Was geht? – Von Glanzlichtern und den Mühen in der Ebene

10. Dezember 2010  |

Wer glaubt, dass wir bei Minusgraden und Schneetreiben die Beine hochlegen… weit gefehlt.

Die Zeiten, in denen die Wintermonate eine Auszeit bedeutet haben, sind lange vorbei. Fortbildung, Produktentwicklung, Veranstaltungen und Megaprojekte sorgen für Abwechslung.

Und logisch, nicht jedes Projekt und Vorhaben entwickelt sich wunschgemäß, aber ein paar Glanzlichter und Energiebringer sind immer dabei :-)

Glanzlicht: Rad-und-Reise-Abend 2010, »Carlo«, »Branchentreff« und »Potenzial Mensch«

Rad-und-Reise-Abend 2010

Es war, im besten Sinne, wie immer. Zumindest fast. Siebzig aufgeräumte Gäste, ein tolles Buffet, viele Gespräche und vier völlig unterschiedliche Radreisen füllten spielend die fünf Stunden von 19:00 bis 24:00 Uhr. Für einen holprigen und verspäteten Einstieg in den Abend sorgte im übrigen »Stuttgart 21«. Denn Andreas Weiller, samt seiner Bilddateien, wurde zum Verspätungsopfer eines wiederholten S-Bahn-Ausfalls im Vorfeld der Stuttgart-21-Arbeiten…

Der erste Reisebericht von Veloträumerin Heidrun Dzierzon und ihrem Mann Rainer führte nach Schottland. In die Welt der Lochs und Highlands mit sexistischen Stechfliegen (fallen nur Frauen an), gar nicht soviel Regen, Harry Potter- und Highlander-Landschaften, Teatime, Bed&Breakfast, haarsträubenden Steigungen und einem faszinierenden Festival in Edinburgh. Ein Bericht, der Lust auf mehr machte.

Mit Mücken hatte Matthias Weiller im spät-herbstlichen Schweizer Jura nicht mehr zu kämpfen. Dafür – in der kostspieligen Schweiz – mit der Entscheidung »wild Zelten« oder abends »Essen gehen« und Nachttemperaturen um die null Grad. Belohnt wurden die Zuschauer und Matthias Weiller durch einen bunten, leuchtenden Bilderbuchherbst, grandiose Ausblicke auf den Alpenhauptkamm und unzähligen, unbekannten und wenig befahrenen Passstraßen, die der leidenschaftliche Klettermaxe Matthias zuvor via Google Maps ausgekundschaftet hatte. Zum ausführlichen Bericht und Routenbeschreibung (PDF), den uns Matthias freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat, geht es hier lang.

Durchs Land des »Máximo Líder« Fidel Castro reisten Sabine und Roland Schmitt. Die faszinierenden Bilder Ihrer Kuba-Reise zeigten eine andere Zeit, quasi einen anderen Planeten. Der offensichtliche Mangel in Kuba, die Armut ohne Elend wirkten schon beim Zuschauen entschleunigend und Rolands Bilderzauber präsentierte ein Leben, das wir schon lange nicht mehr kennen. Für potentielle Kuba-Radreisende gilt: nicht zögern, denn mit Fidel wird auch diese Welt verschwinden…

Neuseeland mit dem Fahrrad ist sicherlich nichts Besonderes mehr. Mit zwei Kleinkindern im Anhänger drei Monate durch die Nord- und Südinsel zu radeln allerdings schon. Zumal, wenn es die erste Radreise ist! Es war großartig mitzuerleben, wie der Dresdner Frank Weiner und seine Familie diese Reise gestalteten und erlebten. Die Hochachtung und Bewunderung im Publikum war mit Händen greifbar.

Steuerrohrverlängerung »Carlo« erfolreich getestet

Seit Ende November ist Carlo nicht nur beim deutschen Patentamt als Gebrauchsmuster-Nummer »20 2010 012 788.2« eingetragen, er hat auch die Betriebsfestigkeitsprüfung bei EFBe bestanden. 100.000 Lastwechsel mit 400 N Ober- und 800 N Unterkraft hat Carlo überstanden und darf sich nun mit dem EFBe-Status »High Performance für Mountainbike« schmücken. Dabei wurde er nicht im Rahmen verklebt, sondern wie ein Steuersatz lediglich eingepresst. So mögen wir es: Eine kleine smarte Idee und eine Umsetzung, die wie am Schnürchen klappt. Lieferbar ab Januar 2011.

