Velotraum-Pedelec: Drei Erfahrungsberichte und alle Details

2. Dezember 2013  |

Das Velotraum-Pedelec ist eine Lösung für Radfahrer, die möglichst viel Fahrrad in Verbindung mit einer passenden Unterstützung suchen.

Mit »viel Fahrrad« meinen wir, dass sich auch ein Pedelec in einem hohen Maß den Bedürfnissen des Fahrers anpassen lassen sollte, insbesondere hinsichtlich der Gesamtergonomie.

Die ideale Basis für ein Velotraum mit einem Neodrives-Nabenmotor ist ganz zweifellos unser Rahmenmodell cross 7005 EX Komfort. Dieser Rahmen bietet üppige Stabilitätsreserven und einen besonders großen Anpassungsspielraum für die ergonomische Passform, also die Sitzposition mit allen Einzelaspekten und -maßen. Weitere Pluspunkte dieses Rahmens sind die geringere Durchstiegshöhe, sowie ein leicht modifizierter Gesamtschwerpunkt.

Vielseitiges Nischenprodukt und nur vor Ort

Uns ist natürlich bewusst, dass so ein Velotraum-Pedelec nur einen kleinen Kreis potentieller Käufer ansprechen wird. Schließlich gibt es ja gute Motorensysteme mit einer ganz passablen Fahrradtechnik drumherum schon für 2.500 bis 3.000 EUR. Unsere Lösung wendet sich an Velotraum-Stammkunden, die auch beim Pedelec nicht auf die Anpassung und das Fahrgefühl eines Velotraums verzichten möchten und an anspruchsvolle Pendler und Freizeitradler, die sich mit dem angeboten Pedelec-Standard nicht anfreunden können.

Eine weitere Besonderheit ist der vergleichsweise schnelle und einfache Umbau in ein rein muskelbetriebenes Fahrrad, zum Beispiel für den Radurlaub. Lediglich ein zusätzliches Hinterrad ist notwendig, um über zwei umfassend passende Fahrräder zu verfügen.

Das Velotraum-Pedelec wird nicht über unsere Fachhandelspartner angeboten, sondern kann nur hier vor Ort geplant und gekauft werden. Diese, auf den ersten Blick ungewöhnliche, Entscheidung ist sowohl der komplexen und anspruchsvollen Materie geschuldet, als auch den (gesättigten) Marktrealitäten. Unsere Händler haben uns auf Nachfrage unisono zu verstehen gegeben, dass sie an einem Velotraum-Pedelec wenig interessiert sind, oder sie lassen inzwischen ganz die Finger vom motorunterstützten Fahrrad. Allerdings ist diese Entscheidung zumindest unserseits nicht in Erz gegossen.

Natürlich muss auch ein Pedelec der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO; nicht verwechseln mit der StVO) entsprechen, wenn es auf öffentlichen Straßen und Wegen bewegt wird. Auch die CE-Kennzeichnung, die jedes Pedelec in Deutschland haben muss, schreibt dies zwingend vor.

Zum Herunterladen: Ausführliche Beschreibung des Velotraum-Pedelecs (Ausstattungsvorschlag »VK-1«) mit allen Details und Wahlmöglichkeiten (Pdf 1,5 mb).

Eindrücke aus der Velotraum Fahr- und Testpraxis im Anschluss.

Pit Heynhold – bisher reiner Mitochondrien-Antrieb

Arbeitsweg hin und zurück 50 Kilometer und 550 Höhenmeter, auf dem Heimweg mehr Steigungen.

Zeitersparnis auf der Hinfahrt zirka 10 Minuten, auf der Rückfahrt gut 15 Minuten. Beide Strecken empfinde ich als deutlich weniger anstrengend, als ohne Unterstützung. Der Sportmodus funktioniert für mich sehr gut, da auch höhere Trittfrequenzen unterstützt werden. Somit ist ein rundes gleichmäßiges Treten am Berg möglich. Angenehm ist, dass die Unterstützung bei 25 km/h sanft und nicht abrupt aufhört. Höhere Geschwindigkeiten als 25 km/h auf der Ebene sind nur mit höherer Anstrengung zu erreichen, außer bergab. Bedienung und Display sind übersichtlich und hochwertig. Ich könnte mir vorstellen, mit einem solchen E-Velotraum in Zukunft 4 Tage anstatt bisher 2 Tage pro Woche zur Arbeit zu fahren.

Stefan Gerlach – 7.500 km Bionx (Modell 2011/12)

Arbeitsweg hin und zurück 54 Kilometer und 600 Höhenmeter, auf dem Heimweg mehr Steigungen.

