis auf den Rahmen und die Schaltung nichts mehr original. Hinzu kommt dass der Rahmen von der Größe her nicht wirklich passt – das lag jedoch an der Beratung durch den Händler. Wenn ich die Kosten für Lenker, Vorbau, Sattel, komplette Lichtanlage, etc. pp. hinzuzähle, komme ich auf den heutigen Einstiegspreis bei Velotraum.

    Bei VT habe ich hingegen nach meinen Recherchen den Eindruck, dass auch bei Komponenten, die sonst nicht extra erwähnt werden, hochwertigere Teile verbaut werden.
    Je nach Auswahl der Komponenten kann man zudem den Anteil heimischer Teile erhöhen und damit auch ein wenig zum Erhalt der Arbeitsplätze hier beitragen.( Was dann natürlich wiederum den Preis in die Höhe treibt.)

    Zum anderen finde ich die Beratung in Richtung passende Rahmengröße und Geometrie aufgrund meiner vorherigen Erfahrungen sehr wichtig – und die war richtig gut.

  9. Olav am 25. September 2017:

    @Tobias
    Ich kann die Gemengelage zur Zeit gut nachvollziehen. Auch ich schleiche schon länger um ein Einstiegs-Velotraum drumrum. Mi dem Durchbrechen der 2000€ Marke für das Deore-Modell sprengt es aber auch meinen Rahmen. Ich bin Ganzjahresradler mit täglicher Fahrt zur Arbeit. Klar ist der Gegenwert sehr hoch und entspricht damit Velotraum Philosophie und sowas spricht mich auch sehr an. Naja lange Rede kurzer Sinn, momentan habe ich Abstand genommen von einem Kauf.

    Und ich finde nicht, dass hier Meinungen beschnitten werden, sondern halte den Umgang hier für vorbildhaft, weiter so

  10. Ingo am 26. September 2017:

    Die Radel haben halt ihren Preis. Aber nur bei der Anschaffung muss man etwas länger sparen. Dafür gibt es dann keine Folgekosten für Haftpflichtversicherung, Steuer, Hauptuntersuchung, Falschparken, Inspektion …. Pflege und Wartung kann man selber machen. Und die Kosten für Reifen, Kette, Ritzel, Bremsbeläge, Öl, Flickzeug usw. sind überschaubar.
    Wenn man es lange nutzt, dann ist der Anschaffungspreis nebensächlich.
    Mein Radel für den täglichen Arbeitsweg ist 17 Jahre alt und mein nächstes wird auch wieder ein hochwertiges sein. Nur ein Problem habe ich. Der Zustand ist noch viel zu gut, um es zu ersetzen.

  11. Matthias aus Bochum am 26. September 2017:

    Mal eine Zahl, um Verhältnisse klar zu stellen: In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als das Fahrrad ein Massenverkehrsmittel war, wurde im Schnitt ein Monatslohn für ein Fahrrad bezahlt. Der durchschnittliche Monatslohn in Deutschland betrug im Jahr 2016 laut Statistischem Bundesamt gut 3.700 € brutto. Über ungleiche Verteilung, die ja hinlänglich bekannt ist, will ich hier gar nicht reden. Das zeigt nur, dass man ein Fahrrad für 600,- € als eher billig einstufen kann und relativiert vielleicht etwas die scheinbar hohen Velotraum-Preise für ein eben auch sehr ausgefeiltes und hochwertiges Produk, das heute doch viel mehr Funktion bietet, als das 3-Gang-Stahlross vor hundert Jahren.

  12. Ralf aus Hannover am 27. September 2017:

    Man kann es auch mal von der Seite der Service-/ Reparatur- und Ausfallzeitenkosten her aufrollen. Was kostet es mich an Zeit, das Rad zur Werkstatt zu schieben ? Wie komme ich wieder zurück nach Hause ? Wie lange warte ich auf das Ersatzteil/ auf Werkstattkapazität ? Habe ich überhaupt ein Ersatzrad und in wie weit erfüllt das die Funktion ? Auf der Radtour geht meist etwas grvierendes Samstag-Mittags kaputt und der nächste Fahrradladen ist bis Ladenschluss nicht mehr erreichbar. Eine Rad mit guter Getriebeschaltung und gut passend kann häufig zwei einfachere Räder ersetzen, z.B. eines für Alltags- und eines für Sport-Anwendung. Das spart im Keller auch Platz. Wer mehr Spaß mit dem Rad hat bewegt sich mehr, das ist gesund…

  13. Olav am 28. September 2017:

    Ja so ist es. Mein Arbeitsrad ist dieses Jahr 20 geworden und hat es jetzt echt hinter sich. Trotzdem ne Stange Geld, für sicherlich sehr ausgereifte Technik. Ich denke, dass das Preis/Leistungsverhältnis schon stimmt. Ist bei mir doch Kopfsache denke ich

  14. Rainer Bohnet am 29. September 2017:

    In meinem Speedster stecken mittlerweile rund 4.000 EUR. Seit über 7 Jahren fahre ich damit zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Jeder Cent war und ist gut angelegtes Geld.

