Rennlenker-Leidenschaft und Bestnote für Speedster »SP3«

14. Januar 2017  |

Der Rennlenker, in Verbindung mit einer möglichst vielfältigen Nutzung, hat bei Velotraum eine lange Tradition.

Beispielhaft stehen dafür der neue Speedster »SP3« mit Rohloff Speedhub sowie ein Privat-Projekt von Markus Mehigan.

Was im Moment unter dem Schlagwort Gravel-Road-Bikes subsumiert wird, gibt es bei Velotraum – in mehr oder weniger verwandter Form – seit 25 Jahren.

Zum »Beweis« haben wir zwei Archiv-Bilder ausgegraben, die zudem sehr schön veranschaulichen, dass die konzeptionelle Grundidee – ein vielseitiges Rennlenker-Rad – quasi zeitlos und wenn man so möchte universell ist.

Speedster – die neue/alte Velotraum Rennlenker-Welt

Auf der Eurobike hatten wir dem Fachpublikum bereits angekündigt, dass die gesamte Rennlenker-Welt zukünftig im Speedster stattfindet. Mit dem SP200 Rahmen haben wir dafür im letzten Jahr eine wesentliche Voraussetzung geschaffen und mit dem neuen SP3 (Speedster mit Rohloffnabe) nicht nur jede Menge Zuspruch erhalten, sondern auch eine Lücke im Speedster-Konzept geschlossen.

Aktuell hat dieser Versuchsballon nun auch die Tester der RADtouren überzeugt und begeistert. Für uns durchaus eine freudige Überraschung, denn letztendlich hat das Gefallen einer so ausgefallenen Lösung viel mit persönlichen Vorlieben zu tun und Tester sind auch nur Menschen. Hier haben wir einen Testauszug sowie ein schönes Zitat:

»Das Velotraum Speedster SP3 wäre ein würdiger Beitrag für den Concours des Machines im 21. Jahrhundert, einem Wettbewerb für Allroad-Langstreckenrennräder von Rahmenbauern, käme es nicht aus einer (stark individualisierten) Serienfertigung. Es ist leicht, kommt mit den 27,5-Zoll Laufrädern schnell in Fahrt und steckt voller kluger Lösungen für die Langstrecke.«

In der Serie wird der SP3 allerdings nicht mit einer hydraulischen Bremse kommen, sondern mit der mechanischen Tektro-Spyre. Spätestens beim Hinweis auf die giftige und einmal jährlich zu wechselnde DOT-Bremsflüssigkeit der SRAM-Scheibenbremsen, winken Kunden und Händler unisono ab. Damit bleibt das Fahrrad Problemstoff-frei und kann mit einfachen Mitteln repariert und gewartet werden. Wer sich von DOT und einem gesalzenen Aufpreis nicht schrecken lässt, dem bauen wir einen SP3 auch gerne mit hydraulischer Scheibenbremse ;-)

Finder mit Rennlenker

Inzwischen ist auch Markus Mehigan – technischer Leiter bei Velotraum – vom Finder-Virus befallen. Vor gut zwanzig Jahren musste Markus noch von den Vorzügen des Rennlenkers überzeugt werden, inzwischen will er das kurvige Ding in keinem Rad mehr missen.

Entstanden ist ein ziemlich außergewöhnliches Rad mit gewaltiger Ausstrahlung, denn die breiten Reifen und der Rennlenker stehen in einem aparten Kontrast. Dabei ist Markus Finder keine Stilübung, sondern ein Pendlerrad, welches ein effizientes und erlebnisreiches Hin und Zurück zur Arbeit ermöglicht und zwar aspahlt- und autofrei. Schon ohne Federgabel ist so ein Rennlenker-Finder das perfekte Über-Gravel-Bike, – mit einer Magura TS8 (29er, 100 Millimeter Federweg) tut sich eine weitere Dimension hinsichtlich »da komme ich bestimmt (schnell) durch« auf.

Dennoch wird es einen Finder mit Rennlenker aus Ergonomie-Gründen vorerst nicht geben, da die Sitzlänge extrem lang und gestreckt ausfällt, denn das lange Oberrohr des Finders und der Rennlenker »passen« eigentlich nicht zusammen. Ausnahme: sehr sportliche und gut trainierte Fahrer, die sehr lang und gestreckt sitzen können und wollen.

