Faschingsdienstag geschlossen

7. Februar 2013  |

Verstärktes Narrentreiben in Weil der Stadt… Für uns eine willkommene Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende vor dem Saisonstart.

Statt närrischem Treiben nutzen wir die Möglichkeit lieber zum närrischen Verhalten (so interpretieren wir das kopfschüttelnde Staunen der Mitmenschen, wenn man die Tage als Radfahrer im Verkehrsgeschehen auftaucht). Dabei genießen wir nur die »pure Lebensqualität« [SZ] – zumindest meistens*….

(*) Winterradler-Albtraum

Manchmal können die winterlichen Verhältnisse aber auch zu einem gefühlten Horrortripp werden, wie es dem Chronisten just nach Veröffentlichung der obigen Meldung widerfahren ist…

Ein paar milde Tage in der Woche zuvor hatten mich dazu verführt, die Spikereifen gegen ein paar neue 55 Millimeter dicke Big Ben-Reifen zu tauschen. Ich war das Nägelrasseln auf Asphalt einfach leid, vom Rollwiderstand ganz zu schweigen. Doch der Winter ist Anfang Februar – welch überraschende Erkenntnis – noch nicht vorbei. Und zumindest bei Neuschnee und Schneematsch zeigte der Big Ben noch ganz gute Wintereigenschaften und so glaubte ich auf einen Reifenwechsel verzichten zu können. Tja, Glauben und Wünschen hilft halt nicht immer ;-)

Als ich am 07.02. am frühen Abend losrollte, funkelte die Straße schon gefährlich-prächtig im Licht des SON Edelux. Eine kurze Testbremsung ergab aber noch genügend Gripp. So richtig mulmig wurde es mir dann erst wieder auf den ersten Metern des Radwegs. Plötzlich fühlte sich die Lenkung so leichtgängig an, als hätte ich einen 25 mm Reifen mit 10 bar Luftdruck am Vorderrad montiert und nicht eine 55 mm Walze mit 1,5 bar. Just in dem Moment kam mir ein Stirnlampen-bewehrter Jogger entgegen, der mir zurief, »ich sollte aufpassen und dass es im Laufe der Strecke noch viel, viel glatter werden würde«.

Mit Müh und Not kam ich sturzfrei zum Stehen und schlitterte zu Fuß zum Anfang des Radwegs zurück. Der Weg nach Hause führte nun nur noch über die perfekt gestreute B295 nach Calw. Also nochmals kräftig durchatmen, ich wusste ja, was nun auf mich wartete: Kolonnen von genervt-dahin-brausenden Autofahrern, die sich da plötzlich mit einem aus ihrer Sicht völlig bescheuerten Radfahrer konfrontiert sehen. Eine nächtliche Inferno-Fahrt, bei der man über-deutlich seinen »Hindernis-Status« zu spüren bekommt. Die einen hupen, andere beschleunigen ganz demonstrativ und man selbst hat das Gefühl um sein Leben zu strampeln… Gott sei Dank kam es zu keiner wirklich gefährlichen Situation, was allein dem Umstand geschuldet war, dass sich überholende und entgegenkommende Blech-Kolonnen nur an den breiten Stellen der Bundesstraße trafen.

Fazit: Ich werde mit meinen Spikesreifen nun immer brav bis in den März hinein durchrasseln…

Kommentare

  1. velotraum webseite nerd nottingham am 12. Februar 2013:

    Hallo Stefan,
    Seit wann faehrst Du denn mit Besenstiel und Coldadose durch die Gegend? Normalerweise bist Du doch mit Lenkerendschalter und Shimano unterwegs? Tut dir etwa dier Ruecken weh oder ist ab Maerz wieder Rennrad angesagt?

  2. Matthias aus Bochum am 12. Februar 2013:

    Hallo Stefan,
    was hast Du denn da für grobstollige Spikereifen montiert? Meine 2,35er IceSpiker passen jedenfalls nicht unter die Schutzbleche und die Marathon Winter kommen bei viel Schnee doch an natürliche Grenzen, obwohl sie bei Glätte eine Bank sind.