  15. Moritz am 2. Oktober 2017:

    Vier Räder sind bei mir im Laufe der Jahre zusammengekommen – eine Utopia “Silbermöwe” (2500 EUR), ein VT Konzept (3000 EUR), ein “Charger”-Pedelec von Riese und Müller für 3300 EUR und ein Backfire-Hardtail mit einfacher Deore-Schaltung von Centurion für 800 EUR. Als KFZ fahre ich übrigens einen kleinen VW Up!, der weniger gekostet hat als die Räder zusammen. Die Bikes sind alle toll, doch den meisten Spaß – für einfach jeden Zweck – macht das “billige” Centurion, wenn ich ehrlich bin. Es war mein letzter Kauf, und wäre es mein erster gewesen, hätte ich (einschließlich des Pedelecs) keines der anderen Räder mehr angeschafft. Es ist verrückt, aber so ist es.

  16. Stefan Wittkamp am 4. Oktober 2017:

    Lieber Moritz, wenn Du zuerst das “günstigste” Rad gehabt hättest, hättest Du ggf. immer von Deinen anderen Räder “nur” geträumt. Erst wenn etwas in die Realität umgesetzt wird, kann ein Vergleich angestellt werden. Probieren geht eben doch über Studieren.
    Viel Spaß mit Deiner großen Auswahl an feinen Rädern, ist doch auch was schönes.

    Beste Grüße
    Stefan W

  17. Rudolf Keuner am 6. Oktober 2017:

    Hallo zusammen,

    danke für die interessante Diskussion!
    Seit Jahren verfolge ich, wie sich die Velotraum etabliert hat (hab’ noch ein T-Shirt vom MTB-Rennen in Oberlengenhardt, bei dem Velotraum Sponsor war – dies war 1995 :-). Ich finde es toll, wie diese schwäbische Marke aus der Nachbarschaft ihre Nische gefunden hat und meiner Meinung nach im Marketing sehr viel richtig macht.

    Nachdem die wilden Rennjahre schon lange vorbei sind, ist es mir zwischenzeitlich egal, ob mein Rad ein paar Gramm mehr oder weniger wiegt, 24, 27 oder 50 Gänge hat… Mein täglichen Arbeitsweg bestreite ich mit einem 20 Jahre alten Alurahmen aus Taiwan mit vornehmlich alten Komponenten. Nachdem ich wieder bei den Basics angekommen bin, kann ich nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, was für ein Statushype sich um das Fahrrad entwickelt hat -einhergehend stiegen die Preise.

    Mir wäre es lieber, die Leute würden sich mehr im Bereich Golf… ihren Status ausleben. Das Fahrrad finde ich dazu eigentlich recht unpassend.

    Was das Schöne am Radfahren ist und auch kein Hype zerstören kann, dass die Fortbewegungsgeschwindigkeit früher wie heute im wesentlichen von den Wadeln abhängt. Wie bemitleidenswert doch die Radfahrer mir auf den “feinen Rädern” vorkommen, wenn die Waden dem Status nicht in adäquater Weise zur Seite stehen können.

  18. Thomas Zeyner am 6. Oktober 2017:

    Fahre jetzt 1 1/2 Jahre meinen Velotraum….hab ganz auf´s Fahrrad umgestellt und habe im letzten Jahr fast 10000 “Alltagskilometer” und 190000 Höhenmeter erradelt…
    Verstehe jedoch den Traum den manch Ökologisch denkender Menschen haben.
    Ein “Volksfahrrad” anstatt einem Volkswagen.
    Für “jeden” erschwinglich.
    Robust “unkaputtbar”
    Hergestellt im “eigenen” Land
    Schade das dann immer in Rechtfertigungsversuche kommen.