Das Neodrive-System fällt durch seine angenehm gleichmäßige Kraftentfaltung auf. Es reagiert sehr schnell auf Pedaldruck und fühlt sich neutral an. Auch an Anstiegen sehr konstante Leistungsabgabe. Allerdings ist kein Unterschied zwischen den beiden höchsten Unterstützungsstufen spürbar. Im Sportmodus kann ich mit hoher Trittfrequenz gute Unterstützungsleistung abrufen. Wird Kraft vom Pedal genommen, reagiert auch die Motorsteuerung sofort und regelt runter, es ist so gut wie kein »Nachschieben« spürbar (bei BionX stark spürbar). Bergab rollt der Neodrive-Antrieb gut, viel besser als mein BionX. Wird in der Ebene aus eigener Kraft über 25/26 km/h gefahren, ist ein Widerstand vorhanden, vergleichbar zu BionX, jedoch nicht stärker. Deutlich angenehmer ist der Übergang über 25km/h, der Motor regelt sehr sanft raus. Es sind kaum Lastwechsel spürbar. Der Stromverbrauch/Wirkungsgrad des Systems scheint auch »besser« zu sein, auf meinen beiden Fahrten hatte ich jeweils noch fast die Hälfte der Ladung des 11,2 AH Akkus übrig.

Des weiteren glänzt der Motor mit Kassettenaufnahme (endlich gute Schaltperformance!), und eine klapper- und hakelfreie Akkuschiene, auch die Fernbedienung am Lenker ist sehr angenehm, zum Unterstützungsstufenwechsel muss der Lenker nicht mehr losgelassen werden, ein Daumendruck reicht. Alles in allem eine spürbare Verbesserung gegenüber meinem BionX.

Markus Mehigan – 6.500 km BionX (Modell 2012/13)

Arbeitsweg hin und zurück 40 Kilometer und 900 Höhenmeter, auf dem Heimweg mehr Steigungen.

Der Neodrive-Antrieb fällt sofort durch seine angenehm gleichmäßige Kraftentfaltung auf. Er reagiert sehr schnell auf den Pedaldruck, fühlt sich sehr neutral und natürlich an. Auch an Anstiegen sehr konstante Leistungsabgabe. Allerdings kein Unterschied zwischen den beiden höchsten Unterstützungsstufen spürbar. Wird Kraft vom Pedal genommen, reagiert auch die Motorsteuerung sofort und regelt runter, es ist so gut wie kein »Nachschieben« spürbar (bei BionX stark spürbar). Sehr natürliches Fahrgefühl.

Beim Schlussanstieg (250 Hm, 9% Steigung) bleibt die Leistung konstant, ist allerdings dem BionX etwas unterlegen. Das gilt auch grundsätzlich an Steigungen über 8–9%. Bergab rollt der Neodrive-Antrieb gut, kaum ein Unterschied zu einem Rad ohne Motor. Wird in der Ebene aus eigener Kraft über 25/26 km/h gefahren, ist ein Widerstand vorhanden, vergleichbar zu BionX, jedoch nicht stärker. Deutlich angenehmer ist der Übergang über 25 kmh, der Motor regelt sehr sanft aus. Es ist kein »Pulsieren« wie beim BionX spürbar. Nach meinen beiden Strecken war noch gut »Rest« im Akku, ich hätte noch Reserve, z.B. um beide Wege mit höchster Unterstützung zu fahren.

Insgesamt das angenehmste System, welches ich bisher gefahren bin. Nun fehlt nur noch die gesetzliche Regelung zu einer (legalen) 30-kmh-Variante.

Ausführliche Beschreibung des Velotraum-Pedelecs mit allen Ausstattungsdetails und Wahlmöglichkeiten (Pdf 1,5 mb).

Kommentare

  1. Hartmut Weidenbach am 3. Dezember 2013:

    Was kostet denn ein pedelec mit guter Ausstattung ?
    Kann man den Motor auch in den Speedster einbauen ?

  2. Thomas Bergenroth am 3. Dezember 2013:

    Moin,

    schade, ich hatte auf einen Nachrüstsatz für meinen Radhändler gehoft…
    Als Norddeutscher werde ich kaum mit dem Rad nach Weil der Stadt kommen. Und wenn dann ein Probnlemchen auftritt, muss ich wieder gen Süden…
    Tschüß

    Thomas Bergenroth

  3. Hartmut Weidenbach am 4. Dezember 2013:

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil :-)

    Manchmal nimmt “mann” sich einfach zu wenig Zeit einen so guten Artikel richtig zu lesen.

  4. Werner Klein am 5. Dezember 2013:

    Wie lässt sich das Velotraum denn ohne Motorunterstützung fahren, unterscheidet es sich vom Normalrad, hat es eine Art Freilauf, muss man gegen den Widerstand des Motors antreten? Abgesehen vom Gewicht, wäre ja dann kein Unterschied zum Normalrad?!