Daher sehen wir für einen weiteren Finder-Rahmen mit einer Rennlenker-geeigneten Geometrie im Moment noch keinen Markt, der die hohen Investitionen rechtfertigen würde. Wenn uns allerdings aufgrund dieses Artikels 50 Blindaufträge samt Anzahlungen ins Haus flattern, dann… ;-)

Markus Mehigan über seinen Rennlenker-Finder

Tja, da steh’ ich nun am Montageständer und montiere meinen persönlichen Finder im MTB-setup: 72cm breiter, gerader Lenker, 2×10 Schaltung… und mache mir dabei so meine Gedanken. – Eigentlich habe ich ja ein MTB (Velotraum VT 500 mit Federgabel) und jetzt noch eins?

Was wollte ich eigentlich? Ein Rad für meine Alltagsstrecke, auf Nebenwegen, ohne Autoverkehr, Bikepacking und das gelegentliche kleine Abenteuer. Also MTB-Lenker wieder weg, Rennlenker aus dem Regal gegriffen, STI-Hebel dran und siehe da, es schaltet hervorragend. Also Lenkerband dran und nach Hause gefahren.

Fühlt sich gut an. – Schotterwege Waldbodentrails, nochmal etwas Luft aus den 70 Millimeter breiten Reifen ablassen und dann: dahingleiten im Wohlfühlmodus. Bingo, dass ist mein Rad! Flotte, gestreckte Sitzposition, gewohnter Rennlenker, komfortable, griffige Reifen und ein Fahrwerk, das fast jeden Untergrund mitmacht. Eine Wonne über die Waldwege zu fegen, selbst die holprigen Wiesenwege sind mit den 70 mm Reifen entspannt zu fahren. Übermütig biege ich in den ersten Wurzeltrail ein, auch hier spielen die breiten Reifen ihre Stärke aus, trotzdem könnte ich mir auf diesem ruppigen, steinigen Trail am Rand des Nagoldtals eine Federgabel vorstellen!

Mit seiner gewohnt wendigen Geometrie lässt sich der Finder flott über schmale Trails bewegen und trotzdem läuft er bei schnellen Abfahrten ruhig geradeaus. Typische Velotraum-Geometrie eben. Lediglich der Rennlenker schränkt die Geländegängigkeit etwas ein. Während der folgenden Wochen wird mir dann klar, dass ich mit dem Finder nicht nur ein Spaßvehikel bewege, sondern ein Rad, das sich sowohl zum Pendeln, als auch für ausgedehnte Touren hervorragend eignet. Immer häufiger benutze ich den Finder im Alltag, suche neue Verbindungen abseits der Straßen. Lediglich einen Gepäckträger vermisse ich gelegentlich, aber ein passender Tubus Vega für den Finder ist ja schon in Arbeit.

Um noch mehr Komfort zu generieren ist nun testweise seit Dezember eine Magura TS8-Federgabel in meinem Finder. Es ist nicht das erste mal, dass ich ein Rennlenker mit Federgabel kombiniere und ich bin auch dieses mal wieder begeistert. Zwar wird das Rad etwas schwerer (14,4 Kilogramm mit Schutzblechen), dafür sind jetzt die ruppigen Wurzeltrails und die knochenhart gefrorenen Wege komplett entschärft, eine gefederte Sattelstütze (Cane Creek Thudbuster ST) tut ihr übriges.

Mit der Federgabel ist der Finder jetzt meine eierlegende Wollmilchsau. Komfortabel auf fast jedem Untergrund, geländegängiges MTB, Reiserad für allerlei Schotterpisten und mit Alltagsaustattung nun mein Lieblingsrad zum Pendeln mit möglichst wenig Kontakt zum Straßenverkehr. Es ist zu befürchten, dass mein Speedster nun doch etwas öfter zu Hause bleiben muss ;-)

Die wichtigsten Ausstattungsdetails: Schaltung:Tiagra STI 10 fach; Übersetzung vorn: 24/38, hinten: 11-34; Reifen: Schwalbe Rocket Ron 70-584 tubeless.

Kommentare

  1. Karl-Heinz am 14. Januar 2017:

    Wegen der Thematik Randonneur-Rennlenker-mit-STI-an-Rohloff-Speedhub sehe ich manchmal hier bei Velotraum vorbei. Obschon Velotraum für mich als Liebhaber gemuffter Stahlrahmen und der nötigen Kettenstrebenlänge für Schuhgröße 48 am Reiserad nicht infrage kommt.

    Interessante Entwicklungen. Mein Rad mußte ich selbst mit dem Gilles Berthoud Drehgriff am Rennlenker mit der Speedhub verbinden, von Magura die Bremsgriffe HS66 und HS11 Bremse. Eine hydraulische Scheibenbremse mit STI und Speedhub ist genau das, was mich interessiert.