»Branchentreff« bei Velotraum

Auch der kleine Branchentreff am 24. November bei Velotraum im Haus war eine gelungene Aktion. Rund 20 Fahrradhändler, Herstellerkollegen (Norwid, Hardo Wagner) sowie Journalisten (RadMarkt, fahrstil) nutzten die räumliche Nähe der Mitgliederversammlung des VSF in Bad Boll, um sich Velotraum mal aus der Nähe und im Detail anzuschauen. Für uns, wie für unsere Gäste ein spannender und aufschlussreicher Tag.

»Potential Mensch« – Fortbildung der anderen Art

Der Blick über den Tellerrand. Unsere gemeinsame Betriebsfortbildung steht unter dem Motto: Potential Mensch. Begleitet wird dieser Prozess durch den EQ-Coach Rainer Hatz. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Coaching – wenn es so was überhaupt gibt –, sondern es geht mehr um eine Hinführung an und eine Sensibilisierung für das Emotionswesen Mensch. Letztendlich geht es nur darum zu verstehen und zu verinnerlichen, warum wir so ticken, wie wir ticken – manchmal gar austicken. Unser Fernziel, (noch) besser mit uns selbst, unseren Kunden, Kollegen und Partnern umzugehen und auszukommen.

Die Mühen in der Ebene: Gabel für SON SL, Scheibenbremskonverter, Riemenantrieb, Software und Peripherie…

Stahl- und Alugabeln für SON SL

Zwar noch nicht in Sicht, aber immerhin auf dem Weg ist die Quasi-Standardisierung von Gabelausfallenden, die eine steckerlose Verbindung von Nabendynamo und Scheinwerferkabel ermöglicht. Basis für die Entwicklung, die auch anderen Fahrradherstellern offen steht, sind die von uns verwendeten Ausfallenden unserer Stahl- und Alugabeln (bisher stehen nur Alugabeln zur Verfügung, die alle mit großem Aufwand angepasst werden müssen). Treibende Kraft hinter der Entwicklung ist Wilfried Schmidt, denn damit sind die sichtbaren Lichtkabel und Stecker zwischen Nabendynamo und Scheinwerfer Geschichte. Zumindest bei Lichtanlagen mit SON-Nabendynamos. Liefertermin der Seriengabeln Ende 2011.

Riemenantrieb für 2011

Mit dem Jahreswechsel hoffen wir nun auch den Riemenantrieb als Wahloption anbieten zu können, für Shimano Alfine- und Rohloff Speedhubnaben. Zwei weitere und unserer Überzeugung nach wichtige Voraussetzung hierfür sind nun gegeben. Erstens, verfügen wir über das notwendige Mess- und Prüfsystem um jeden ausgelieferten Belldrive-Rahmen hier vor Ort nochmals prüfen und zertifizieren zu können. Zweitens, gibt es ab Mitte Januar 2011 endlich die hintere Zahnscheibe in gehärtem und schwarz-verchromten Stahl. Damit sollte die bekannte Verschleißproblematik behoben sein.

Scheibenbremskonverter »Eddy«

Hartnäckigen Widerstand leistet die Serienumsetzung des Scheibenbremskonverter. Immerhin haben wir dem Widerspenstigen schon mal einen Namen gegeben. »Eddy« soll er heißen. Nachdem verschiedene Versuche mit der eleganten Zugführung durch den Bremskolben zu keinem wirklich optimalen Ergebnis geführt haben, rudern wir nun zurück, zur ursprünglichen und schon bestens bewährten und getesteten Ausführung mit Umlenkhebel. Sieht zwar nicht so elegant aus, hat aber den Vorteil, dass Eddy so besser mit unterschiedlichen Hebelverhältnissen von STI-Schalthebeln sowie Bremskolben zurechtkommt. Serienstart wird Mai/Juni 2011.