    Meine Wünsche an´s Velotraumteam (fürs nächste Rad in 20 Jahren :-)
    Für Schwergewichte mit Rohloff: Breite Felgen, und eine 4 Kolben-bremse und Große Bremsscheiben auch für´s Hinterrad.
    und natürlich ein Volksrad :-) (eine Farbe, eine Ausstattung, einen Rahmentyp)

  19. Rainer Harz am 7. Oktober 2017:

    Ich war heute zu Besuch bei Velotraum und es wurde sehr schnell klar, dass man hier von einem Erfahrungsschatz profitieren kann, der sonst nur schwer zu finden ist. Dass ein Velotraum nicht unbedingt besser “läuft” als ein gutes Fahrrad von der Stange, davon kann man schon ausgehen. Ob man als ist nicht normgerechter Mensch darauf genauso gut und lange sitzen kann, steht aber schon wieder auf einem anderen Blatt. Zumindest mir fällt es heute schon deutlich leichter, eine Ecke mehr Geld in die Hand zu nehmen. Und wenn man eben länger entspannt radeln kann, tut der Preis nicht mehr soooo weh.
    Normgerechtere Radler dürfen auch weiter zu einem anderem Schluss kommen

  20. StefanM am 8. Oktober 2017:

    @ Rainer

    genau die Beratung (in dem Fall durch Gruner in Karlsruhe) war der Grund, dass das Rad deutlich besser als mein altes “passte” und die Unterschiede sind eigentlich gar nicht Groß, aber die Auswirkung sind wirklich beachtlich.

    Ich fahre schon seit über 3 Jahren mein Velotraum als Ganz-Jahres-All-Wetter Fahrzeug und ärgere mich inzwischen, dass ich den Schritt zum “teuren Rad” nicht schon viel früher gemacht habe. Mein Kreuz dankt es mir

    Grüße Stefan

  21. Michael K. am 8. Oktober 2017:

    @ Rainer

    Ich hatte mein Fahrrad letztes Jahr direkt bei Velotraum bestellt und abgeholt. Die Bestellung war bei Herrn Stiener. Die Abholung dann aber bei jemand anderem (jüngerer Kerl – eher unfreundlich)…
    Bei der Beratung konnte mir Herr Stiener weiterhelfen, aber nicht bei der Abholung. Meine Schutzbleche waren nicht symetrisch und zudem am Vorderrad nicht wie vereinbart oben montiert… Darüber war ich nicht erfreut. Dies habe ich auch mitgeteilt und es wurde dann vorort behoben. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass bei der Bestellung auf alles acht gegeben wird und bei der Abholung sieht es dann anders aus. Herr Stiener halte ich für einen Kompetenten Berater, aber in einigen Fragen empfand ich ihn als Übergriffig. Er fragte nicht, sondern meinte das wäre richtig (auch wenn das einiges an Geld kostete…). Das muss erklärt werden…. Also Vorsicht! Das Rad ist trotzdem gut!
    @StefanM
    Mein Vorbau war zu lang und dankt es nicht meinem Rücken, daher mußte ich das Teil noch ersetzen…

  22. StefanM am 9. Oktober 2017:

    @ Michael K.,

    Gruner ist von meinem altem Rad ausgegangen und die Vorschläge, die er gemacht hat, passten genau. Mein altes Rad war etwas zu kurz. Ich war erst etwas skeptisch und hätte vermutlich ohne Unterstützung nicht eine so lange Vorbau/Rahmen-Kombi genommen. Passt aber super. .
    Gepusht hat mich Gruner eigentlich nicht, hat meine Anforderungen abgefragt und die entsprechenden Vorschläge gemacht -> wenn überhaupt hatte er den Son-Nabendynamo aktiv befürwortet.
    Grüße Stefan

  23. Frank aus Kiebingen am 13. Oktober 2017:

    Spannendes Thema hier, mich würde ja mal die Meinung von Herrn Stiehner interessieren zu der ganzen Thematik…?

  24. Stefan Stiener von Velotraum am 13. Oktober 2017:

    @ Frank,
    eigentlich ist das Wesentlich in den Kommentaren schon zum Ausdruck gebracht. Desweiteren ist es müssig auf Empfindungen und Behauptungen zu reagieren, die zum einen anonym und mehr oder weniger weit in der Vergangenheit liegen.

    Nur soviel. Es ist sicherlich nicht unser Bestreben als »übergriffig« empfunden zu werden, und es macht uns natürlich betroffen, wenn dies offensichtlich doch geschieht. Dafür kann es aber naturgemäß viele Gründe und Ursachen geben, wie zum Beispiel unsere äußerst beschränkten menschlichen Ressourcen. Oder auch das Ziel, unsere Kunden mit in die Verantwortung zu nehmen, insbesondere bei der Sitzposition. Das mag nicht jeder, unsere Erfahrung zeigt aber: anders geht es nicht. Mehr Informationen dazu, wie das konkret gemeint ist gibt es z.B. hier.

    Hilfreich und wünschenswert für uns wäre jedoch Klartext schon während oder kurz nach dem Kauf, am besten in einem persönlichen Gespräch. Dafür sind wir immer sehr dankbar.

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