Manchmal braucht es mehrere kleine »Anstöße« von außen um eine längst gehabte Idee in die Tat umzusetzen.

Ein Paradebeispiel dafür ist eine neue Spielvariante des »Speedster S4« mit Rohloffnabe, bei dem wir gleich über mehrere unserer Schatten und vermeintlichen Ismen springen mussten.
Seit dem Wegfall des SP300-Rahmens, dessen Weiterführung bzw. Neuauflage aus betriebs- und marktwirtschaftlichen Gründen derzeit nicht möglich ist, haben wir mit dem Gedanken gespielt, einmal einen Rohloff-Speedster mit dem S100-Rahmen bzw. dessen Vorgänger, dem SP200-Rahmen, zu bauen.
Den ersten Anstoß gab ein Kunde, der sich von der »Velothek« in München einen Rohloff-Speedster mit SP200-Rahmen bauen ließ, uns ein Foto davon schickte und wir feststellen konnten, dass trotz Kettenspanner das Ergebnis überzeugte. In den stürmischen Zeiten der Betriebsübergabe verloren wir diese Idee aber wieder aus den Augen. Der zweite Anstoß ist eine aktuelle Testrad-Anfrage der Fachzeitschrift »Radfahren« und unser Wunsch, dafür etwas besonders Originelles zu liefern.
Gut, dass Moritz Pfrengle technische Herausforderungen nie abschrecken, sondern eher herausfordern. Denn natürlich wollten wir das Rad nicht auf Basis des Auslaufmodells SP200 bauen. So blieb nur der neue Speedster S100-Rahmen mit seinen vielen Vorteilen, aber einem vermeintlich Rohloff-spezifischen Nachteil: der Steckachse. Aus diesem Grund haben wir bisher einen großen Bogen um die vergleichsweise filigrane und adapterintensive Rohloff mit Steckachse gemacht. Um es kurz zu machen: Ja, die Rohloff stammt aus der Schnellspanner-Ära und die Steckachse muss mit einigem Aufwand integriert werden, ist aber durchaus machbar und handhabbar. Für den Nutzer sind diese Aspekte zudem völlig irrelevant, der kann sich allein an der wartungsarmen und robusten Rohloff erfreuen.
Kommen wir nun zu den vermeintlichen »No-Gos« …
- Da wäre zunächst der Kettenspanner. Da der S100-Rahmen weder Exzenter noch verschiebbare Ausfallenden hat, ist ein Kettenspanner unverzichtbar. Früher hätte uns das auch wahnsinnig gestört, inzwischen sind wir da gelassener und weniger verbohrt, zumal der Kettenspanner den Wartungsaufwand eher verringert, da die Kette nicht nachgespannt werden muss. Außerdem spart man am Rahmen rund 200 Gramm Gewicht, ohne an Belastbarkeit oder Steifigkeit einzubüßen.
- Ein weiteres No-Go für viele Getriebefans: Ein Carbon-Riemen ist nicht möglich. Mea culpa – aber auch das sehen wir durchaus gelassen. Es ist einfach so, und am Ende halten sich die Vor- und Nachteile des Riemens je nach Einsatzgebiet durchaus die Waage.
Ehrlich gesagt gefällt uns diese Variante des Speedster S4 auch unter Berücksichtigung der No-Gos sehr gut. Dank des S100-Rahmens und der ebenfalls neuen A425-Gabel ist er perfekt für den Gravel- oder Rennlenker ausgelegt und bespielt eine breite Klaviatur vom obligatorischen Graveleinsatz über Bikepacking und dem sportlichen Pendeln. Der S100-Rahmen bietet dafür die entsprechende Flexibilität bei Reifengröße sowie Antrieb und verfügt über alle notwendigen und wünschenswerten Anbauteile. Das abgebildete Rad wiegt ohne Pedale und mit 54-584er Reifen 12,3 Kilogramm. Das ist angesichts der Belastbarkeit und Vielseitigkeit ein geringes Gewicht. Durch die etwas kompaktere Rahmengeometrie und den steileren Steuerrohrwinkel fährt sich dieser S4 auch so, wie er aussieht: Agil und dennoch souverän.
Spätestens nach der Eurobike wird diese Variante des »S4« in den Konfigurator aufgenommen und damit bestellbar sein. Die Lieferzeit beträgt derzeit acht Wochen.
Kommentare
Ein sehr schönes Rad und ich habe ebenfalls eine Wandlung im Hinblick auf den Kettenspanner gemacht und finde ihn gar nicht mehr störend oder schlimm. Die einzige Baustelle bei einem Rohloff-Gravel-Rad mit Rennlenker ist für mich nach wie vor die Schaltansteuerung. So toll und einfach die Rohbox auch konstruktiv ist, man hat immer noch beim Schalten einen ewig langen Schaltweg, der bei mir beim Probefahren total auf die Hände geht. Ich würde mir stattdessen den teilbaren Lenker von Nicolai mit dem normalen Rohloff-Schaltgriff ans Rad bauen und vielleicht bekommt es Rohloff ja auch endlich in, die elektrische Schaltansteuerung auch für Bio-Bikes anzubieten, dann ist die jahrelange Rennlenker-Bastelei vermutlich ein für allemal gelöst.
elektronische Schaltung für „BioBikes“ gibt es schon: SternShift
Rohloff arbeitet tatsächlich an einer elektronischen Ansteuerung für Rennlenker. Die E14 war ja bis jetzt auch nur für Flatbars.
Den Großteil der Arbeit hat ihnen dabei TRP schon abgenommen, die HyWire Brifter die man von Pinion kennt, funktionieren genauso mit der E14, TRP hat das Ganze als offenen Standard konzipiert.