Neue Betriebs-Software

Uneingeschränkter Spitzenreiter im Kräfteverschleiß und Quälgeist Nummer »Eins« ist jedoch die Einführung unserer neuen Software und deren Ausstrahlung und Hineinwirken in alle Bereiche, bis in die feinsten Verästelungen der Velotraum-Firmenstruktur. Dabei läuft – für die Maßstäbe einer Software-Einführung – alles super gut. Nur scheinen solche Vorhaben generell mit einer geheimen Formel hinterlegt zu sein, die immer dann wirksam wird, wenn man glaubt mit irgendetwas fertig zu sein. Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts ein halbes Dutzend neue Fragen, Probleme, Aufgaben auf… Unsere Lernkurve ist zwar steil, aber die Komplexität und deren Handhabung durch Software haben einen hohen, hohen Preis… das Endergebnis wird aber sicherlich noch zum Glanz-Glanzlicht. Das ist wie im Märchen, nur dass wir den Frosch etwas intensiver zum Prinzen hinküssen müssen ;-)

Also, Ihr seht, auch wenn es auf der Velotraum-Homepage gerade etwas ruhiger ist, die Pipeline ist gut gefüllt und hinter den Kulissen läuft die Maschinerie auf Hochtouren.

Kommentare

  1. andreas am 16. Dezember 2010:

    Lieber Stefan Stiener, sorry wenn das jetzt nicht zum Bericht passt…aber weißt Du was das schönste, interessanteste, inspirierendste und was weiß der Geier tollste an deiner Seite ist: Die Galeriebilder der nach Kundenwunsch gefertigten Bikes! Ich möchte mehr davon!

  2. Stefan Stiener von Velotraum am 17. Dezember 2010:

    Hallo Andreas,

    Geduld – Bildernachschub von Velotraum-Rädern wird es auch wieder geben. Momentan sind wir einerseits zu sehr damit beschäftigt das 2011er Puzzle zusammen zusetzten und anderseits vereitelt der viele Schnee (!) spontane Fotositzungen… Denn, die Schneemassen verdunkeln das Oberlicht unseres »Fotostudios« und »knipsen« einfach das eh schon kurze und spärlich Tageslicht aus… Scheiß weißes Zeug ;-)

  3. Hans am 17. Dezember 2010:

    Wenn ich das richtig verstehe, sind diese steckerlosen Nabendynamo-/Ausfallendensyteme “einadrige” Systeme, d.h., Masse wird wieder, wie zu Omas Zeiten, über den Rahmen geführt (nur, damit es schick aussieht). Und das von Schmidt, der ja gerade durch seine geniale zweiadrige Kabelführung bei seinen Lamperln hervortritt. Genial, weil sein verwendetes Koaxkabel die perfekte (elektrische, mechanische,…) Lösung für eine Kabelführung am Fahrrad darstellt. Der Laie erkennt die Perfektion dieses Kabels in diesem Einsatzbereich doch gar nicht. Die Zweiadrigkeit wurde ja nicht zum Spass eingeführt (siehe auch BUM). Sie ist deshalb so wichtig, weil, insbesondere bei solchen 6 V-Systemen, auch schon geringe Spannungsabfälle die Leistung der betroffenen Beleuchtungseinrichtungen stark abfallen läßt. Auch dies bemerkt der desinteressierte Radfahrer kaum. Der Qualitätsbewußte jedoch, der auch in Edelux, SON usw. investiert, macht das ja nicht zum Spass, sondern weil er/sie möglichst viel Licht auf der Straße wiederfinden möchte. Aus gutem Grund! Auch wenn sich das Koaxkabel von Schmidt in der Verarbeitung etwas komlizierter darstellt, als ein “normales” zweiadriges Kabel (BUM), ist dieses, wenn alle Verbindungsstellen im Beleuchtungssystem auch perfekt hergestellt wurden, die unübertroffene, geniale Lösung: – Stromführender und Masse haben einen für Radlichtkabel sehr großen Querschnitt (geringer Spannungsabfall) – Stromführender ist Innenleiter! geschützt durch Isolation-Außenleiter (Masse)-extrem abriebfeste Außenisolierung. – So ist ein Kurzschluß durch Abrieb, Beschädigung,… praktisch unmöglich.
    Einfach genial; dabei solllte man bleiben, weil das, was nachkommt, nicht besser ist.

  4. Hoax Koax am 17. Dezember 2010:

    Besten Dank, Hans, für Deine nachvollziehbare Darstellung und die begründete Wertung der Koaxkabelage.

