Rahmendesign

Viel Herzblut und Arbeit stecken in unserem Kernprodukt, den zehn Velotraum-Rahmen und dazugehörigen Gabeln. Und das ist auch gut und richtig so. Schließlich bestimmt der Rahmen und die Gabel grundlegend und unabänderlich die späteren Eigenschaften und Möglichkeiten des Fahrrads.

Produkte der Praxis

Die Velotraum-Rahmen spiegeln unsere mittlerweile 20-jährige Erfahrung und Auseinandersetzung mit den vielfältigen Anforderungen unserer Kunden wider. Kurzlebige Trends und Moden interessieren uns dabei genauso wenig wie der Zwang zu immer Neuem. Unsere Rahmen und deren kontinuierliche Weiterentwicklung sind keine Kopfgeburten, sondern Antworten auf die Anforderungen und Wünsche, die uns tagtäglich begegnen.

Wo Velotraum draufsteht, ist auch Velotraum drin

Die Impulse für ein neues Rahmenmodell bzw. die Rahmen-Weiterentwicklung kommen im Wesentlichen aus vier Bereichen: Fahrradtechnik, Kundenanforderungen, Reifenformat und Lenkerform. Dazu ein paar konkrete Beispiele:

  • Fahrradtechnik — der Siegeszug der Nabenschaltung und das Spannen der Kette. Velotraum war der erste Hersteller, der 2002 einen Exzenter statt verschiebbaren Ausfallenden verwendete. Heute ist der Exzenter der Status Quo bei hochwertigen Fahrrädern. Wir gehen allerdings noch einen Schritt weiter. Alle Velotraum-Rahmen mit Exzenter sind inzwischen sogenannte Plattform-Rahmen, die für unterschiedlichste Naben- und Kettenschaltungen geeignet sind. Noch höhere Anforderungen stellen Mittelmotor-Systeme für das Pedelec. Motor, Batterie und Maschinenrichtlinien stellen völlig neue und komplexe Anforderungen.
  • Kundenanforderungen — Die Erkenntnisse aus der Fahrrad-Anpassung mit der Velotraum-Messmaschine finden ihre direkte Umsetzung in der spezifischen Geometrie unserer Rahmen, die wir inzwischen in bis zu zehn fein abgestuften Größen pro Modell anbieten. Rahmen wie den »VT-400« und den »VT-1100« gibt es darüber hinaus noch in unterschiedlichen Rahmenlängen.
  • Reifenformat — Nicht nur völlige Neuentwicklungen wie die Plus-Formate oder die Wiederentdeckung von 27,5 Zoll verlangen nach einem passenden Rahmen bzw. Gabel. Auch der eindeutige und nachhaltige Trend zu mehr Reifenbreite erfordert eine permanente Optimierung des Rahmendesigns.
  • Lenkerform — Lenker ist nicht gleich Lenker. So hat die Form des Lenkers einen sehr starken Einfluss auf die Sitzlänge, also den Abstand zwischen Sattel und Griffposition(en). Ganz besondere Anforderungen stellt in dieser Beziehung der Rennlenker. Aus diesem Grund ist zum Beispiel der Speedster nur für diese Lenkerform konzipiert und optimiert.

Fahrradtechnik: Integration von Motor und Akku
Kundenanforderungen: Körpergröße 1,60 Meter
Reifenformat: B-Plus mit 70 Milliemeter Breite
Lenkerform: Rennlenker – fein, aber speziell

In der Praxis ist natürlich nie nur ein Aspekt ausschlaggebend, sondern es ist immer eine Mischung aus allen Faktoren. Die Beispiele sollen nur verdeutlichen: Überall, wo Velotraum draufsteht, ist auch Velotraum drin. Unsere Rahmen sind keine mit ein paar Modifikationen versehene Standardrahmen aus irgendeiner beliebigen Rahmenschmiede, sondern hundertprozentige Eigenentwicklungen.

Entwicklung, Konstruktion & Produktion

Bevor die erste Schweißnaht gezogen werden kann, ist erstmals Fleißarbeit angesagt: umfangreiche Analysen und Recherchen zu den jeweiligen technischen Standards, egal ob es eine Kurbelgarnitur, eine Schaltung, eine Getriebebox oder ein Reifen ist. Schließlich soll das Neue mit dem Bestehenden reibungslos funktionieren. Danach kommt die Vorkonstruktion und es folgen die genauen Spezifikationen aller Details, die wiederum weitere Unterprojekte genieren wie z. B. neue Ausfallenden. Nicht nur jede Rahmengröße, auch jedes noch so kleine Detail will in Form und Position eindeutig bestimmt und mittels CAD entwickelt werden.

Generell werden von allen Neuentwicklungen Musterrahmen gebaut, die hier vor Ort auf alle möglichen Belange geprüft werden oder zu externen Prüfinstituten gehen. Der ganze Prozess benötigt zwischen sechs und neun Monaten, dann erst fängt die eigentliche Fertigung der Rahmen an.