    Weshalb aber jetzt so ein Tamtam um die DOT machen und auf mechnische Scheibenbremse ausweichen? Seit über dreißig Jahren wechsele ich am Motorrad alle zwei Jahre die Bremsflüssigkeit. Nach einer halben Stunde bin ich damit fertig, entsorgt wird beim örtlichen Wertstoffhof. Wo ist bitte der Punkt beim Fahrrad? Für Käufer und Händler?

  2. Alexander am 15. Januar 2017:

    @ Karl-Heinz,
    die Bedenken mit der Schuhgröße kann ich dir nehmen. Lebe ebenfalls auf Größe 48 und habe mit meinem VT-Exzenter-Rahmen keine Probleme.

    Beim Kauf habe ich das Thema angesprochen und da wurde mir erklärt, dass nicht die Kettenstrebenlänge allein entscheidend sei, sondern vielmehr die Position der Gepäckträgeröse. Diese sitzt bei VT sehr tief und und weit hinten, also optimal. Selbst mir Straßenschuhen habe ich im Alltag keine Probleme.

    PS.: Die HS 66-Ära habe ich hinter mir und fahre mit großer Zufriedenheit die mechanische Spyre-Bremse. Allerdings hatte ich nie ein Töff, mir fehlt also die Öl-, Schmiere-, Benzin-Konditionierung ;-)

  3. Thomas am 15. Januar 2017:

    Fahre einen VT900 ex mit Back-Roller pro plus am Tubus Cargo
    ohne Probleme mit Schuhröße 50 :-)

  4. Ingo am 15. Januar 2017:

    Schönes Radl das SP3!
    Hat alles was ich so mag und selber bevorzugt benutze.

    - Rennlenker mit STI-Bedienung
    - 14-Gang Getriebenabe
    - Scheibenbremsen
    - nichts unnötiges dran

    Eine zuverlässige Beleuchtung mit Nabendynamo würde ich noch als Extra ordern.

  5. Jörg vom See am 16. Januar 2017:

    mmmm…….

    Mad-Monster-Markus-Mehigan- Mega- Maschine !!!!!!! Sieht verrückt aus, aber macht M wie mächtigen Eindruck!

  6. Phillip Liedke am 19. Januar 2017:

    Das SP3 wird sicher sehr beliebt. Rennlenker mit Rohloff in leichtem Rahmen…

    Offen bleibt für mich die Wahl der Bremsen in Kombination mit Rennlenker:
    Warum bietet Velotraum keine freie Wahl zwischen Felgen- oder Scheibenbremsen?

  7. RadRolli am 19. Januar 2017:

    Ja, an die Frage von P. Liedke häng ich mich mal dran, blicke nämlich bei der Modellvielfalt von VT auch nicht mehr so richtig durch. Meiner Meinung nach müsste es für den vorgestellten Speedster mit Rohloff noch die Felgenbremsoption geben, ist das so? Und, da sich für mich auch mal die Rohloff-Frage stellt: Wird man die Kombination Rohloff und Felgenbremse in Verbindung mit den Alurahmen auch in den nächsten Jahren noch bei VT bekommen?

  8. Stefan Stiener von Velotraum am 19. Januar 2017:

    @ Phillip und RadRolli,
    seit Magura die hydraulische Rennlenkerbremse HS66 eingestellt hat, gibt es keine wirklich empfehlenswerte Felgenbremse mehr. Einzig die Kombination aus Tektro Bremshebeln und V-Brake war noch mehr als akzeptabel, zumindest nach unseren Maßstäben. In Kombination mit dem Co-Motion Drehgriff haben wir diese Lösung viele Jahre angeboten. Allerdings mit Jahr für Jahr sehr stark rückgängiger Nachfrage.

    Auf der anderen Seite wählten immer mehr Kunden mechanische Scheibenbremsen und sind, wir wir selbst, ausgesprochen zufrieden damit.

    Mit der Rohbox gibt es nun eine Lösung, die ein Kombination aus STI-Schalthebeln und Rohloff ermöglicht. Wollte man die SRAM STI-Hebel mit einer V-Brake kombinieren, bedarf es noch eines V-Brake-Adapters. Auch diesen Adapter haben wir viele Jahre angeboten, da diese Lösung zumindest der Cantileverbremse überlegen war, allerdings allen anderen Bremsen deutlich unterlegen. Aus diesem Grund waren auch hier die Verkäufe extrem rückläufig.