  5. Britta Zimmermann, Schmidt Maschinenbau am 17. Dezember 2010:

    So haben wir alle am Anfang gedacht, ja. Bei einer Kabelverlegung über Gabel und Rahmen bis zum Rücklicht ist Masse über den Rahmen zu legen ungünstig. Die klassischen Problemstellen waren iimer Masseverbindungen über Schutzbleche und Schutzblechstreben. Dazu kam noch die schwierige Masseleitung von der Gabel über das Steuerlager auf den Rahmen.
    Anders bei einer SL Gabel: die ganze Gabel ist der Massekontakt. Durch den großen Druck der Spannachse / des Schnellspanners haben wir eine sehr gute Kontaktiertung auf großer Fläche zum Nabendynamo. Die Phase wird auf der anderen Seite über eine großflächige Kontaktscheibe fest auf den Nabendynamo gedrückt. An diese Kontaktscheibe ist unser bewährtes robustes Kabel fest angelötet. In der Gabelscheide liegt es gut geschützt. Diese Verbindung ist weitaus sicherer als jede Steckerverbindung und außerdem super bequem beim Ein- und Ausbau des Vorderrrads :-).

  6. Martin Drerup am 19. Dezember 2010:

    Wenn man sich anschaut, was für einen Sch… Shimano an dieser Stelle verbaut, sollte man es den betreffenden Ingenieuren eigentlich um die Ohren hauen. Jeder, der sich schon mal mit Elektronik befasst hat, weiß, dass Kupfer korodiert und seine Leitungseigenschaften deutlich verschlechtert. Hier sehe ich eigentlich sogar eine Aufgabe für den Gesetztgeber, schließlich ist die Beleuchtung am Fahrrad ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Shimano sollte schnellstmöglich nachbessern! Oder weiß einer eine gute Lösung? (außer einen SON zu kaufen.)

  7. Hans am 19. Dezember 2010:

    @ Britta Zimmermann:
    “…Dazu kam noch die schwierige Masseleitung von der Gabel über das Steuerlager auf den Rahmen….” ???? Dieses Problem wird nun wie gelöst? Habe ich noch nicht erkannt. Bei meiner Kabelage ist, bis auf die beiden Stecker am SON, jede elektrische Verbindung gelötet. Und diese beiden Stecker muss man natürlich korrosionssicher behandeln (Wachs, Fett…o.ä.). Ich habe 2 Edeluxen parallel am SON hängen. Schon bei langsamer Schrittgeschwindiggkeit/Schieben (ca. 3 km/h) schägt jede Aplitude des SON “mit voller Wucht durch” und landet als Licht auf der Straße, dass es eine wahre Freude ist. Das funktioniert nur mit verlustarmen Kabelagen. In Ewigkeit – Amen.

  8. Meister Lampe am 20. Dezember 2010:

    Ich finde es sehr schön, dass hier so ausführlich diskutiert werden kann und dass sich auch Schmidt Maschinenbau daran beteiligt. Vielen Dank an Velotraum für diese Möglichkeit!

    @Hans: Die Verkabelung vom Scheinwerfer zum Rücklicht kann weiterhin nach altem Muster vom Scheinwerfer aus zweiadrig erfolgen. Nur über die Gabel und den direkt an der Gabel verschraubten Scheinwerferhalter fließt ein Massestrom bis zum Scheinwerfer, nicht über den Rahmen oder das Steuerlager. Daher gibt es an dieser Stelle kein Problem, das gelöst werden müsste.

    Das neue System macht auf mich jedenfalls einen sehr guten, durchdachten Eindruck. Wer es ganz genau wissen möchte, kann sich hier informieren:

    http://www.nabendynamo.de/produkte/pdf/OEM-Info-SONdeluxSL_2010_01.pdf

    http://velotraum.de/news/son-20r-nabendynamo-mit-direkt-kontakt

  9. Hans am 22. Dezember 2010:

    Für mich keine Lösung. Der Abstand zwischen Kontaktplatte und Ausfallende (Masse) ist zu klein (der Rand der Kunststoffunterlage ist zu schmal). Hierauf Dreck und vielleicht noch etwas Streusalz – und schon haben wir Kriechströme über diese 2-3 mm Distanz. (Noch) nix für mich. Schöne WN.

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