  5. Stefan Stiener von Velotraum am 5. Dezember 2013:

    @ Werner Klein,
    ein Pedelec ohne Motorunterstützung zu fahren macht wenig Freude. Speziell beim Nabenmotor fährt man einen überdimensionalen »Dynamo« spazieren, dessen Grundwiderstand mit Muskelkraft kompensiert werden muss. Bei Pedelecs mit Mittelmotor sind die Leerlauf-Widerstände kleiner, aber auch hier ist das Fahren ohne Motor sozusagen nur ein Notmodus.

    Daher ist es uns ja auch so wichtig, dass das Hinterrad (und somit der Motor) mit vergleichsweise wenig Aufwand zu tauschen sind. Erst nach dem Rückbau hat man wieder ein richtiges Normalrad-Gefühl.

  6. Kurt am 5. Dezember 2013:

    Habe gelesen, dass der Neodrives-Motor komplett verschweißt – also nicht zu öffnen und zu warten, weil ganz ohne Schrauben ! – verbaut sei (was in dem Beitrag als Zeichen grenzenlosen Vertrauens der Herstellerfirma Alber in ihr Produkt gedeutet wurde): Können Sie das bestätigen? Und falls dem so ist, wie könnte denn so ein Motor im Falle eines Defektes z. B. der Hall-Sensoren (werden i. d. R. aufgeklebt, und der Kleber kann sich lösen, dann fällt mit einem Sensor auch der Motor aus) überhaupt repariert werden? Liefert Alber in einem solchen Fall vielleicht gleich einen komplett neuen Motor?

    Diese Details zu wissen, erscheint mir wichtig, denn wenn ich richtig informiert bin, befindet sich auch die gesamte Steuerung mit in dem Motorgehäuse. Also, mehr technische Information über das ganze Motor-System wäre schon noch hilfreich!

    Anmerkung: Gefahren bin ich vor gut einem Jahr schon einmal den Alber-Motor (unter der Bezeichnung “Greenmover”) in einem Bulls-Pedelec und war ziemlich begeistert, hatte aber nicht so genau hingeschaut auf das Gehäuse.

  7. Stefan Stiener von Velotraum am 6. Dezember 2013:

    @ Kurt,
    wir können nach Rückfrage beim Hersteller bestätigen, dass der Nabenmotor komplett verschlossen und nicht für eine mechanische Reparatur ausgelegt ist. Der Hersteller Alber ist davon überzeugt, dass der Nabenmotor so zuverlässig und robust ausgelegt ist, dass Probleme nur auf der Software-Ebene auftreten können und über die Servicesoftware somit auch zu beheben sind. Im Gewährleistungsfall wird der Motor innerhalb von fünf Tagen von der Firma Ulrich Alber ersetzt.

  8. Kurt am 6. Dezember 2013:

    Das klingt ja wirklich vertrauenserweckend! Jetzt wüsste man nur noch gerne, für welchen Zeitraum (Garantie) die Firma Alber denn solche Gewährleistung dem Kunden bietet – es müsste sich ja, weil man den Motor nicht reparieren kann, um eine sehr lange, der Lebensdauer der großartigen Velotraum-Räder angepasste Gewährleistung handeln; 3 oder 5 Jahre jedenfalls würden mir da nicht reichen. Danke für auch noch diese Information.

  9. Jochen am 9. Dezember 2013:

    Ich bin den Albermotor in einem Bullspedelec auch schon Probegefahren und hatte den Eindruck auch ohne Motorunterstützung (auf der Ebene) lies sich das Rad noch gut fahren, ich mußte nur einen Gang runter schalten. Ich habe schon viele Pedelecs getestet und halte den Albemotor auch für den besten Antrieb auf dem Markt!
    Kann man diese Erfahrung hinsichtlich “ohne Motorunterstützung” auch vom Velotraum erwarten?

  10. Stefan Stiener von Velotraum am 9. Dezember 2013:

    @ Jochen,
    der sytembedingte Widerstand (»ein Gang runter schalten«) bei abgeschaltetem Motor wird beim Bulls und Velotraum identisch sein. Die Software bietet zwar sehr viele Möglichkeiten das System abzustimmen, allerdings nicht den Widerstand im ausgeschalteten Zustand. Das ist aber sicherlich die einzige Gemeinsamkeit, eines Bulls- und Velotraum-Pedelec ;-)

  11. Jochen am 10. Dezember 2013:

    Hallo Herr Stiener,
    danke für die schnelle Antwort. “Das ist aber sicherlich die einzige Gemeinsamkeit, eines…”, das hoffe ich doch sehr! Denn bei allen bisher getesteten Pedelecs war mein Hauptproblem weniger der Antrieb, sondern die immer eingeschränkte Möglichkeit der individuellen Anpassung. Daher freue ich mich schon auf einen Besuch Anfang nächsten Jahres bei Ihnen!
    Viele Grüße aus Augsburg!