  3. Stefan Stiener von Velotraum am 12. Februar 2013:

    @ nottingham-nerd,
    dieses Rohloffrad – mit VT500-Rahmen – fahre ich nun schon knapp vier Jahren und schätze insbesondere dessen Winterqualitäten, wenn Schnee und Schneematsch jede Kettenschaltung im Nu außer Gefecht setzen. Zudem kommt das Rad mit einem Minimum an Pflege über den Winter ;-)

    @ Matthias,
    es handelt sich um einen Nokia Exterm mit sage und schreibe 294-Stahlspikes. Der Reifen bietet selbst auf Blank- und Blitzeis noch Halt und Sicherheit. Fahre den Reifen nun schon im vierten Winter und so wie es aussieht hält der 2,1 Zoll breite Reifen, der viel »Luft« zum 65 mm breiten Schutzblech hat, nochmal vier Winter. Also der exorbitante Preis von 99,00 € ist durchaus gerechtfertigt.

  4. Rupert Drexel am 15. Februar 2013:

    Hallo Zusammen,
    also doch. Der E-Antrieb (Bionyx) hat es schon zu Velotraum geschafft. Weiter so. Dann könnte auch ich ein Kunde werden.
    Viele Grüße
    Rupert

  5. Ralf aus Hannover am 12. März 2013:

    Hallo,
    Einen 15 Jahre alten Satz Nokian Extream habe ich auch noch im Keller liegen. Anfangs fand ich es ziemlich faszinierend bei Schnee damit durch in der Nähe liegende Höhenzüge zu pflügen. Aber für häufigere oder längere Fahrten den ganzen Winter über läuft der Reifen viel zu schwer, kein Vergleich z.B. zu modernen Cross-Country-MTB-Reifen. Und das ständige Auf- und Abziehen der Reifen ist nicht praktikabel. Ich fahre jetzt im vierten Winter den Conti-Top-Contact-Winter, noch die alte Version ohne Lamellen-Profil. Es handelt sich nicht um einen Spikes-Reifen, sondern um einen normalen Reifen mit spezieller Winter-Gummi-Mischung. Im Gummi ist ein Material enthalten, Granulat oder Silikat, ich weiß es nicht genau, so dass der Reifen auf Eis bei vorsichtiger Fahrweise haftete – so erstaunlich es klingt. Eine Seitenführung in Eisspurrillen oder an sonstigen Kanten ist natürlich kaum vorhanden. Der Conti-Top-Contact-Winter ist also nichts für extreme Schnee- und Eistouren, sondern fürs Übergangswetter wenn’s auf irgend einer Brücke mal glatt ist, aber auch für gemäßigt-winterliche Verhältnisse. Wenn es extrem wird fahre ich Strassenbahn oder gehe zu Fuß, aber das sind in Hannover meist nur wenige Tage im Jahr. Der große Vorteil bei diesem Reifen liegt darin, dass er sich auf Asphalt wie ein ganz normaler, guter Trekkingreifen fährt. Ich ziehe den Reifen im Herbst auf und im Frühjahr wieder ab, wie Autofahrer es mit ihren Reifen eben auch tun. In vier Wintern hatte ich bisher keine Reifenpanne, obwohl ich hier in einem Kneipenviertel mit viel Glass wohne. -Der Marathon Supreme, mein Reifen im Sommer, ist da deutlich anfälliger. Der Preis im Laden war mit gut 60€ pro Decke aber wirklich happig, auch weil es sich nicht um einen Faltreifen handelt, sondern um einen mit schwerem Drahtkern. Im Internet sind die Preise aber günstiger. Mit Trekking-Spikes mit relativ wenig Nägeln habe ich keine Erfahrung. Ich kann den Conti-Top-Contact-Winter nur empfehlen und wundere mich, dass der Reifen offenbar wenig bekannt ist.

  6. MitdemRadzurArbeitinNRW am 25. Februar 2017:

    Ich fahre jetzt den zweiten Winter mit den Continental top contact winter mit Gummilamellen zur Arbeit (13km) und bin richtig begeistert. Zumindest im eher gemäßigten Winter in NRW die richtige Wahl. Ich fand den folgenden Testbericht nicht schlecht:

    http://www.simantik.de/fahrrad-winterreifen-test-continental.shtml

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