Die Produktion unserer Rahmen erfolgt in Asien, genauer gesagt in Taiwan. Dort sind zurzeit sicherlich die mit Abstand besten Voraussetzungen vorhanden, um hochwertige Fahrradrahmen aus Metall fertigen zu lassen. Wo sonst könnte ein kleiner Hersteller wie Velotraum sich Rohrsätze mit speziellen Durchmessern und Wandstärken fertigen lassen?!

Mit unserem Rahmenbauer arbeiten wir seit 2007 zusammen. Dabei ist eine immer bessere Zusammenarbeit und ein tieferes Verständnis füreinander entstanden. Die eher kleine Rahmenschmiede ist auf hochwertige Kleinserien spezialisiert, weshalb auch namhafte Mitbewerber – die wir hier nicht nennen dürfen – dort fertigen lassen.

Stahl und Aluminium

Um den Fahrradrahmen, speziell um die verwendeten Materialien und Verarbeitungsformen, ranken sich unzählige Mythen und Legenden, die zwar in schöner Regelmäßigkeit durch wissenschaftliche Tests widerlegt werden, aber dennoch von der Branche und manchen Fachmagazinen gerne »kultiviert« werden. Der Mumpitz von harten Alurahmen, komfortablen Stahlrahmen oder gar weich gefahrenen Rahmen hält sich unglaublich hartnäckig, ist aber einfach falsch. Ebenso überholt sind Aussagen, dass Stahlrahmen generell länger halten als Alurahmen (eher eine Frage der Dimensionierung) oder dass gelötete Stahlrahmen haltbarer sind als geschweißte (war mal vor 30 Jahren aktuell).

Wir orientieren uns beim Rahmenbau an den späteren Anforderungen, den physikalischen Materialeigenschaften, den neuesten fachlichen Erkenntnissen und unseren eigenen, nun schon langjährigen Erfahrungen. Vordergründige Trends (Leichtbau zulasten der Funktion), kurzfristige Moden (dünne bzw. schlanke [Stahl]Rohrdurchmesser) oder erzwungene Neuheiten (die einzig den Zyklen der Fachmessen geschuldet sind) sind uns suspekt.

Anlötteile

Die Rahmen sind mit allen notwendigen Anlötteilen ausgestattet: In der Regel Ösen für drei Flaschenhalter und belastbare Gepäckträgergewinde sowie Lowrider-Ösen. Als Besonderheit sei noch die variable Bremszugverlegung erwähnt, die sowohl ein perfektes Verlegen von konventionellen Seilzügen als auch Hydraulik­leitungen ermöglicht. Die Rahmen von Speedster, Finder, Pilger und der VT-1300 sind nur für Scheibenbremsen – alle anderen Modelle auch für Felgenbremsen – geeignet.

Rahmengeometrie

Velotraum-Räder sind agil, wendig, aber nicht nervös, und sie lassen sich mit einer verblüffenden Präzision und Sicherheit steuern und fahren. Dafür verantwortlich ist in hohem Maße die Rahmengeometrie, die für die Fahreigenschaften und die Passform von herausragender Bedeutung ist – und nachträglich nicht mehr geändert werden kann. Ein Grund, warum wir an dieser Stelle einen enormen Aufwand betreiben.

Damit alle Velotraum-Räder die unisono hochgelobten, typischen Velotraum-Fahreigenschaften haben (unabhängig von Modell, Material oder Größe), ist die Lenkgeometrie bei allen Rahmen innerhalb einer Fahrradwelt gleich. Feine und größere Unterschiede finden sich bei den gekonnt aufeinander abgestimmten Längen und Winkeln von Ober-, Steuer- und Sitzrohr, also der drei Rahmenhauptrohre. Die Maße und Verhältnisse unterscheiden sich dabei nicht nur in jeder Rahmengröße, sondern auch von Modell zu Modell. Daher ist die Anpassungsfähigkeit unserer Räder sehr umfassend und ist einem Maßrahmen – den man zuvor weder sehen noch fahren kann – durchaus ebenbürtig.

Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass gefederte Sattelstützen und Federgabeln besondere Anforderungen an die Rahmengeometrie stellen. Nur wenn deren größere Einbaulängen im Rahmendesign vorgedacht und berücksichtigt werden, können sie, ohne Nachteile für die Fahreigenschaften oder ihre individuelle Sitzposition verwendet werden.

Noch tiefer wollen wir an dieser Stelle nicht in die komplexe Materie eintauchen. Kenner und Kundige finden alle relevanten Daten in den Datenblättern der jeweiligen Rahmenmodelle. Wesentlich anschaulicher und vergnüglicher lassen sich die beschriebenen Eigenschaften vor Ort (Fachhändler oder Velotraum) vermitteln und erleben.