Am E-Bike funktioniert das auch schon (Bosch oder Panasonic Motor vorausgesetzt), auf der Eurobike geistertern ca 2 Räder dieser Art von Mitech rum. Das Problem, dass Rohloff gerade noch hat, ist das man sich nicht wirklich einig ist wohin mit dem Akku, wenn kein E-Antrieb vorhanden ist.
Ich könnte mir also vorstellen, dass wir zumindest in ein paar Jahren da was sehen…
Liebes VT-Team, im aktuellen Herbstmailing verweist ihr auf einen Gravelbike-Test in “RADfahren 06/24”, bei dem just dieser S4 super abgeschnitten hat. Ich habe mir das Heft gekauft und die Tests mit Interesse gelesen. Das Testfazit bei “unserem” Kandidaten lautet: »Das Velotraum Speedster ist ein vielseitiges, starkes Sport-Tourenrad für alle und vor allem abseitige Wege. Es freut sich auf die Feldwege daheim und das Ende der Welt«. Gut formuliert, finde ich, und die Gesamtnote von 1,5 (sehr gut) kann sich sehen lassen. Gleichwohl habe ich mich gewundert, weshalb ihr gerade einen Rohloff Speedster da rein gegeben habt. 21 von 24 Bikes hatten Kettenschaltung. Ein normaler S2 mit Kette hätte noch mehr punkten können, ja vielleicht sogar mit Abstand Testsieger werden können, da zum einen bei Preis wie auch Gewicht wesentlich attraktiver, und zum anderen wäre der einzige (!) Minuspunkt, nämlich der lange Schalthebelweg, entfallen.
@Wolfgang
Die Auswahl der Schaltung für diesen Test ist Velotraum-typisch. Wir wollten nicht eins von 22 Rädern, sondern lieber eins von drei Rädern ins Rennen schicken.
Zudem lag die Testausrichtung auf einem abenteuer- und explizit nicht performanceorientierten Rad. Anhand dieser Kriterien sehen wir unser Rad mit Rohloff als deutlich passender ausgestattet an.
Der einzige Kritikpunkt ist bei einem Rad eines Konkurrenten mit gleicher Schaltung übrigens keine Erwähnung wert.
@Moritz_VT: Danke für die Einordnung, ich kann sie nachvollziehen. Zu der Bemerkung im letzten Satz: Vielleicht liegt das daran, dass man beim VT einfach nichts anderes gefunden hat, was man als Minuspunkt hätte aufführen können … ;-)
Ich kann von dem Speedster mit Rohloffschaltung nur abraten !! 2020 gekauft, funktioniert die Schaltansteuerung nicht zuverlässig und das Rad ist seither 1x/ Jahr in der Velotraum Werkstatt, weil die Schaltung wieder mal nicht funktioniert. Ich nutze das Rad ca 40km/ Woche.
Im November 2024 wurde bei meinem Rad die komplett neue Lösung wie aktuell verkauft eingebaut- mit der Aussage- JETZT ist das Problem endgültig behoben- von wegen. Schon wieder, nach jetzt ca 4 Monaten, lässt sich die Schaltung nicht ansteuern. Völlig unbrauchbar!
Hallo S.B.,
ich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Rohbox in Verbindung mit der Rohloff-Nabe schaltet zuverlässig an meinem Speedster, den ich seit einigen Jahren fahre. Gesamtkilometer bisher ca. 46 Tkm. Ich fahre in der Woche mindestens 120 km.
Auch bei einem anderen Fahrrad (nicht Velotraum) hat die Rohloffschaltung immer gut funktioniert.
Frage: wie ist dein Schaltverhalten? Aus meiner Sicht muss zwingend bei einem Schaltvorgang die Zugkraft kurz unterbrochen werden. Ich mache das so, dass ich immer am oberen Totpunkt der Pedalumdrehung schalte und kurz die Kraft rausnehme. Was nicht geht ist, wie bei einer Kettenschaltung mit voller Kraft auf dem Pedal zu schalten.
Ansonsten könnte das Problem in der Auswahl der Schaltgriffe liegen. Ich habe auch schon erlebt, wie ein Schaltzug gerissen ist. Das liegt m.E. an der mechanischen Belastung der Züge, die eher für eine leichter schaltende Kettenschaltung ausgelegt sind. Ist aber nix, was man nicht beherrschen könnte.
LG Guido
Hallo Guido,
danke für die Hinweise.
Mein Schaltverhalten ist normal, ich fahre sogar nur in der Ebene. Daran liegt es nicht.
Ich habe meinen Speedster mit Rohloff damals gekauft, weil ich ein robustes, stabiles, wartungsarmes Rad wollte und so wurde es mir auch versprochen. Trotz vieler Werkstattbesuche erfüllt es sich eben genau nicht und ich komme mit dem Rad noch nicht mal zuverlässig zur Arbeit.
Hallo Frau B.,
ich kann Ihren Ärger nachvollziehen. Es ist kein gutes Gefühl, wenn das Rad, auf das man sich verlässt, nicht zuverlässig funktioniert.
Wir sind in der Rückschau mit der Qualität der Shift:R Road-Schaltbox auch nicht zufrieden. Deswegen waren wir sehr froh, als es mit der Rohbox möglich war, STIs von Shimano einzusetzen. Die Rohbox von Gebla ist eine aus meiner Sicht absolut robuste Lösung. Dies hat Guido oben sehr gut ausgeführt.
Den Umbau Ihres Rades auf diese sehr robuste Lösung haben wir mit einer für Sie kulanten Lösung umgesetzt, weil ich überzeugt war, dass diese Ihnen wieder Sicherheit geben wird.
Sofern also ein Defekt vorliegt, sind wir gerne bereit, diesen zu beheben. Bitte melden Sie sich deswegen bei uns.