  12. Genius Anonymus am 14. Dezember 2013:

    Herbsttag – oder Herr: es ist Zeit (für ein Pedelec)
    Herr: es ist Zeit. Die Zweifel waren groß.
    Nun aber: Scheine auf die Ladentheke
    und an VELOTRAUM den Auftrag – los!

    Befiehl dem Alber-Motor toll zu sein;
    gib ihm noch ne zusätzliche Stufe,
    dränge ihn zur Vollendung hin und rufe
    die letzten Newtonmeter aus seinem Gebein!

    Wer jetzt kein Pedelec hat, kauft sich keines mehr.
    Wer jetzt ohne Strom ist, wird es lange bleiben,
    wird wachen, Stefan Stiener lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    Aus: Das Buch der Räder (frei nach Rainer Maria Rilke)

  13. Dietmar Weber am 28. Dezember 2013:

    Hallo Herr Stiener,

    kann der Alber-Motor auch in eines Ihrer Tandems eingebaut werden?

  14. Stefan Stiener von Velotraum am 28. Dezember 2013:

    @ Dietmar Weber,
    das ist im Moment nicht möglich. Bevor wir darüber nachdenken, möchten wir erst noch Erfahrungen mit normalen Rädern sammeln.

  15. Tom am 4. Januar 2014:

    Hallo Herr Stiener,

    ist bei diesem Motor auch Rekuperation vorgesehen ? Eigentlich ein Vorteil gegenüber den Tretlagermotoren.

  16. Stefan Stiener von Velotraum am 4. Januar 2014:

    @ Tom,
    eine Rekuperation ist vorhanden. Allerdings ist der erzielbare Energiegewinn in der Fahrpraxis sehr gering.

  17. Rainer, HH am 4. Januar 2014:

    Hi Leute,
    die beiden letzten Berichte scheinen den gleichen Autor zu haben, oder sind aus dem Werbeprospekt kopiert. Sehr schlechte Werbung!
    Ansonsten erscheint ein Pedelec durchaus seine Daseinsberechtigung zu haben.
    Viel Erfolg!

  18. Olaf am 21. Januar 2014:

    Hallo,
    wäre denn auch die Auf-/Umrüstung eines vorhandenen 3XL-Rahmens denkbar?

  19. Stefan Stiener von Velotraum am 21. Januar 2014:

    @ Olaf,
    ja, die Nachrüstung in einen vorhandenen 3XL-Rahmen mit Kettenschaltung ist möglich.

  20. Jochen am 19. März 2014:

    Mich würde noch interessieren, welche Akkus mit dem Alber-Motor angeboten werden? Viele Grüße

  21. Stefan Stiener von Velotraum am 19. März 2014:

    Hallo Jochen,
    der Akku kommt von BMZ und die technischen Daten sind: Lithium Ionen 14,5Ah; Nennspannung 36,2V; Ladeschlussspannung 42V; Gesamtenergie 515Wh, Schutzart IP54; Gewicht ca. 3,5kg.

  22. Frank am 18. Juli 2014:

    Ich muss hier mal mal eine Lanze für den BionX brechen:
    1.
    BionX hat seine Motoren mittlerweile auch mit Kassetttenaufnahmen augestattet. Meiner läuft und schaltet sich perfekt!
    2.
    Außerdem kann man die Charakteristik/Stärke/Nachlauf des Antriebes über die Eingabe von Codes an der Konsole ganz einfach und absolut individuell an den Fahrer anpassen, was wirklich einzigartig ist.
    3.
    Dazu ist das Tretgefühl durch Verwendung eines DMS an der Motorachse absolut natürlich und direkt und nicht verfälscht-gummiartig wie bei vielen anderen Trittkraftsensoren.
    4.
    Das Auslaufen der Unterstützung hat sich bei der aktuellen SW auch stark verbessert.
    5.
    Im Herbst kommt übrigens der neue D-Motor (samt größerem Akku) als Nachrüstkit auf den Markt, der das System unter den DD-Motoren nun konkurrenzlos bergtauglich macht (noch mehr Drehmoment von 25/50 Nm, sehr spätes Herunterregeln am Berg), auf den Markt.
    6.
    Während man in Foren viel Kritik bezüglich der Rekuperationsfunktionen des Alber-Antriebes liest, ist sie beim BionX nahezu perfekt umgesetzt ( z.B. kein verzögertes Motoreinsetzen nach Benutzung der Bremshebelreku, 4 Rekustufen) und soll ersten Erfahrungsberichten nach beim D-Motor nochmal wesentlich effizienter und stärker sein.

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