Geprüfte Betriebsfestigkeit

Das konstruktive Grundprinzip der Velotraum-Rahmen beruht auf der seit 150 Jahren bewährten und immer noch unerreicht effizienten Diamant-Rahmenform. Daher haben wir ein umfangreiches und langjähriges Erfahrungswissen hinsichtlich der Fähigkeiten unserer Rahmen.

Dieses Erfahrungswissen hilft uns bei der Konstruktion moderner Premium-Rahmen allerdings nur noch bedingt weiter und wir betreten als Hersteller immer wieder konstruktives Neuland. Gemeint ist damit unter anderem: hochspezialisierte Aus- fallenden, raffinierte Verstärkungen, Exzenter-Tretlagergehäuse, trennbare Hinterbauten für den Riemenantrieb, Aufnahmen für das Pinion-Getriebe oder Mittelmotor und Systemgewichte mit bis zu 180 Kilogramm. Ohne aussagekräftige Betriebsfestigkeitsprüfung, welche die Belastungen eines Fahrradlebens im Zeitraffer simuliert, ist für Velotraum eine Produktentwicklung nicht mehr vorstellbar, auch wenn diese Prüfungen zeit- und kostenintensiv sind.

Speedster- und Findergabel bestehen EFBE-Test
VT-1300 besteht die höchste Teststufe

Wir lassen daher Rahmen-Neuentwicklungen beim Zedler-Institut nach den anspruchsvollsten Standards (Advanced Plus) prüfen. Als Produktentwickler und Hersteller stehen einem da schon ein wenig die Haare zu Berge, wenn man sieht (und mitleidet), wie sich der »Prüfling« in den Prüfapparaturen biegt und windet – eine regelrechte hightech »Material-Folter-Anstalt«. Der Lohn für den Aufwand: Brüche bei Velotraum-Rahmen liegen bei Stahl und Aluminium im Promillebereich.

Zertifizierte Rahmensteifigkeit

Ein weiteres, wichtiges Merkmal ist die hohe Steifigkeit unserer Rahmen. Sie gibt nicht nur Auskunft darüber, wie viel Kraft man aufwenden muss, um unsere Rahmen horizontal zu verformen, sondern erlaubt auch Rückschlüsse darüber, ob der Rah­men zum Aufschaukeln neigt. Beim Aufschaukeln, auch Flattern genannt, wird der Rah­men mit seiner Eigenfrequenz angeregt und fängt an, unangenehm zu schwingen – und das nicht notwendigerweise bei hohen Geschwin­digkeiten. Die Schwingungen können so stark sein, dass ein Weiterfahren unmöglich ist.

Unsere Räder müssen was aushalten und das Vertrauen in die Technik ist offensichtlich grenzenlos ;-)

Das Aufschaukeln von Rahmen ist ein teuflisch komplexes und daher kaum erfor­schtes Gebiet, denn als Auslöser können Rahmen, Reifen, Sitzposition, Laufräder, Fahrer, Gabel oder Gepäck fungieren. Aus Erfahrung weiß man jedoch: Je steifer ein Rah­men, desto geringer ist seine Tendenz zum Aufschaukeln. Aus­geschlossen ist es freilich nie. Wir lassen unsere Rahmen beim Ingenieurbüro Zedler hinsichtlich der Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit zertifizieren, um zumindest über diese wesent­lichen Fakto­ren Bescheid zu wissen und sie gezielt optimieren zu können.

Wir wollen noch darauf hinweisen, dass ein steifer Rahmen dabei nicht unkomfortabler ist als ein labiler Rahmen. Fahrradrahmen in Diamantform sind in vertikaler Richtung immer unnachgiebig. Auf die Praxis bezogen bedeutet dies: Rahmen und Gabel sollten für die Fahrsicherheit steif sein; die »Federung« sollte man Reifen, Lenker, Vorbau, Sattel oder Federungselementen überlassen.

Stahl- und Alugabeln

Die Gabel ist ein völlig unterschätztes und wenig beachtetes Bauteil. Dabei ist die Gabel das am stärksten belastete Bauteil am Fahrrad und für die Sicherheit von größter Bedeutung. Es gibt bei der Gabel keine sogenannte Redundanz, also eine Art von Reserve(rohr) wie beim Rahmen. Ein Bruch des Gabelschafts oder der Gabelscheiden bedeutet immer einen Sturz mit eventuell schwerwiegenden Folgen. Daher muss ein Gabelbruch nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund lassen wir die Gabeln bei allen Weiterentwicklungen sowie in regelmäßigen Abständen in Deutschland (bei EFBE) testen, und zwar ebenfalls nach den höchsten Standards. Diese Um- und Vorsicht hat sich bewährt, denn trotz der hohen Belastungen, denen unsere Gabeln ausgesetzt sind, gab es in den letzten 17 Jahren keinen einzigen Gabelbruch.