    Auf der anderen Seite haben wir eine Fragmentierung der Laufradgrößen, die auch von uns mehr Flexibilität erforderte. Noch wichtiger, mit extrabreiten Felgen, die nur in der Verbindung mit Scheibenbremsen möglich sind, lässt sich mehr aus dem Reifenvolumen herausholen. Also neben der Bremsleistung gibt es noch weitere wichtige Pluspunkte für die Scheibenbremse, insbesondere für Fahrräder mit Rennlenker.

    »Offiziell« wird es den SP3 nicht mehr mit Felgenbremsen geben, da ist einfach die technische Entwicklung weitergegangen. Aber wie schon mehrfach erwähnt, versuchen wir – wenn es möglich ist – jeden Kundenwunsch zu erfüllen, sofern wir den eventuell entstehenden Mehraufwand honoriert bekommen.

    Zur Modellvielfalt: die kurz schon vorgestellte neue Struktur sollte da eigentlich mehr Klarheit bringen.

  9. RadRolli am 20. Januar 2017:

    Danke für die ausführliche Antwort, die Argumente sind nachvollziehbar. Persönlich find ich’s aber schade, dass die Scheibenbremse überall zum Standard wird, mir reicht die V-Brake völlig, sie spart ein wenig Gewicht auf der (relativ) flotten Abendrunde, genügt mir auch auf Mehrtagestouren mit ein wenig Gepäck, und wenn unterwegs was quietscht oder schleift, kann ich es selbst beheben.

  10. bbike am 20. Januar 2017:

    wie ist denn die Robustheit / Stabilität einer Scheibenbremse einzustufen ? Ich benutze mein velotraum rad mit Felgenbremse gerne auf Reisen , dh ab ins Fluggepäck oder unsaft in das Gepäckabteil im Bus , Klappe zu und ein paar Stunden durchgeschüttelt . Sind Scheibenbremsen anfälliger bzgl Beschädigung ? Bei meiner Felgenbremse habe ich immer das Gefühl sie ggf. noch irgendwie hinbiegen zu können falls mal etwas passiert , was wohl bei Scheibenb. dann schwieriger ist ? oder ? habt Ihr Erfahrungen ?

  11. RadRolli am 20. Januar 2017:

    @bbike,,
    hab das gleiche Gefühl. Vor zwei Jahren auf der Rückfahrt vom Kruzifix-Radweg musste ich mein Rad am Bahnhof durch eine Luke in den Zug reichen, wo es dann ohne dass ich reagieren konnnte in einen Verschlag auf die anderen Räder draufgeschmissen (fällt mir nichts besseres ein, vielleicht noch draufgepresst) wurde. Schutzblech war ein bisschen verbogen. Um die Bremse musste ich mir keine Gedanken machen (muss ich seit zehn Jahren nicht), war o.k.. Auch deshalb lieber Felgenbremse. Aber vielleicht gibt’s ja andere Erfahrungen.

  12. niewiederfelgenbremse am 23. Januar 2017:

    Also wir haben schon seit 10 Jahren nur noch Scheibenbremse und verladen das Velo oft. Mit den Bremsscheiben oder der Hiydraulik haben wir noch nie einen Schaden gehabt beim Verladen. Wenn beim Verladen etwas gelitten hat, war das die Kettenschaltung – deshalb steigen wir auf Pinion um …
    Bei extremer Kälte (wie jetzt) können die Bremsen ziemlich quietschen, das ist der einzige Nachteil, den ich bis jetzt feststellen kann.
    Und falls die Scheibe mal doch verbogen sein sollte, kann man sie relativ präzis wieder zurückbiegen (z.B. mit einem geschlitzten Blech oder einem Engländerschlüssel) …

  13. Matthias aus Bochum am 23. Januar 2017:

    Werden die flacheren Winkel an Markus’ Finder durch die höhere Einbauhöhe der Federgabel durch das Einfedern bei Belastung mit Fahrer und Gepäck wieder ausgeglichen? Der Unterschied sieht auf den Fotos recht deutlich aus.

  14. Stefan Stiener von Velotraum am 25. Januar 2017:

    @ Matthias,
    richtig, der SAG – Negativfederweg – kompensiert die 30 mm größere Einbaulänge zu einem großen Teil, oder anders ausgedrückt: der Finder fährt auch mit Federgabel einfach nur gut. Wir glauben, dass selbst noch 20 mm mehr Einbaulänge zu vertreten sind.

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